Gestern fand unser Hauskreis - wie schon im letzten Eintrag angekuendigt - in Maale Adumim statt. Wir waren bei Familie Gilah eingeladen und haben ein bisschen was ueber die Stadt erfahren. Das alles ist insofern interessant, da unser amerikanischer Freund Barack Obama ja im Zuge seiner eifrigen Bemuehungen um den Nahost-Frieden fordert, alle juedischen Siedlungen im Westjordanland zu raeumen.
Maale Adumim ist so eine juedische Siedlung im Westjordanland. Man muss einen Checkpoint passieren, um auf der Strasse dorthin zu kommen. Und ich muss hier in diesem Blogeintrag auch ein bisschen politisch werden. Denn unser Freund in Amerika hat schlichtweg keine Ahnung, was hier vor sich geht.
Diese juedische "Siedlung" hat heute 36.000 Einwohner und wurde vor ca. 30 Jahren gegruendet - in der Wueste. Nachdem die Roemer Israel verlassen hatten und das Land vor knapp 1.500 Jahren in muslimische Hand kam, begannn die damals hier bestehende Siedlung zu zerfallen. Kein Araber hat jemals das Gebiet beansprucht, wo sich heute Maale Adumim befindet. Die ersten Juden kamen 1975 hierher und bebauten unbewohntes Land. Damals hatten sie das Gebiet gekauft, vom Staat Israel, und unter Zustimmung der Amerikaner. Alles ganz legal. Bis heute ist diese Wuestenstadt mehrmals mit dem Preis zur "schoensten Stadt Israels" ausgezeichnet worden.
Maale Adumim gilt als eine der "umstrittenen" oder sogar "illegalen" juedischen Siedlungen des Westjordanlandes. So, Herr Obama, jetzt nennen Sie mir doch bitte einen Grund, warum die Israelis diese Stadt jetzt raeumen sollten. Damals ist alles ganz legal ausgehandelt worden. Kein Araber hat dieses Gebiet beansprucht. Sonst haette jemand in den letzten 1.500 Jahren mal ein Haus auf den Huegel gebaut.
Ausserdem entsprechen die Medienberichte, die wir zuhause hoeren, oft nicht den Tatsachen. In Europa hoeren wir, wie fanatische Israelis auf arabischem Gebiet Haeuser bauen und Araber vertreiben. Unser Gastgeber hat uns aber gestern auch von dem ausgezeicheten Verhaeltnis erzaehlt, das die Einwohner von Maale Adumim zu ihren Nachbarn aus den umliegenden arabischen Doerfern haben. Die Siedlung hat - im Gegensatz zu vielen anderen - keine Mauern oder Stacheldrahtzaeune, die sie gegen eventuelle Angriffe der Araber schuetzt. In der Gegend wohnen 400 arabische Beduinen, die in Maale Adumim ihr Geld verdienen und hier einkaufen. Die haben mit ihren juedischen Nachbarn keine Probleme. Der Nahostkonflikt in den juedischen Siedlungen ist also nicht immer so brenzlig wie man das in Europa annimmt. In Maale Adumim laeuft alles in geregelten Bahnen. Alles legal, und alles weitgehend friedlich und in Einklang mit den arabischen Nachbarn.
Sollte die Regierung jetzt der Forderung der Amerikaner nachgeben und die "Siedlung" raeumen, waeren auf einen Schlag 36.000 Menschen arbeits- und obdachlos. Das passierte schon zu der Zeit, als Ariel Scharon begann, die ersten Siedlungen raeumen zu lassen. Bis heute haben noch nicht alle Familien wieder ein Dach ueber dem Kopf.
Soviel mal zum politischen Teil. Ich geh nachher wieder ein bisschen arbeiten und ab morgen hab ich Wochenende. :)
Bis dann, euer Thorsten