Überraschenderweise habe ich einen Nachmittag freibekommen, weil ich nach meinem Hebron-Trip und dem Finalspiel mit einer außerplanmäßigen Nachtschicht überrascht worden bin. Danach ein stressiger Tag, aber seit heute Morgen hab ich dann frei. Was macht man an freien Tagen? Weiter an meinem Blog arbeiten... :D
Der Bus zum Herodion war nicht ganz so gepanzert, hat nur dicke Scheiben. Der Weg ist nicht ganz so weit wie bis nach Hebron. An Bethlehem vorbei, immer auf der israelischen Straße entlang. Und dann kommt es auch schon in Sichtweite: Ein Berg, der einem Vulkan ähnelt.
Der Busfahrer schmeißt mich an irgendeinem Hintereingang zum Nationalpark raus. Hier gehen alle rein, sagt er mir. Ich steh vor dem verschlossenen Tor eines Kibbuz oder einer Siedlung, kein Plan. Da steht eine Telefonnummer dran, soll man wohl anrufen. Hmm, naja, ich lauf außenrum.
Also bin ich erstmal durch halb Palästina gelaufen... Zum Vordereingang muss man erst an ein paar arabischen Häusern vorbei. Aha, deswegen benutzen die Israelis den Hintereingang. Man kann auch übertreiben.
Auf der Spitze des Berges stand mal ein Palast von Herodes dem Großen. Die Ruinen gibt es heute noch. Erst einmal ein paar Bilder.
War schon ganz interessant. Vor allem kommt hier mal wieder die ganze jüdische Geschichte zusammen, wie fast überall in Israel. Unter der Palastanlage finden sich Gänge und Zisternen, einiges aus der Zeit des ersten Jüdischen Krieges, manche Gänge sind vom Bar-Kochba-Aufstand. Oben gibt es ein paar römische Bäder. Von den Römern.
Draußen angekommen laufe ich an der kleinen israelischen Militärbasis vorbei zur Straße runter. Bis jetzt habe ich ja gedacht dass es dumm war, meine West Bank Tour in Hebron zu beginnen, gleich mit dem Spannendsten. Aber dann stand ich an der Straße unten und habe mir überlegt, wie ich wieder heim komme...
Wer mit unseren Hagoschrim-Regeln vertraut ist, der weiß, dass dort Folgendes geschrieben steht: "Du sollst nicht trampen!" Wie dem auch sei, ich war ganze zweieinhalb Stunden später wieder zuhause...
Warum das so lange gedauert hat?? Naja, wie gesagt: Trampen is nich. Bus? Naja... irgendwie war da auch kein Bus. Die Taxis waren alle nur für Palästina zugelassen.
Kurz gesagt: Wer zu Fuß erst einmal die A-Zone umgehen muss ("Du sollst nicht in die A-Zone gehen!"), der braucht eben seine Zeit. Aber okay, das war jetzt weniger dramatisch als es sich vielleicht anhört. Ich bin nur ein bisschen gewandert. Der Highway ist israelisches Staatsgebiet. An den A-Zonen bin ich nur vorbeigelaufen (siehe Foto). Und da Israelis und Araber (wie auch Osteuropäer) auf einer mehrspurigen Straße generell nur links fahren, hatte ich die ganze rechte Spur für mich. *Das ist alles bisschen übertrieben, aber das versteht ihr schon oder? :D* Kopfbedeckung gegen die Sonne, Wasser gegen den Durst - ich hatte alles dabei (siehe hierzu H.-Regeln Nummer 5a und 5b). Nur die Autofahrer haben bisschen komisch geschaut. Vor allem weil mich von den israelischen Siedlern wohl jeder zweite nach Jerusalem mitgenommen hätte.
Ich war schon froh, als der Checkpoint zur israelischen Seite am Horizont auftauchte, aber als ich mich näherte, gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf. Natürlich war das nur ein Checkpoint für Autos.
Jedenfalls, als ich mich auf 30 Meter angenähert hatte, forderte mich der Soldat auf Hebräisch auf, ganz langsam meinen Rucksack zu öffnen. :D Zum Schluss durfte ich noch mein T-Shirt heben und zeigen, dass ich keinen Sprengstoff drunter trage... Wow, das hört sich aber extrem übel an, wenn man das so liest... Im Nachhinein muss ich mich darüber schieflachen...
Am Ende wollte er noch meinen Pass sehen. Dann hat er den nächsten Bus angehalten (eine arabische Schulklasse von irgendeinen Palestine National Comittee of ... ) und die mussten mich bis zur nächsten Bushaltestelle mitnehmen. Einer der Soldaten hat mich noch gefragt ob ich keine Angst vor den Arabern gehabt hätte. Für "Araber" hat er ein Schimpfwort benutzt, das sich auf Hebräisch zwar lustig anhört, wegen dem aber schonmal ein Polizist zwangsversetzt wurde, wie ich gerade bei Google recherchiert habe.
Wie dem auch sei: Der Junge, neben dem ich im Bus saß, muss jetzt denken dass alle Deutschen fürchterlich nach Schweiß stinken. Und ich muss darüber nachdenken, ob ich mich nach meinem Jahr in Israel zur Ruhe setze und mir eine Frau suche (:D) - oder ob ich noch ein bisschen weitermache. Gerade beginnt das alles Spaß zu machen. Okay, Soldaten zu verwirren ist jetzt nicht ein wirklich sinnvoller Sport, aber als Ganzes betrachtet hat dieser zweite Nachmittag meiner West Bank Tour doch gewisse Reize gehabt. Ich plane für die Zeit nach Israel auch eine zweiwöchige Rumänienreise. Da brauch ich dann einen eigenen Blog...
So, in den nächsten Tagen melde ich mich vielleicht nochmal und mache ein paar abschließende Kommentare zu Fußball und Politik in Deutschland, von Israel aus betrachtet. Aber das hat Zeit. Jetzt erstmal Spaghetti kochen (wie jeden zweiten Tag) und den Tag ausklingen lassen... :)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen