Dienstag, 30. März 2010

Pessach

Viele von euch kennen wahrscheinlich das Passah-Fest aus der Bibel. Das heißt auf hebräisch Pessach und wird gerade jetzt gefeiert. Die Juden gedenken mit diesem Fest an den Auszug der Hebräer aus Ägypten. Gestern Abend war der Sederabend, also der Beginn des Festes. Nach dem jüdischen Kalender fängt ja jeder neue Tag am Abend an, deshalb eben auch Pessach.
Den Abend gestern haben wir in der Jerusalem Assembly verbracht. Das ist die Gemeinde, wo viele von uns Volos hingehen. Das ist eine jüdisch-messianische Gemeinde - alles zum Großteil Juden, die an Jesus glauben. Mit den Leuten da haben wir gestern also den Anfang von Pessach gefeiert.
Mit Pessach wird wie gesagt an den Auszug aus Ägypten erinnert. Nachlesen kann man das im zweiten Buch Mose, gleich am Anfang fängt die Geschichte an. Wie der Pharao die Kinder der Hebräer töten lassen will, wie Moses ausgesetzt wird, wie er am Königshof aufwächst. Dann tötet er einen Ägypter, um einen der hebräischen Sklaven zu schützen. Er flüchtet in die Wüste, bleibt dort 40 Jahre und bekommt von Gott schließlich den Auftrag, das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Mit diesem Auftrag kehrt er zum Pharao zurück. Es folgen die 10 Plagen, die den Pharao zur Einsicht bringen sollen. Aber erst nach der zehnten lässt er die Hebräer ziehen. Die zehnte Plage war das mit dem Tod des Erstgeborenen. Die Hebräer blieben davon verschont, weil sie ihre Türpfosten mit dem Blut eines Opferlammes bestrichen hatten.
Der Pharao lässt die Hebräer also ziehen. Dann wird er aber wütend und hetzt ihnen seine Armee auf den Hals. Infolgedessen verliert er die ganze Armee, weil Moses das Meer für die Hebräer geteilt hatte, die Ägypter aber nicht durchlassen wollte.
Jaja, so war das, damals... Ok, jedenfalls sind wir gestern da ganz gut versorgt worden - es gab was zu Essen - und haben auch ein bisschen was von den jüdischen Bräuchen zu Pessach mitbekommen. Allerdings ist das ganze Brauchtum bei den messianischen Juden nur in einer ein bisschen abgeschwächten Form präsent. Messianische Juden glauben ja daran, dass Jesus mit seinem neuen Bund den alten Bund von Moses abgelöst bzw. erfüllt hat - also die Zehn Gebote plus die 613 Gesetze, die es in der Wüste noch gegeben hat. Das glauben wir Christen auch, deshalb essen wir ja auch Schweinefleisch. Messianische Juden feiern das Pessach-Fest ja auch mit einem anderen Hintergrund als orthodoxe Juden. Für die bedeutet der Auszug der Hebräer aus Ägypten nur die Befreiung der Juden von der Sklaverei. Die Juden, die an Jesus glauben, haben aber auch einen anderenm Hintergrund entdeckt. Für sie erfüllt sich eine messianische Prophezeiung: Gott hat das Volk Israel aus Ägypten geführt, weil er aus diesem Volk den Messias (Jesus) kommen lassen wollte. Das Volk Israel sollte zum Licht der Welt werden.
Und noch etwas ist wichtig: Für Christen und auch für messianische Juden ist Jesus das Opferlamm. Das Lamm, das an Pessach geschlachtet wurde, wegen dem Blut an den Türpfosten. Jesus, das "Lamm Gottes" ist für unsere Sünden gestorben - und das genau am Beginn von Pessach (das war ein Freitag, der heute bei uns Karfreitag. Das mit dem Opferlamm kann man in Korinther 5,7 nachlesen). Und deshalb feiern die messianischen Juden das Pessach-Fest mit einem ganz anderen Hintergrund als der Rest der jüdischen Welt.

Hier in Israel erlebt man diese ganzen Sachen ein bisschen intensiver als in Deutschland. Ich freue mich auch schon auf Ostern, weil wir da im Grunde ja noch einmal das Gleiche feiern. :)

(Zu Ostern melde ich mich aber nochmal.)

Sonntag, 28. März 2010

Wehrdienstverweigerer in Action

Das hier wird ein mehr oder weniger inhaltsschwacher Beitrag. Ich habe aber letztens ein Foto gefunden. Das hat der Hagen gemacht mit deiner einzigartigen Kamera, vor dem Haifaseminar. Da waren wir nämlich beim Paintball... Für alle meine Leser, die nicht wissen was das ist: Beim Paintball schießt man sich mit Gewehren ab, die Farbkugeln spucken. Nachher ist man aber auch ohne Farbe ganz schön bunt... sowas gibt übelste blaue Flecken. Trotzdem waren fast alle dabei, vor dem Seminar. Männer machen sowas, weil der Jagdtrieb in ihnen schlummert. Und die Mädels von uns haben auch mitgemacht. Keine Ahnung warum. Wahrscheinlich Emanzipation.


Jedenfalls ist mir eins aufgefallen, und das fand ich interessant: Wir alle - zumindest die Jungs unter uns - sind Wehrdienstverweigerer... Und wir finden uns alle zusammen in einem Krisengebiet wieder... in Armeeuniform und mit einem Gewehr in der Hand... :D

Was gibt's sonst noch so? Keine Ahnung. Bisschen Stress mit unseren Arbeitszeiten gibt's grad. Weil die hier doch jetzt alle Pessach feiern und frei brauchen. Versteht man ja auch, weil das hat für die einen ähnlichen Stellenwert wie Weihnachten bei uns. Nur dass wir Volos dann doppelt so viel arbeiten sollen...
Na gut, aber ich will ja nicht klagen.

Dann macht's mal gut. :) Liebe Grüße, Thorsten

Montag, 22. März 2010

Haifa, Rosch haNikra und Akko

Hallo zusammen. Entschuldigt, dass ich mich ein bisschen kurz fasse, aber ich bin müde... Wir hatten bis gestern wieder einmal eines von unseren interessanten Seminaren. Dieses Mal ging es um die Messiaserwartungen in Judentum und Christentum. es war auch ein Paar eingeladen, das uns den Standpunkt aus der Sicht der chassidischen juden erklären sollte, die der Chabad-Bewegung angehören. :D Klingt logisch. War auch interessant. Wie dem auch sei, es bot sich Haifa als Austragungsort dieser theologischen Streitgespräche natürlich an. Schon um vorletzten Jahrhundert haben sich hier auch die Templer angesiedelt, ein paar Bauern aus dem guten alten Schwabenländle. Die haben gemeint sie sind näher dran wenn der Messias kommt wenn sie in Israel sitzen, und das jüdische Volk wollten sie auch noch vorbereiten auf den Jüngsten Tag. Heute gibt's von denen hier keine mehr, aber ihre Häuser stehen immer noch in der German Colony von Haifa. Über den Türen kann man noch alte Bibelverse und Psalmen entziffern.


Zu diesem Seminar gehörte natürlich auch eine Führung durch die Bahai-Gärten. Die Bahais sind eine religiöse Gemeinschaft, die irgendwie alle Weltreligionen anerkennt und daraus den Weg zum Weltfrieden finden will. Irgendwie sowas. Jedenfalls sind die Bahais relativ gute Landschaftsgärtner.



Oh, und in den Bahai-Gärten habe ich auch meinen Doppelgänger gefunden... haha... Das ist ein spanischer Bahai namens ... irgendwas mit A, hab ich aber vergessen.


Nach dem Seminar - wo es allerdings zum ersten Mal bei einem Hagoschrim-Seminar eher unterdurchschnittliches Essen und zu kleine Betten gab - bin ich mit Jan, Nini, Jasmin und Irina noch in Richtung Rosch haNikra gefahren. Da gibt es Kreidefelsen und Felshöhlen und man ist an der libanesischen Grenze, wo man allerdings weder rübersehen noch rübergehen kann.
Wir sind zuerst nach Naharia gefahren und von da dann nach Norden gelaufen. Auf halber Höhe ging die Sonne unter und wir haben uns am Strand schlafen gelegt, mit Schlafsack und ein bisschen Brot als Abendessen.


Kurz gesagt: Die Nacht war schrecklich. Ich habe gefrorern wie ein Schneider. Und ich bin ja nich' zimperlich, ok? Außerdem kamen dann des nachts ein paar junge Leute des Weges und dachten, sie müssen mal auf dem Parkplatz, ca. 30 Meter von unserem Schlafplatz entfernt, die Musik aufdrehen und ein bisschen rumgröhlen. Des weiteren wurden wir von Schakalen und Stachelschweinen und einer Eiseskälte aufgesucht. Als ich meine Beine nicht mehr spüren konnte, sah ich am Horizont ein Licht - der Sonnenaufgang? Ich habe mich auf warme Sonnenstrahlen gefreut und auf die Uhr geschaut - es war 01:47 Uhr. Da war kein Licht am Horizont...

Naja, wir haben's überlebt... :D

Am nächsten Morgen haben wir noch die letzten zwei, drei Kilometer nach Norden gemeistert und sind so nach Rosch haNikra gekommen.

























Auf dem Rückweg schauten dann noch ein paar von uns in Akko vorbei. Ganz schöne Altstadt, sogar bisschen schöner bzw. größer als Jaffa, finde ich. Aber wir hatten nicht wirklich ein Auge für die ganzen Moscheen und Stadtmauern und Kreuzfahrertunnel... ich war einfach zu müde. Deswegen war ich auch recht froh, als ich in Haifa dann wieder im Bus nach Jerusalem saß.


Wie gesagt, fällt heute alles ein bisschen kurz und ohne den gewöhnlichen Schuss Humor aus. Ich muss morgen früh raus und geh deswegen auch jetzt schlafen. Nach einem Schüsselchen Müsli und der danach anfallenden Verdauungspause, versteht sich. Wie auch immer, ich wünsche meinen Lesern eine gute Nacht. :)

Dienstag, 16. März 2010

Tage des Zorns

Hallo ihr Lieben, heute muss ich mal ein bisschen Bericht erstatten ohne viel drumrum zu reden: In Jerusalem gibt es grade ein bisschen Stress.

Bei iGoogle schreiben sie: Aufstand in Jerusalem. Gut, das ist vielleicht ein bisschen melodramatisch und übertrieben. Aber die Leute sind schon bisschen durch den Wind. Die Stimmung in der Innenstadt ist bisschen angespannt.

Ich will jetzt einmal ein wenig die Hintergründe erläutern. Es ist nämlich so, dass im Internet überall steht, dass die Palästinenser empört wären wegen der Siedlungspolitik der israelischen Regierung. Denn es wurden wieder 1.600 neue Wohnungen geplant, diesmal nicht in Gilo, sondern in einem anderen Teil "Ost"-Jerusalems. Nun gut, dieser "Siedlungspolitik" kann man gegenüber stehen wie man will. Der Netanjahu (zurzeit Premierminister) ist da schon einer der Hardliner.
Zu den ganzen Ausschreitungen in Ostjerusalem kommt es aber nicht in erster Linie deswegen. Es ist nämlich so, dass gestern die Hurva-Synagoge in der Altstadt eingeweiht wurde. Die haben damals die Jordanier gesprengt, als sie die Stadt 1948 erobert haben. Nun hat man das Ding wieder hergerichtet und eingeweiht. Vonseiten einiger palästinensischer Religiöser hat es geheißen, dass diese Baumaßnahmen die Al-Aqsa-Moschee (das heiligste muslimische Heiligtum in Jerusalem) gefährdet hätten. Auf der Seite von ntv steht wörtlich: Die Hamas argumentiert, die Renovierungsarbeiten gefährdeten die nahe gelegene Al-Aksa-Moschee. Aha, dachte ich so für mich. Zwischen der Hurva-Synagoge und der Moschee auf dem Tempelberg liegen etwa 300 Meter Luftlinie. Und dazwischen liegt der Graben, wo die Klagemauer steht. Da müssen vier aufeinander stehende Baukräne umkippen, damit da auch nur ein bisschen Staub auf die Al-Aqsa-Moschee rieselt...
Ein anderer Hintergrund ist der: Irgendein litauisch-jüdischer Gelehrter hat im 18. Jahrhundert behauptet, dass der Dritte Tempel gebaut werden würde, sollte die Hurva-Synagoge (die damals schon einmal zerstört worden war) zum dritten Mal wieder eingeweiht werden. Und das hieße im Klartext: Juden müssten den Tempelberg stürmen, der Felsendom müsste in der Mitte entzwei bersten und im Grunde würde auch der Messias demnächst am Horizont auf dem Ölberg erscheinen. Das mit der Einweihung ist jetzt geschehen. Der Grundstein für den Dritten Tempel ist noch nicht gelegt worden. Und das wird in nächster Zeit auch nicht geschehen, denke ich. Denn damit der Messias (wieder)kommt, braucht es noch ein paar andere Zeichen und Anzeichen.
Die muslimische Geistlichkeit hat diese Prophezeiung nur wieder als Anlass genommen, um die Leute ein bisschen aufzuhetzen. Die Hamas hat zu Tagen des Zorns aufgerufen. Wir vor jedem jüdischen Feiertag haben die Araber Angst, dass plötzlich eine Menschenmasse vor ihren Toren steht und den Tempelberg zurückfordert. Und deswegen wird erst mal wieder kräftig randaliert.

Heute war ich in der Stadt. Die Hurva-Synagoge ist ganz schön geworden. Es waren Unmengen Menschen unterwegs, die sich das Ding angesehen haben. Schulkassen, orthodoxe jüdische Mädels, Eltern mit Kinderwagen. An der Klagemauer war auch viel Betrieb. Die haben sich schon gefreut, dass diese Synagoge fertig geworden ist, aber eine Tempelbergstürmung war nicht zu befürchten.


Im arabischen Teil der Stadt war es bisschen unheimlicher. Die ersten Geschäfte haben so gegen 14.15 Uhr geschlossen. Heute Nacht soll es ab 22 Uhr eine Ausgangssperre geben. Überall war Militär. Das hat jedoch die Ströme von Touristen nicht beeindruckt. Vor der Grabeskirche haben sich die italienischen, ukrainischen und bayrischen Weltenbummler getummelt wie immer. Genauso naiv wie sonst sind sie den Souvenierhändlern auf den Leim gegangen.

In der Nähe vom Damaskustor war ich dann leicht überrascht, dass man schon gegen 15 uhr angefangen hat, die Müllcontainer zu präparieren. Plötzlich begannen einige Männer aus ihren Geschäften zu kommen und wie zufällig gerade heute große Holzpaletten in den Müll zu schmeißen. Vorher wurde noch ein bisschen zerhackt. Alles bereit, um heute Abend angezündet zu werden. (Man beachte die mit brennbaren Materialien überfüllte grüne Tonne.)

































In den berüchtigten arabischen Ostjerusalemer Vororten war es noch erstaunlich ruhig. Nur hier und da brannten einige Autoreifen.


Ansonsten war heute fast alles wie immer. Nur die Leute waren in einer angespannteren Stimmung als sonst. Es laufen nur mehr Menschen als sonst mit Palitüchern rum, natürlich auch Touristen. Und aus einem Auto hat mir einer zugerufen Welcome! Welcome in Free Palestine!
Das Schlimmste ist ja schon vorbei. Ich habe mir grade ein paar Videos im Internet angeschaut, und gestern war es noch viel übler als heute...
Vor der Hamas direkt braucht man ja keine Angst zu haben. Die sitzt im Gaza-Streifen und schießt höchstens auf Grenzposten, die (hoffentlich) zurückschießen. Ich denke, in spätestens einer Woche hat sich die Lage wieder beruhigt.

Man muss ja nicht unbedingt positiv über die Siedlungspolitik der israelischen Regierung denken. Aber die Reaktion der Amerikaner ist auch ein bisschen kindisch. Kaum pocht Israel mal auf sein Recht, schon sind die in Washington beleidigt. Ich bin mal hochgespannt, wie sich die Sache weiter entwickelt.

Das hier ist jetzt natürlich nicht gerade beruhigend für alle, die in nächster Zeit ins Land kommen wollen. Mein Vater kommt ja mit meiner Oma, Ende April. Aber macht euch alle keine Sorgen. Wenn hier was schlimmeres passiert, bekommt man es ja überall mit. Sollte in den Nachrichten nix kommen, dann ist auch nix los. Außerdem ist das hier in drei, vier Tagen wieder vorbei.

Bis denn,
Thorsten :)


P.S.: Oh, gerade habe ich die Email gelesen, die wir von der Botschaft in Tel Aviv bekommen haben. Da steht so in etwa: "[...] die Altstadt und die Ostjerusalemer Vororte meiden [...]" Hmm, doof, denn genau die Altstadt und die Ostjerusalemer Vororte habe ich heute systematisch abgeklappert, irgendwie... :/ Ich hoffe das hat keine Konsequenzen.

Freitag, 12. März 2010

Notwendige Aktualisierung ohne nennenswerte Neuigkeiten

Ich sag's gleich am Anfang: Heute gibt es keine Fotos... :/
Aber ich dachte ich muss mal wieder berichten, was es Neues gibt. Und genau da liegt der Haken. So viel Neues gibt es nämlich nicht. Alles geht seinen gewohnten Gang. Ok, es ist saumäßig heiß da draußen. Komisch, mich hat heute Morgen die Nachricht erreicht, dass es bei mir daheim (also im Remstal) wieder neuen Schnee hat und dass es minus 12 Grad gewesen sind. Einmal gibt es in Deutschland einen richtigen Winter, und schon bin ich nicht da, um meinem Vater beim Schneeschippen zu helfen... Ich glaube Euch zuhause hängt der Winter langsam zum Hals raus, oder? Hmm... :/

Gestern war ich mal ein bisschen Zug fahren. Ich hab gehört die Landschaft soll toll sein. Ich hatte frei und bin deswegen für 7.50 Schekel nach Bet Schemesch gefahren. Das ist nicht so weit, aber wenn man die Strecke mit dem Zug fährt, dann braucht man so um die 40 Minuten. Der Zug - das ist so eine Art Bummelzug. Sieht relativ modern aus, schleicht aber seines Weges. Aber er ist ungefähr viermal billiger als die S-Bahnen bei uns um Stuttgart.
Jedenfalls, die Landschaft war wirklich schön. Der Zug fährt in Schlangenlinien durch die judäischen Berge. Am Anfang ist links der Strecke noch eine Straße, aber nach einer Weile fährt der Zug einfach ganz alleine durch die Täler. Fotos wollte ich ja machen, aber die Fenster waren so dreckig...
In Bet Schemesch gibt es - zumindest in Bahnhofsnähe - nix zu sehen. Da hört dann auch die bergige Landschaft so langsam auf. Ich hab schnell ein bisschen geschaut, was es im angrenzenden Industriegebiet zu sehen gab und wollte dann auch prompt zurückfahren. Da erzählen die mir doch tatsächlich, dass der nächste Zug erst in eineinhalb Stunden fährt. Ok, dann hab ich mir halt noch bei McDonald's bisschen die Zeit um die Ohren geschlagen. Was anderes gab es nicht. Außerdem war es viel zu heiß um irgendwo lange rumzuwandern. An die Temperaturen muss man sich erst gewöhnen. Wenn ich mir überlege, dass es von ungefähr jetzt bis zum August, wenn ich fliege, monatelang nur immer noch heißer wird... ohje.

Ok, das war das Wichtigste in Kürze. Morgen geh ich erst mal wieder bisschen arbeiten. Dann haben wir am nächsten Wochenende noch ein Seminar in Haifa. Ich bin mal gespannt, wird bestimmt cool.
Ich wünsch Euch auf jeden Fall mal noch ein schönes Wochenende. Bis dann :)

P.S.: Oooh, da fällt mir noch was ein. Jetzt, wo ich dem Eintrag hier schon einen so beruhigenden Titel gegeben habe... Heute kam eine Email von der deutschen Botschaft. Die haben alle hier bekommen, denke ich. Wir sind da ja alle gemeldet. Die haben gesagt dass man aufpassen muss wegen den Leuten in der Stadt, die da grade wieder ein bisschen am rumkrawallieren sind. (Klartext: Es gibt wieder bisschen Stress.) Die Araber haben wieder irgendein Problem, weil wieder irgendwelche amerikanische Juden meinen, sie müssen gerade jetzt den Tempelberg für sich beanspruchen. Oder so ähnlich. Ich blick da grad nicht ganz durch. Jedenfalls (vor allem an Oma und die ganze sorgenfaltengeprägte Verwandtschaft): Ihr braucht Euch keine Sorgen machen. Wir sind hier außerhalb der Gefahrenzone.

Montag, 1. März 2010

Purim

Heute ist Purim. Dieses Fest ist nach außen hin so eine Art jüdisches Karneval, aber es hat natürlich - wie fast alles - einen religiösen Hintergrund. Ich war gestern Abend in der Synagoge und heute dann in der Stadt. Da ist ganz schön was abgegangen. Aber ich erzähle euch wohl erst einmal was über diesen Feiertag. Denn da gibt es einige Besonderheiten.

Erstmal zur Geschichte: Purim erinnert an die Rettung der persischen Juden vor einigen tausend Jahren. Damals wollte Haman, der böse Minister des Königs, alle Juden im persischen Reich vernichten, weil ihn der Mordechai ein bisschen provoziert hat. Mordechai war der Onkel von Ester. Und die war grade zufällig Königin geworden, weil die alte Königin den König provoziert hatte und deswegen rausgeflogen ist. Jetzt war es ja geschickt, dass die Ester - eine Jüdin - Königin war. Somit saß sie am längeren Hebel als Haman und konnte den König - mit Hilfe von reichlich Wein - überreden, die Juden doch nicht umzubringen. Am Ende wurde Haman dann an einem Pfahl aufgehängt, seine sämtlichen Söhne auch, und alle waren glücklich.
Soweit die Kurzversion der Purimgeschichte, die man übrigens in der Bibel (Buch Ester) nachlesen kann.
An Purim verkleiden sich alle Leute. Am Vorabend hört man sich die Geschichte von Ester und der Rettung der persischen Juden in der Synagoge an. Immer wenn der Name Haman erwähnt wird, dann wird mit solchen Ratschen, die wir aus dem Fußballstadion kennen, laut geratscht. Am nächsten Morgen gibt's die gleiche Geschichte nochmal. Dann gehen die Leute los und bringen Verwandten, Freunden und Bekannten Geschenke vorbei. Das sind meistens richtig schöne Geschenkkörbe, mit Wein und Süßigkeiten und manchmal auch Familienfotos. Alle Leute sind auf den Straßen unterwegs und schleppen irgendwas mit sich rum. Die Stimmung ist wunderbar. Die Verkleidungen sind oft ziemlich einfallsreich, manchmal aber auch nur kitschig. Man sieht aber auch viele kleine Jungen, die als Soldaten verkleidet sind. Das ist insofern interessant, da orthodoxe Juden doch den Wehrdienst verweigern. Aber an Purim sind die Regeln ein bisschen gelockert. Ich war wieder mal in Mea Schearim, das - neben Brooklynn in den USA - das Weltzentrum der orthodoxen Juden darstellt. Wo man sonst aufpassen muss beim Fotografieren, da haben heute sogar die religiösen ihre Digicams mit sich rumgetragen. Auch die Geschlechtertrennung ist nicht ganz so strikt wie sonst.
Der Hammer kommt aber noch: Purim ist der einzige Feiertag im jüdischen Jahr, an dem sich ein religiöser Jude betrinken soll (!). Interessant ist hier, dass vor allem die orthodoxen Juden diesen Feiertag sehr ernst nehmen. Es wird also reichlich getrunken. Und in Israel, zumindest in Jerusalem, will das was heißen. Selbst am Wochenende sieht man hier auf den Straßen kaum betrunkene Jugendliche. Eigentlich gar nicht. Und an Purim sieht man die vor allem in den orthodoxen Stadtvierteln... Das mit dem Trinken geht zum Glück erst gegen Mittag los. So haben die Leute morgens noch Zeit, die gute Stimmung ohne Alkohol zu genießen. Am Abend, wenn es dunkel wird, da sieht man dann schon die meisten Männer wanken und torkeln. Frauen sind beim Trinken wohl nicht mit eingeschlossen, denn irgendjemand muss ja schließlich auf die Kinder aufpassen.

Jedenfalls, es war wieder mal eine Erfahrung heute. Jetzt hat man wenigstens auch das orthodoxe Viertel von seiner lebenslustigen Seite gesehen. Außerdem ist es schon cool, wenn man einmal bei Purim dabeiwar.

Ich hab natürlich auch ein paar Fotos gemacht: