Hallo liebe Leute! Ich hab mir - als ich letztens auf dem Seminar da (siehe unten) war, dass ich ab jetzt an jedem freien Tag irgendwas machen werde. Vielleicht schaffe ich es ja, das halbe Jahr, das ich hier vertrödelt habe, aufzuholen. Und dann kann ich am Ende meiner Zeit hier doch auf ein aufgebrauchtes Reisebudget zurückblicken. Im israelischen Bildungssystem funktioniert das so: Man macht möglichst viele Ausflüge und Exkursionen, um das Land kennen und lieben zu lernen. Und da ich Israel zu meinem dritten Zuhause - nach meiner schwäbischen Heimat und meinen deutschen Vaterland - machen will, muss ich mehr durch die Lande ziehen.
Heute hatte ich einen freien Tag. Und da hab ich mir gedacht, ich fange mal ganz langsam an mit meinen Exkursionen. Ich hab mich in den Bus gesetzt und bin nach Tel Aviv gefahren. Das war an sich keine große Sache, aber ich will euch, die ihr daheim im Schnee sitzt, einmal den Unterschied zwischen Jerusalem und Tel Aviv erklären.
Tel Aviv - meinen ersten Eindruck habe ich ja im Oktober bekommen, als wir da einen Nachmittag am Strand waren. Bis jetzt war ich ja erst ein Mal da. Und naja, was war dieser erste Eindruck?
Tel Aviv ist dreckig, alt und stinkt.
Diesen Eindruck habe ich heute noch nicht ganz mit guten Eindrücken überkleistern können... Denn Tel Aviv ist wirklich dreckig. Und es stinkt. - Zwar in jeder Straße anders, aber es stinkt. Die Luft ist stickig, es ist ca. 5 °C wärmer/heißer als in Jerusalem, die Autoabgase besetzen die Lungen... Ich weiß wirklich nicht, was die ganzen (tausende von) Philippinos in dieser Stadt hält. Von denen gibt es hier nämlich deutlich mehr als bei uns in Jerusalem. Aber genau wie hier sieht man die auch in Tel Aviv an allen Fernsprechapparaten (Telefonzellen) stehen und zu ihren Familien nachhause telefonieren, für die sie hier mühsam das Geld verdienen.
Die Atmosphäre ist in dieser Stadt ganz anders, mal abgesehen von den oben schon erwähnten Abgasen. Die Leute sind anders. Man sieht viel mehr Freaks rumlaufen, wenn ihr versteht was ich unter Freaks verstehe... Schwer zu beschreiben, aber die meisten Leute sind einfach anders als in Jerusalem.
So, hab ich mir gedacht, jetzt musst du aber die schönen Seiten der Stadt suchen. Und wo geht man da am besten zuerst hin? Ja, genau - raus aus Tel Aviv nach Jaffa, der arabischen Altstadt. Und sogar hier war ich auf den ersten Blick eher enttäuscht... Zuerst bin ich auf den Flohmarkt, der im Reiseführer angepriesen wird. Na gut, ja. Es ging. Gerümpel. Eigentlich total mein Geschmack. Aber heute wollte ich Fotos machen und ein bisschen Kultur sehen.
Aber wie gesagt, das war ja nicht nur ein Flohmarkt. Ganze Straßenabschnitte sind hier ein einziger Flohmarkt. Schon relativ cool.
In Jaffa selber findet man dann in Richtung Hafen so eine große Moschee, wo man aber leider nicht reinkann. Die eigentliche (renovierte) Altstadt hat mich dann aber doch vom Flair Jaffas überzeugt. Da steht so ein Kloster, malerisch am Meer. Und die engen Gassen erinnern an Italien, irgendwie.



Nachdem ich Jaffa reichlich fotografiert hatte, bin ich wieder nach Tel Aviv. Zumindest in ein Museum wollte ich noch gehen. Die lagen aber alle zu weit weg, da war es ein glücklicher Zufall, dass mir das IDF-Museum (israelische Armee und so) über den Weg lief. Relativ billig und sehr sehenswert, wenn man viel Zeit und ausreichende Hebräischkenntnisse hat.
So, nur um zum Schluss nochmal etwas klarzustellen:
Tel Aviv hat schon seine guten Seiten, so ist das nicht... Strand und Meer lohnen sich auf jeden Fall. Und irgendwie hat es schon was, durch die Stadt zu laufen und einfach nur in die Werkstätten und Läden reinzuschauen. In den Gardinen-Nähereien und den Holzverarbeitungen sieht man tatsächlich Leute arbeiten - das ist man aus Jerusalem jetzt nicht sooo arg gewöhnt... Und es gibt hier ganze Straßenabschnitte, wo man
Schaufensterpuppen (!) kaufen kann. Im Ernst, ich bin da nicht in irgendein zwielichtiges bzw. rotlichtiges Viertel gekommen, ne! Da gab es wirklich sowohl
nackte als auch bekleidete Schaufensterpuppen zu kaufen! Außerdem ist der Schuk (täglicher Wochenmarkt) in Tel Aviv sehr schön und vielfältig. Da war ich jetzt heute nicht, aber ich weiß es noch vom letzten Mal.
Um zu einem Ende zu kommen: Im Grunde
liebe ich Tel Aviv doch fast genauso wie Jerusalem, will es aber nicht zugeben. Gut, Liebe ist übertieben, aber die Stadt hat doch auch den ein oder anderen Reiz.