Mittwoch, 24. Februar 2010

En Kerem

Heute war ich in En Kerem, einem Nachbarort von Jerusalem. Hier verändert sich die Umgebung schlagartig. Man wird von der Stadt ins Dorf versetzt. In ein Tal voller grüner Wiesen und Blumen. Na gut, das mit den Blumen liegt auch an der Jahreszeit: Der Winter ist die beste Jahreszeit um Israel zu besuchen. Es hat in den letzten Monaten ab und zu geregnet, deshalb blüht es überall. Ich hab natürlich auch ein paar Fotos gemacht.















































Samstag, 20. Februar 2010

Petach Tikva

Hallöle! Heute meld ich mich nur kurz, und auch nur um bekanntzugeben, dass ich jetzt auch endlich mal in Petach Tikva war. Jawohl, nach einem halben Jahr hab ich da jetzt auch in beiden Hagoschrim-WGs vorbeigeschaut. Und ich muss gleich mal das Image von der Stadt aufpolieren. Man sagt ja, dass es da nicht schön wäre und so.
Ich fand Petach Tikva eigentlich ganz nett. Schön grün im Frühling (bzw. Februar).
So, das musste gesagt sein.
Die Fahrt dahin war ein bisschen stressig, weil ich in der Nacht bzw. am Morgen nur zwei Stunden geschlafen hatte. Von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr morgens. Aber gut, das ist eher uninteressant für den interessierten Leser.

Ok, mehr gibt's für heute eigentlich auch nicht mehr zu sagen. Na gut, vielleicht noch, dass ich heute am Strand war und so. Aber ich will euch gar nicht wieder neidisch machen auf die ca. 25 °C oder den Sonnenschein und das Mittelmeer und so. Da trifft es sich ganz gut, dass ich Trottel vergessen habe, meine Karte wieder in den Fotoapparat zu stecken, als ich die letzten Bilder hier hochgeladen hatte und deswegen gestern ohne funktionstüchtige Kamera in der Stadt rumstand, als ich gerade einen Baum oder etwas ähnlich interessantes fotografieren wollte. :D

Jetzt folgt erstmal wieder eine erfrischende Arbeitswoche voller kreativer Stunden mit unseren Autisten (kurz: Chaos pur, macht aber Spaß), bevor ich die nächsten freien Tage verplane. Irgendwann am Wochenende ist dann Purim, so eine Art jüdisches Karneval, aber mit biblischem Hintergrund. Ich hoffe mal dass ich da frei bekomme und mich ein bisschen irgendwo in Jerusalem bei den Orthodoxen umsehen kann. Das ist der einzige Tag, an dem die sich laut den Heiligen Schriften betrinken dürfen. Das verspricht eine spaßige Angelegenheit zu werden. Ich berichte euch davon auf jeden Fall. Auch mit Bildern.
Bis dahin noch eine schöne Woche,
Euer Thorsten

Sonntag, 14. Februar 2010

Tel Aviv und Jaffa

Hallo liebe Leute! Ich hab mir - als ich letztens auf dem Seminar da (siehe unten) war, dass ich ab jetzt an jedem freien Tag irgendwas machen werde. Vielleicht schaffe ich es ja, das halbe Jahr, das ich hier vertrödelt habe, aufzuholen. Und dann kann ich am Ende meiner Zeit hier doch auf ein aufgebrauchtes Reisebudget zurückblicken. Im israelischen Bildungssystem funktioniert das so: Man macht möglichst viele Ausflüge und Exkursionen, um das Land kennen und lieben zu lernen. Und da ich Israel zu meinem dritten Zuhause - nach meiner schwäbischen Heimat und meinen deutschen Vaterland - machen will, muss ich mehr durch die Lande ziehen.

Heute hatte ich einen freien Tag. Und da hab ich mir gedacht, ich fange mal ganz langsam an mit meinen Exkursionen. Ich hab mich in den Bus gesetzt und bin nach Tel Aviv gefahren. Das war an sich keine große Sache, aber ich will euch, die ihr daheim im Schnee sitzt, einmal den Unterschied zwischen Jerusalem und Tel Aviv erklären.

Tel Aviv - meinen ersten Eindruck habe ich ja im Oktober bekommen, als wir da einen Nachmittag am Strand waren. Bis jetzt war ich ja erst ein Mal da. Und naja, was war dieser erste Eindruck?
Tel Aviv ist dreckig, alt und stinkt.
Diesen Eindruck habe ich heute noch nicht ganz mit guten Eindrücken überkleistern können... Denn Tel Aviv ist wirklich dreckig. Und es stinkt. - Zwar in jeder Straße anders, aber es stinkt. Die Luft ist stickig, es ist ca. 5 °C wärmer/heißer als in Jerusalem, die Autoabgase besetzen die Lungen... Ich weiß wirklich nicht, was die ganzen (tausende von) Philippinos in dieser Stadt hält. Von denen gibt es hier nämlich deutlich mehr als bei uns in Jerusalem. Aber genau wie hier sieht man die auch in Tel Aviv an allen Fernsprechapparaten (Telefonzellen) stehen und zu ihren Familien nachhause telefonieren, für die sie hier mühsam das Geld verdienen.
Die Atmosphäre ist in dieser Stadt ganz anders, mal abgesehen von den oben schon erwähnten Abgasen. Die Leute sind anders. Man sieht viel mehr Freaks rumlaufen, wenn ihr versteht was ich unter Freaks verstehe... Schwer zu beschreiben, aber die meisten Leute sind einfach anders als in Jerusalem.

So, hab ich mir gedacht, jetzt musst du aber die schönen Seiten der Stadt suchen. Und wo geht man da am besten zuerst hin? Ja, genau - raus aus Tel Aviv nach Jaffa, der arabischen Altstadt. Und sogar hier war ich auf den ersten Blick eher enttäuscht... Zuerst bin ich auf den Flohmarkt, der im Reiseführer angepriesen wird. Na gut, ja. Es ging. Gerümpel. Eigentlich total mein Geschmack. Aber heute wollte ich Fotos machen und ein bisschen Kultur sehen.
Aber wie gesagt, das war ja nicht nur ein Flohmarkt. Ganze Straßenabschnitte sind hier ein einziger Flohmarkt. Schon relativ cool.
In Jaffa selber findet man dann in Richtung Hafen so eine große Moschee, wo man aber leider nicht reinkann. Die eigentliche (renovierte) Altstadt hat mich dann aber doch vom Flair Jaffas überzeugt. Da steht so ein Kloster, malerisch am Meer. Und die engen Gassen erinnern an Italien, irgendwie.





































Nachdem ich Jaffa reichlich fotografiert hatte, bin ich wieder nach Tel Aviv. Zumindest in ein Museum wollte ich noch gehen. Die lagen aber alle zu weit weg, da war es ein glücklicher Zufall, dass mir das IDF-Museum (israelische Armee und so) über den Weg lief. Relativ billig und sehr sehenswert, wenn man viel Zeit und ausreichende Hebräischkenntnisse hat.

So, nur um zum Schluss nochmal etwas klarzustellen:
Tel Aviv hat schon seine guten Seiten, so ist das nicht... Strand und Meer lohnen sich auf jeden Fall. Und irgendwie hat es schon was, durch die Stadt zu laufen und einfach nur in die Werkstätten und Läden reinzuschauen. In den Gardinen-Nähereien und den Holzverarbeitungen sieht man tatsächlich Leute arbeiten - das ist man aus Jerusalem jetzt nicht sooo arg gewöhnt... Und es gibt hier ganze Straßenabschnitte, wo man Schaufensterpuppen (!) kaufen kann. Im Ernst, ich bin da nicht in irgendein zwielichtiges bzw. rotlichtiges Viertel gekommen, ne! Da gab es wirklich sowohl nackte als auch bekleidete Schaufensterpuppen zu kaufen! Außerdem ist der Schuk (täglicher Wochenmarkt) in Tel Aviv sehr schön und vielfältig. Da war ich jetzt heute nicht, aber ich weiß es noch vom letzten Mal.
Um zu einem Ende zu kommen: Im Grunde liebe ich Tel Aviv doch fast genauso wie Jerusalem, will es aber nicht zugeben. Gut, Liebe ist übertieben, aber die Stadt hat doch auch den ein oder anderen Reiz.

Donnerstag, 11. Februar 2010

DIALOG

Ehrlich gesagt, ich hab mich bei dem DIALOG-Seminar in Haifa gleich eingetragen, als die Liste im Hauskreis ausgelegen hat. Ich hab gehört, da gäbe es gutes Essen. Das hat gereicht. :D Ne, im Ernst, ich dachte mir: Drei freie Tage, gutes Essen, los.
Im Rückblick auf die letzten drei Tage muss ich aber sagen, dass es sich mehr als nur gelohnt hat. Wir haben viel über das Bildungssystem des Staates Israel gelernt und haben Zeit mit vielen deutschen Volos aus dem ganzen Land verbracht. Es gab wirklich gutes Essen. Außerdem haben wir direkt am Strand gewohnt. Und die Sonne hat geschienen.
Das war ein kostenloses Seminar, und normalerweise ist das nicht immer für uns Hagoschrim-Volos offen, weil wir ja eigene Seminare haben. Andere Organisationen sind da nicht so toll, was Seminare angeht. Aber dieses Mal konnten wir irgendwie mit, und deswegen waren wir 5 Leute von unserer Organisation, die da dabei waren.

Am ersten Tag kam Dina Lutati vorbei, die Frau vom Ministerium. Die hat uns Volontäre erstmal erneut über unsere Rechte aufgeklärt. Nicht über 35 Stunden Arbeit die Woche, mindestens 2 komplett freie Tage die Woche, und so weiter. Naja. Der nächste Gast kam aus einer säkularen staatlichen Schule hat uns das Schulsystem erklärt. War ganz interessant. Die haben 6 Tage Schule die Woche...
Gestern waren wir in Haifa. Private Stadtrundfahrt mit dem Bus und unserem Seminarleiter. Wir haben eine religiös-jüdische Schule besucht, dann Falaffel gegessen. Und dann sind wir zu einem arabischen College gefahren, wo wir die arabische Seite des Bildungssystems kennengelernt haben. Danach haben wir noch kurz bei den Pfadfindern reingeschaut.
Heute morgen war noch der Kommandant von Nordisrael da, Mosche Levi von der Armee. Weil die Armee zählt hier auch zum Bildungssystem. Das ist bei uns in Deutschland unverständlich, aber für die israelische Gesellschaft ist der Armeedienst ein fester Bestandteil.

Alles in allem, es war schon cool. Und um euch ein bisschen neidisch zu machen, zeig ich euch mal ein paar Fotos. Haifa mitte Februar. :)
















Dienstag, 2. Februar 2010

Halbzeitkonferenz

Guten Morgen! Mir ist aufgefallen, dass ich ja jetzt irgendwie Halbzeit habe. So in etwa zumindest. Ich habe am 1. August angefangen zu arbeiten. Am 8. August dieses Jahres fliege ich wieder zurück nachhause. Es ist also an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen - *Melodramatik*
(Für alle, die nur Bilder anschauen wollen, die gibt's weiter unten) :)

Naja, was heißt Bilanz... Ich kann nur sagen, dass es mir richtig gut gefällt hier und dass es genau das Richtige war, hierher zu kommen. Ich fühl mich hier richtig zuhause (also so zuhause, wie man sich weit weg von daheim nur fühlen kann... aber das ist trotzdem eine ganze Menge...).
Das kann man alles ganz gut erklären, wenn man die verschiedenen Abschnitte der Eingewöhnung anschaut:

Der erste Abschnitt beginnt, wenn man ankommt. Man findet sich damit ab, dass man hier das nächste ganze Jahr lebt und beginnt sich einzugewöhnen. Aber man begreift noch gar nicht, dass man in Israel ist, in Jerusalem. Man muss sich erst an den Gedanken gewöhnen.
Nach den ersten zwei Monaten denkt man, dass man sich halbwegs eingewöhnt hat. Man kennt sich ein bisschen aus in der Arbeit, und man weiß, welche Buslinien in etwa wohin fahren. Die Stadt ist einem nicht mehr so fremd, und das Zimmer, in dem man wohnt, ist ein bisschen wie ein Zuhause geworden.
Nach drei Monaten ist man dann eingewöhnt. Dann kommen nämlich die neuen Volos, und man ist nicht mehr neu. Im Gegenteil, man muss den Neuen eventuell erklären, welcher Bus wann fährt und wie sie umsteigen müssen, um zur Arbeit zu kommen. Ich habe nach zwei Monaten schon gedacht, ich sei eingewöhnt. Aber erst nach einen Vierteljahr kann man das von sich behaupten. Dann kennt man auch die Leute, die man hier auf Arbeit betreut, und weiß, warum sie wann was tun.
Und jetzt, nach 6 Monaten... Jetzt ist man an dem Punkt angelangt, an dem man nicht mehr aus Jerusalem weg will. Die Leute in der WG sind cool, die Leute auf Arbeit auch, die Autisten auch ein wenig. Man geht durch die Stadt, Samstagabends in der Ben Yehuda Street, und man fühlt sich daheim. Auch wenn es mal regnet, gerade jetzt im Winter, erscheint einem Jerusalem nicht mehr als ein Touristenanziehungspunkt, sondern wie eine ganz normale Stadt - in der man lebt und arbeitet, als wäre es normal. Naja, es ist ja auch normal. Zumindest für mich, und zumindest bis zum August.

Wie gesagt, nach einem halben Jahr hat man in der Regel die Hälfte rum. Ich habe ja von Anfang an gesagt, dass ich nicht verlängern will, und ich werde es auch nicht machen, denk ich. Aber wenn man die Hälfte erst mal rumhat, dann geht es wahnsinnig schnell, kann ich mir vorstellen. Und das ist nicht unbedingt ein tolles Gefühl, wenn es einem hier gefällt. Ich verstehe jetzt wirklich all diejenigen, die damals, als sie gehen "mussten", so traurig waren. Ich habe es auch am Anfang schon verstanden, aber jetzt kann ich es nachvollziehen. Und ich weiß jetzt auch, dass ein Rückkehrerseminar wohl schon nötig ist. Aber da hat Hagoschrim ja vorgesorgt.

Ok, jetzt zum weniger melancholischen Teil. Ich hab nämlich dieses Mal ein paar Bilder hochgeladen. Wie Ihr oben schon sehen könnt, war ich letztens auf dem Tempelberg, wo der Felsendom steht. Ansonsten, ich schau mal, wie viele Bilder ich hochladen kann, bevor mein PC streikt. :)





















So, das Bild hier ist zwar idiotisch,
aber dann sieht man mich auch mal. :)































So. Da kommt doch ein bisschen Israel-Feeling auf, oder nich? Ich hoff's zumindest. Ich hab hier wieder hauptsächlich Bilder aus der Altstadt. Jerusalem ist natürlich nicht nur die Altstadt. Gerade am Samstagabend ist in der Neustadt richtig Stimmung (kann mein Vater übrigens bestätigen, der war da nämlich auch schon mal).

Jedenfall - um nochmal an den Anfang zurückzukommen - fällt mein Fazit äußerst positiv aus. Und damit beende ich hier mal meine Halbzeitkonferenz (wie bin ich auf diesen Namen gekommen??) und wünsch euch allen noch eine schöne Woche. :)