Samstag, 26. Dezember 2009

Frohe Weihnachten! :)

Hallo ihr Lieben,

Ich wünsche Euch allen zuerst einmal Frohe Weihnachten und auch einen guten Start ins neue Jahr!

Wahrscheinlich interessiert es Euch daheim, wie ich hier Weihnachten gefeiert habe. Dann will ich einfach mal ein bisschen erzählen, wie man hier Weihnachten feiert...
Im Grunde ist das nicht spektakulär. Aber es ist schon anders als daheim. Immerhin ist man hier im Heiligen Land, und ich bin nur ganz wenige Kilometer von dem Ort weg, wo vor 2.000 Jahren Jesus geboren wurde: Betlehem. Man merkt hier aber viel weniger vom Weihnachtsrummel als in Deutschland. Die wenigsten Leute feiern hier die Geburt Jesu. Und deswegen ist man froh, wenn man im ein oder anderen Laden in der Altstadt auf ein bisschen Kitsch stößt. Und so sieht es auch in unserer WG aus, zumindest die Heizung, die an unserem niedrigen Wohnzimmertisch steht: Geschmückt mit Lametta und (von der Sara) selbstgebastelten Fröbelsternen. Kerzen, viel rot, viel Glitzer. An Süßigkeiten mangelt es auch nicht, weil die anderen paketeweise Schokolade und andere Sachen bekommen haben. Zu Essen haben wir also genug gehabt. Außerdem haben wir Plätzchen gebacken. So hat die Weihnachtszeit dann auch bei uns Einzug gehalten.
Wie gesagt, die Weihnachtsstimmung muss man sich selber machen hier - zumindest bis zum 24. Dezember. Dann gab es nämlich eine Weihnachtsfeier von Hagoschrim, mit Weihnachtsliedern und Punsch und einem guten Essen. Und wir haben "schrottgewichtelt", das heißt: Jeder bringt was mit, das er nicht mehr braucht, und das wird dann irgendwie mithilfe einer ausgeklügelten Würfelstrategie verschenkt. Natürlich ist die Menge an nicht mehr zu gebrauchenden Gegenständen relativ eingeschränkt, wenn man im Grunde nur ein Regal und ein Fensterbrett besitzt, wo man seinen Kram verstauen kann. Aber ich habe dann doch etwas gefunden - und auch im Handumdrehen eine wunderschöne, schlichte, blaue, gläserne, UNBRAUCHBARE Blumenvase erstanden. Der Abend hatte sich gelohnt... Spaß beiseite. Es war echt toll. Und von Hagoschrim haben wir jeder ein Keramik-Namensschild mit unserem Namen (auf Deutsch und auf Hebräisch) bekommen.
Nach der Weihnachtsfeier ging es dann zur Erlöserkirche in die Altstadt. Da gab es einen deutsch-protestantischen Weihnachtsgottesdienst, der mich dann ein bisschen an die Landeskirche daheim erinnert hat, wo meine Familie wahrscheinlich um die gleiche Zeit saß. Der Gottesdienst hat dann mit "Oh du Fröhliche" abgeschlossen. Das hat die Stimmung abgerundet.
Der Höhepunkt des Abends war allerdings die Wanderung nach Betlehem. Entlang einer vielbefahrenen Hauptstraße, die uns, den Bewohnern von Gilo, schon vertraut vorkam, ging es auf einen zweieinhalbstündigen Marsch in die Stadt Davids. Wir waren so um die 60 bis 80 Leute, die allermeisten deutsche Volontäre von allen möglichen Organisationen. Es gab interessante Gespräche auf dem Weg, und über den Checkpoint bzw. die Grenze gelangten wir ohne Probleme über die Mauer nach Betlehem.
Wir Hagoschrimer dürfen ja normal nicht in die A-Zone, d.h. in dei Palästinensergebiete. Aber der Ralph Z. aus Hannover (unser Chef) hat uns extra erlaubt, mit der Erlöserkirche da rüberzuwandern.
In Betlehem kamen wir dann so um halb vier Uhr morgens an. Da gab es ein paar kurze Lieder, ein bisschen Tee, und dann sind wir in die Geburtskirche gegangen. Ich habe ja nicht viel erwartet, deswegen war ich nicht allzu enttäuscht. Wie die Grabeskirche in Jerusalem eben auch. Weit ausgebaut, keine Spur mehr vom Betlehem von vor 2.000 Jahren. Und außerhalb der Kirche nur arabische Taxifahrer, die man verscheuchen muss, weil die denken, dass Touristen jeden Preis zahlen, um von einem Auto gefahren zu werden. Wir sind natürlich zu Fuß zum Checkpoint zurück, und dann noch die halbe Stunde nach Gilo hoch. Um 6 Uhr morgens sind wir dann in die Betten gefallen, mit schmerzenden Füßen. gerade dann, als Ben, unser israelischer Volo, zur Frühschicht gegangen ist.

Am 25. Dezember waren wir dann - nach ein bisschen Schlaf - im zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Bach, auch in der Erlöserkirche. Wir - also Eric, Irina, Sara, Dominik und ich. War cool. Danach haben wir in der WG einen Schabbatabend gemacht, mit bisschen gemütlich zusammensitzen und kochen und essen.

Heute, ab zweiten Weihnachtsfeiertag, sind wir nach dem Frühstück in den Gottesdienst in der Jerusalem Assembly in Talpiot gegangen. Eigentlich haben wir sonst nicht viel gemacht. Wir sind wieder viel gelaufen, weil am Schabbat ja keine Busse fahren. Dann haben wir gekocht, gegessen, entspannt - und jetzt ist es Zeit für einen Blogeintrag. Der ein bisschen lange ausgefallen ist, wie ich gerade merke. Ich bin ja noch nicht fertig.

Ich habe an viele Leute Briefe und Postkarten geschrieben. Aber irgendwann haben meine Hände angefangen zu schmerzen. Deshalb hoffe ich, dass diejenigen, denen ich jetzt nichts geschrieben habe, mir nicht böse sind. Für euch ist dieser Eintrag heute. Und natürlich auf für die Anderen. Ich hoffe meine Post ist bei euch angekommen und ihr habt euch gefreut.

Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit, einen schönen Urlaub noch und schöne Weihnachtsferien. Ich muss morgen wieder arbeiten, aber ich hab eine wirklich tolle Zeit gehabt. Weihnachten mit neuen Freunden zu feiern, in Israel, das ist schon toll. Natürlich denkt man auch an die Verwandtschaft und die Familie daheim, aber man kommt drüber weg, weil man hier ja auch nicht alleine feiern muss.

Alles Gute und einen guten Rutsch,
euer Thorsten

Freitag, 11. Dezember 2009

Selbstverteidigung gegen Autisten :D (und anderes)

Mir ist aus verschiedenen Quellen zu Ohren gekommen, dass ich in meinem Blog zu wenig schreiben würde. Hmm, dann will ich mal daran arbeiten.

Die letzte Woche war realtiv geruhsam, was die Arbeit angeht. Dafür hatten wir am Dienstag eine Fortbildung in Tel Aviv. Es gab keine Überschrift über der Einladung, aber es ging grob um die Selbstverteidigung gegen wildgewordene Autisten. Hört sich irgendwie bizarr an. Die meisten von euch wissen wahrscheinlich gar nicht, welchen alltäglichen Gefahren wir ausgesetzt sind. Bei unserer Arbeit lauern Konflikte, Aggressionspotenziale und autistische Brennpunkte auf uns. Was tut man, wenn einer unserer Schützlinge auf dem Klo sitzt und nicht mehr aufstehen will? Oder wenn die Lautstärke des Fernsehers einen von ihnen dazu reizt, den Schrank umzuwerfen?? Das ist die Frage. Und genau dieser Frage sind wir nachgegangen, auf diesem Lehrgang.
Ok, jetzt aber ein bisschen ernsthafter. Es geht bei dieser ganzen Sache natürlich nicht in erster Linie um uns. Ich meine, wie wehrt man sich gegen jemanden, der einen hauen will, aber zwei Köpfe kleiner ist? Oder überhaupt keine Koordination in den Armen hat? Unsere Autisten werden nur dann gewalttätig, wenn sie sich hilflos fühlen und mit einer Situation nicht klarkommen. Und es geht dann nicht darum, wie beschütze ich mich vor diesem Menschen, sondern wie beschütze ich diesen Menschen vor sich selber. Es ist eine Kunst, Gewalt nicht mit Gewalt zu begegnen. Es kommt ja nicht oft vor, dass unsere Leute durchdrehen. Aber wenn mal doch, dann muss man sich und ihnen zu helfen wissen.
Oft sind es nur ganz kleine Tricks und Kniffe, die einen sich anbahnenden Zusammenstoß verhindern. Manchmal brauchen Autisten einfach nur Körperkontakt. Oder auch jemanden, bei dem sie auf ein bisschen Widerstand stoßen. Dann eskaliert die Lage nicht, sondern löst sich einfach von alleine.
Jedenfalls, der Kurs war ganz interessant. Nächste Woche Dienstag geht es dann weiter. Praktisch für Fortgeschrittene.

Oh, heute Abend fängt übrigens Chanukka an, das Lichterfest. Das geht acht Tage lang und erinnert an den siegreichen Aufstand der Juden gegen die griechischen Besatzer, ungefähr andertalb Jahrhunderte vor Christus. Nach der Rückeroberung des Tempels war von dem Lampenöl für den Leuchter im Tempel nur noch ein Krug übrig. Das reicht normalerweise für einen Tag. Das Öl hat aber acht Tage gereicht. Das ist das Chanukka-Wunder, an das erinnert wird an diesem Fest. Deshalb stellen die Familien ihren Leuchter ins Fenster, damit die Leute auf der Straße an das Wunder erinnert werden. Ich denke ich gehe morgen Abend mal nach Mea Schearim, da wo die Orthodoxen wohnen. Vielleicht seh ich da ja ein paar Leuchter stehen. Bin mal gespannt auf die Atmosphäre da.

Gestern war ich in der Mall, dem Einkaufszentrum, das man von Gilo aus sieht. Da gibt's jetzt auch viele Stände mit Chanukka-Leuchtern und anderen Sachen für dieses Fest. Zum Beispiel essen Juden hier an Chanukka immer Berliner, in fett gebraten und gefüllt mit Marmelade. Man isst da so ziemlich alles, was trieft und tropft, weil das an das Ölwunder erinnert.
Und ich habe in der Mall auch einen einzigen Stand gesehen, wo man Schoko-Nikoläuse kaufen kann. Ist das nicht der Hammer?? :D In Deutschland laufen die Läden und Supermärkte über vor Schoko-Nikoläusen, und hier freut man sich, wenn man irgendwo ein bisschen Weihnachtskitsch zu sehen bekommt. Der ist nämlich erschreckend selten. In der Altstadt gibt es einen Laden, wo man Plastik-Tannebäume kaufen kann und Lametta und Schokolade und amerikanisches Weihnachstgedudel. Aber das war's dann auch schon. So eine landesweite, multikulturelle und konfessionsübergreifende Weihnachts-Euphorie, die einen Kaufwahn und überteuerte Preise mit einschließt, gibt es hier nicht. Zumindest habe ich davon noch nicht viel gemerkt. Nur bei den Volos kommt irgendwann der Drang, Plätzle (hochdeutsch Kekse :/ ) zu backen. Gut dass es im Ilan drüben einen großen Ofen gibt. Weil mit unserem kann man höchsten Schnitzel (aus Huhn, selbstverständlich) aufwärmen...

Montag, 7. Dezember 2009

Nikolaustagfeier im Ilan

Hallo zusammen, gestern war ja Nikolaus, und da hat's abends dann so eine Veranstaltung gegeben, von den Jungs im Ilan veranstaltet. War wirklich cool. Viele musikalische Beiträge. Da meine besten Zeiten (was die Musik angeht) leider schon Jahre zurückliegen, habe ich mich dezent im Hintergrund gehalten. Dafür hab ich mich dann in der Küche nützlich gemacht mit ein paar Anderen. Dabei sind dann Kässpätzle rausgekommen. Ich denke mal, dass die meisten mit unserer kulinarischen Beilage zufrieden waren...
Nach dem offiziellen Teil ging's dann erst an's Schischa-Rauchen (hust) und dann irgendwann aufgrund von Frühschichten und so auch ins Bett. Heute morgen hab ich gemerkt, dass ich ja nachmittags frei habe... Ich war vorhin schon in der Stadt und werde mir nachher noch eine Ein-Mann-Portion Spaghetti kochen.
So, das war jetzt detailliert genug, denk ich doch. Achja, morgen haben wir so eine Art Selbstverteidigungskurs gegen wildgewordene Autisten, in Tel Aviv. Bin ich schonmal gespannt. Wir müssen deswegen morgen nicht arbeiten. Aber aufstehen werden wir trotzdem um halb sechs... :D

Freitag, 4. Dezember 2009

Schabbat Schalom

Wir waren grade auf einer Buchvorstellung. Chaim Goren hat bei der Dormitio-Kirche sein Buch über die deutschen Katholiken im Heiligen Land zwischen 1838 und 1910 vorgestellt... War ein bisschen was für Insider, aber man hat auch einiges erfahren über eben jene deutschen Katholiken, die hier Deutschland vertreten haben und gegen eine französische Übermacht in Gastronomie, und Pilgertourismus des 19. Jahrhunderts verteidigt haben. Auch unser Paulushaus beim Damaskustor, wo unsere Einführungsseminare stattfinden, wurde vom Deutschen Verein im Heiligen Lande gebaut. Es sollte eigentlich größer werden als es schließlich wurde, da man mehr Betten für Pilger zur Verfügung stellen wollte als die Franzosen. Aber das Geld hat dann schließlich nicht gereicht.
All solche Geschichten hat er uns erzählt, der Herr Goren. War ganz interessant, find ich. Interessanter wäre es für meinen ehemaligen Geschichtslehrer gewesen, weil der hat doch auch ein Fable für alte Quellen und so. Außerdem saß der deutsche Botschafter eine Reihe vor uns. Ich war natürlich hoffnungslos underdressed, soll heißen ich hatte keinen Anzug mit Krawatte an; aber das Buffet hat trotzdem geschmeckt.

Ich hatte heute frei bzw. Frühschicht. Aber so richtig produktiv war der Tag heute trotzdem nicht, ich weiß nich... :/ Naja. Morgen wird vielleicht besser. Da hab ich dann wirklich frei, ohne Frühschicht. Vielleicht meld ich mich dann wieder.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Advent etc.

Mir ist aufgefallen, dass mein letzter Blogeintrag schon einige Tage zurückliegt. Deswegen will ich mich rasch nochmal melden.

Mittlerweile ist es Dezember und Advent. Letzte Woche am Schabbat waren wir in der Stadt und haben auf dem Adventsbasar ein paar Weihnachtsplätzle verkauft. Der Stand von Hagoschrim war recht übersichtlich, und wir haben viel Gebäck und Stollen verkauft. Das ganze fand neben der Erlöserkirche statt, also praktisch im Preußischen Patriarchat, wenn man das so nennen darf. Es waren viele Deutsche da, und vor allem Volontäre und irgendwelche Leute, die in Israel leben, den Genuss von Glühwein und Lebkuchen aber dennoch nicht missen wollen. ALDI hat der deutschen Botschaft in Tel Aviv extra einen Haufen Weihnachtssachen zur Verfügung gestellt, die dann hier verkauft wurden. Ich weiß jetzt nur nicht, ob die Botschaft das umsonst bekommen hat. Wahrscheinlich nicht. Wird der deutsche Staat vom ALDI gekauft haben, damit die ganzen Exildeutschen in der weiten Welt was zu Essen haben an Weihnachten... Naja, ok. Egal. Jedenfalls war's cool. Der Tag war generell nicht schlecht. Wir waren im Gottesdienst, morgens und abends, in verschiedenen Gemeinden. Und abends ist auf der Ben Yehuda (praktisch so die Jerusalemer Königstraße, für alle die aus der Region Stuttgart kommen) immer was los. Da haben welche gegen die Orthodoxen demonstriert, weil die die Klagemauer für sich allein beanspruchen. Dann gab's ein bisschen HipHop und Breakdance, was von orthodoxen Gegendemonstranten mit lauter Musik übertönt wurde. Und während da der innerjüdische Kampf der Kulturen tobte, haben einige Koreaner weiter oben in der Ben Yehuda christliche Weihnachtslieder gesungen. Zwar auf koreanisch, aber sehr schön.

Vorgestern Abend wollten wir eigentlich alle nach Petach Tikva auf einen Doppelgeburtstag. Dahin sind dann auch alle gegangen - außer ich. Ich hab dann mal spontan den Dienstag arbeiten müssen, was man mir am Montagabend mitgeteilt hat. Ich muss zugeben, ich war ein bisschen stinksauer. Aber was will man machen? :/ Ich hab's überlebt. Und gestern kamen die ganzen Leute zum Hauskreis nach Jerusalem.

Das Wochenende hab ich frei. Mal schauen was ich da mache. Vielleicht findet sich ja irgendwas Interessantes. Ich hab neuerdings die Monatskarte für den Bus. Das lädt einen natürlich ein, einfach mal rumzufahren und jeden Bus zu nehmen, der gerade kommt, ohne sich Sorgen nach dem Preis machen zu müssen.
Also, bis dann :)

Mittwoch, 25. November 2009

Seminar

Letztes Wochenende hatte ich mein zweites Seminar, diesmal in Yad Haschmona in der Nähe von Jerusalem. Der Name bedeutet "Gedenkstätte der Acht". Hier haben finnische Christen einen Moschaw (sowas wie ein Kibbuz) gegründet, um an die acht jüdischen Flüchtlinge zu erinnern, die im Zweiten Weltkrieg von der finnischen Regierung an die Nazis ausgeliefert wurden. Der Ort ist ganz schön, mit vielen finnischen Blockhäusern.

Der Gast, der uns dieses Mal besuchte und die Abende mit uns gestaltete, war Johannes Gerloff, ein Israelkorrespondent, der sich mit Bibel und Nahostkonflikt auskennt. Er hat uns am ersten Abend was über die Sache mit den Israelis und den Palästinensern erzählt.
Am nächsten Tag waren wir in Abu Gosh, wo es angeblich den besten Hummus gibt. Da haben wir ein Kloster besucht und ein französischer Mönch (Bruder Olivier) hat uns bisschen unterhalten.
In Abu Gosh leben Araber, die den Staat Israel anerkennen und damit kein Problem haben. Der Mann vom Falaffel-Laden hat sich zwar irgendwie über uns lustig gemacht und hat affige Verrenkungen mit den Armen gemacht, aber das hat die wenigsten gestört. Der hat an diesem Tag das Geschäft seines Lebens gemacht. Naja, zumindest das Geschäft des Tages. Weil Israelis fahren gerne nach Abu Gosh und gehen da essen, weil es hier eben israelische Araber gibt.
Am Nachmittag hat Johannes Gerloff dann mit uns Römer 9-11 komplett auseinandergenommen. Dabei sind mir ein paar ganz interessante Erkenntnisse gekommen. Außerdem habe ich (und auch noch einige andere) gemerkt, dass man nie genug in der Bibel lesen kann. Im Grunde haben wir ja das Heil durch Jesus usw. nur bekommen, weil die Juden damals einfach zu blöd dazu waren, ihn als Messias anzuerkennen. Okay, zu blöd waren sie nicht, denn Gott hat ihre Augen und Ohren verschlossen. Aber auf jeden Fall hat das Jesus ziemlich fertig gemacht. Am Ende hat er seinen Jüngern dann doch den Missionsbefehl gegeben, damit sich die Heiden bekehren. Wir, die Heiden, sollen nämlich die Juden neidisch machen durch das Heil, das wir durch Jesus erlangt haben. Wir sind praktisch das Werkzeug, durch das Gott sein auerwähltes Volk zurückgewinnen will. Und der Deal, der für uns dabei rausspringt, ist die Tatsache, dass wir JETZT das Heil schon haben, wo Israel noch blind ist. Doch wieviel größer wird der Segen für uns sein, wenn Israel auch zum Glauben an Jesus Christus kommt.
Die Sache ist seeeehr kompliziert und verwirrend. Aber wenn man mal drüber nachdenkt, kommen viele interessante Denkansätze dabei raus. Es fällt auch auf, dass dieser Teil des Römerbriefes (der sehr pro-israelitisch bzw. pro Volk Gottes ist) in der Predigt in der Kirche so gut wie nie behandelt wird. Viel Stoff zum Nachdenken.

Ok, das Seminar war cool. Ansonsten... heute ist noch Hauskreis, gestern war ich in der Stadt, die letzten Tage haben wir ab und zu abends im Ilan gesessen. Jo. Am Wochenende habe ich frei, mal sehen was ich da so mache. Achja, da ist Weihnachtsbasar von der Erlöserkirche irgendwie. Vielleicht schau ich da mal vorbei. Na gut. Bis denne, euer Thorsten.

PS: Ihr dürft auch wieder gern ab und zu mal was kommentieren. Und auch wenn's nix zu kommentieren gibt, freu ich mich trotzdem über Kommentare. :)

Dienstag, 17. November 2009

Geburtstag

Gestern war mein Geburtstag, und ich denke ich muss einfach mal wieder einen Blog-Eintrag machen. Über den Geburtstag selber gibt es gar nicht sooo viel zu berichten, aber ein paar Fotos will ich euch zeigen.

Thomy aus dem Alyn und ich haben am gleichen Tag Geburtstag und haben reingefeiert. Da gibt es bei der Central Bus Station so ein verlassenes Araberdorf. Das heißt Lifta, oder auf Hebräisch En Neftoah. Das gibt's da schon seit der Zeit der Bibel. Hab ich bei Wikipedia gegoogelt. Jedenfalls waren wir so um die 15 Leute. Hauptsächlich Jerusalemer, aber auch ein paar aus Petach Tikva. Wir haben in einer Ruine geschlafen. War voll korrekt.

Mittags sind wir dann heimgegangen und ich hab meine Geschenke ausgepackt. Danach hab ich mir einen schönen Abend gemacht. :)

Hier hab ich dann noch ein paar Bilder für euch.
























Oh, und sorry dass ich zurzeit nicht so viel schreibe, aber ich komme grade nicht dazu. Ich hoffe das hier genügt euch vorerst. Ich meld mich beizeiten wieder.

Mittwoch, 11. November 2009

WG-Leben (Vol. 2)

So, jetzt hab ich mich eine ganze Weile nicht mehr gemeldet. Es ist auch ein bisschen schwierig, mit der Welt Kontakt zu halten, wenn man nur ein Internetkabel und (mittlerweile) 4 PCs in der WG hat. Da muss man sich erst mal arrangieren. Außerdem arbeite ich ja auch ab und zu noch was... Aber jetzt schreib ich euch ja mal wieder. In der Küche köchelt ein Topf mit Spaghetti.

Seit hier wieder Leben in der WG ist und der Anteil der Deutschen überwiegt, haben sich einige Dinge verändert. Der Fernseher wurde gleich mal in eine andere Ecke gestellt, damit er nicht mitten in der "Küche" stehen muss. Als ich hier angekommen bin, war ich der einzige Neue. Ich hab mich einfach mal an die Umstände gewöhnt und bin ganz gut damit klargekommen. Seit die neuen Volos gekommen sind (die übrigens Eric, Sara und Wiebke heißen), gibt es nach jeder Frühschicht ein gemeinsames Frühstück. Ich muss sagen, nach den ersten eineinhalb Wochen ist das Fazit äußerst zufriedenstellend.

Nachher fahren wir noch bisschen in die Stadt und schauen uns die Knesset (das Parlament) an. Danach ist ja (wie jeden Mittwoch) Hauskreis.
Letztens waren wir auch in der Stadt und haben ein bisschen WG-Inventar gekauft. Ursprünglich wollten wir uns mit ein paar anderen beim IKEA in Netanya treffen, um 12.30 Uhr. Nach einem gemütlichen Frühstück und einem vorsichtigen Blick in den Zugfahrplan (hier fährt nämlich sogar ein Zug - manchmal) haben wir festgestellt, dass wir so etwa 2 Stunden zu spät ankommen würden. Und um diesen Zug zu bekommen, mussten wir auf den Bus, der in 2 Minuten kam. Natürlich hatte der Verspätung und der Zug war weg. Also sind wir direkt weiter in die Stadt. Geschirrtücher und kleine Löffel kaufen. Das ist dann doch ein ziemlich cooler Tag geworden, auch ohne "Heimatgefühle" im (schwedischen) IKEA.

Ok, ich mach dann jetzt Schluss und denke schon mal über meinen nächsten Blog-Eintrag nach... :D

Bis dann,
euer Thorsten

Montag, 2. November 2009

Zurück zur Tagesordnung

Nach einer Woche Urlaub hab ich jetzt ja auch wieder angefangen zu arbeiten... Glaubt man das? Ich habe bis Freitag nur Frühschichten! Das heißt im Klartext: Jeden Morgen 3 Stunden arbeiten. Zwar ab 6.00 Uhr, aber danach den ganzen Tag frei... Dafür kann ich abends nix machen.

Heute haben unsere drei neuen Volos die erste observation, d.h. die schauen erstmal zu was man bei uns so machen muss. Na super. Und ich hab frei. Als einziger.
Die beginnen jedenfalls, sich langsam einzuleben. Gut, das ist nach zwei Tagen schwer zu sagen, aber zumindest beginnen sie zu beginnen sich einzuleben. Zumindest ist das ganze Zeug schon in den Zimmern wild verstreut worden. Unordnung, ja - aber deutsche Unordnung -> D.h. immer noch lebensbejahend.

Ich sitze grade auf meinem Bett, mit meinem PC, und höre irgendwelche jüdische Musik, die kein Israeli hören würde. Aber ich schon. Ich glaube bald hab ich hier alles aktualisiert und auch ein paar alte Word-Dokumente, die mein Vater bei sich gesichert hatte, aussortiert. Dann kann ich endlich anfangen, wieder was zu schreiben. Mein Buch muss 2010 in der zweiten Auflage erscheinen, dann sollte ich noch ein anderes fertig haben, wenn ich zurückkomm.... Mal schauen was sich da so entwickelt.

Ok, das war's für heute. Ich wollte nur mal wieder bisschen was schreiben, damit es den Lesern nicht langweilig wird. Aber soviel neues gibt es nicht. :)

Samstag, 31. Oktober 2009

Urlaub

Ha, die komplette letzte Woche hatte ich Urlaub... toll, nich? Jedenfalls war ich mit meinen Eltern unterwegs. Hab denen Jerusalem gezeigt und wo ich arbeite und wohne und so.
Gewohnt haben wir im Johanniterhospiz, was ich jedem nur empfehlen kann, der mal in der Jerusalemer Altstadt wohnen will. Da gibt es jeden Morgen Hauskreis und ein gemeinsames familiäres Frühstück.
Nach ein paar Tagen Jerusalem sind wir weitergefahren nach Ein Gedi. Dort hatten wir ganze 3 Übernachtungen. Jeder sagt, das wäre zu viel. Was will man so lange in Ein Gedi machen. Aber wir hatten nie Langeweile. Der Nationalpark zum Wandern ist ja gleich vor der Tür, und baden kann man auch. In den 3 Tagen sind wir auch nach Ein Boqeq zum Baden gefahren und haben uns die Überreste des biblischen Arad angeschaut, was sich übrigens auch sehr lohnt. Dafür haben wir Masada nur von unten gesehen.

Da ich wieder einen eigenen Laptop habe, kann ich auch neue Fotos hochladen. Oben das ist im Nationalpark, und unten das ist das Bodenmosaik von der antiken Synagogenruine in Ein Gedi.

Freitag, 23. Oktober 2009

Automatische Aktualisierung... :D

Hallo, ich wollte mich nur nochmal kurz melden... Diese Woche war nicht viel los, deswegen habe ich so wenig geschrieben. Naechste Woche wird interessanter. Ab Morgen abend reise ich mit meinen Eltern durch dei Gegend, und am Dienstag geh ich zum Einfuehrungsseminar und schau wie die neuen Volos so drauf sind. Also, ich verabschiede mich schonmal mit vielen Gruessen ins Wochenende und schreibe euch dann Ende naechster Woche wieder. Bis dann. :)

Dienstag, 13. Oktober 2009

Am Wochenende war viel los... (hoert sich irgendwie doof an...)

Naja. Es ist jetzt 7.12 und ich habe genau 3 Minuten Zeit, bis ich arbeiten muss. Aber ich will mich mal wieder kurz melden. Unser Haus ist voll, ein Haufen Leute aus Petach Tikvah und so sind zu Besuch. Vorgestern war ich mit Nini aus Haifa in der Altstadt unterwegs, dann haben wir im Ilan Spaghetti gekocht. Wir wollten die Ilaner eigentlich zu uns einladen, aber dann sind ploetzlich so an die 10 Leute aufgetaucht, und wir mussten wieder mal im Ilan kochen. Auch gut. Spaghetti mit der orginalen Thorschten-Tomatensauce.
Gestern waren Nini, Jan und ich in Latrun. Da kann man Panzer anschauen und so. War cool.
Gestern Abend bis heute morgen haben wir Philipps Geburtstag gefeiert. Nachher, nach meiner Fruehschicht fahren wir nach Tel Aviv an den Strand, mit einigen von den Leuten. Ich muss mir 'ne neue Badehose zulegen (fuer alle die's wissen wollen...). Das wird der letzte Strandbesuch von Krissi. Der fliegt naemlich am Freitagmorgen heim.
Ok, das war jetzt die ganz krasse Kurzzusammenfassung eines coolen Wochenendes und dem Anfang der Woche. Diese Woche arbeite ich nicht so viel. Erst Donnerstag wieder, und Wochenendschicht...

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Hauskreis in Maale Adumim

Gestern fand unser Hauskreis - wie schon im letzten Eintrag angekuendigt - in Maale Adumim statt. Wir waren bei Familie Gilah eingeladen und haben ein bisschen was ueber die Stadt erfahren. Das alles ist insofern interessant, da unser amerikanischer Freund Barack Obama ja im Zuge seiner eifrigen Bemuehungen um den Nahost-Frieden fordert, alle juedischen Siedlungen im Westjordanland zu raeumen.
Maale Adumim ist so eine juedische Siedlung im Westjordanland. Man muss einen Checkpoint passieren, um auf der Strasse dorthin zu kommen. Und ich muss hier in diesem Blogeintrag auch ein bisschen politisch werden. Denn unser Freund in Amerika hat schlichtweg keine Ahnung, was hier vor sich geht.
Diese juedische "Siedlung" hat heute 36.000 Einwohner und wurde vor ca. 30 Jahren gegruendet - in der Wueste. Nachdem die Roemer Israel verlassen hatten und das Land vor knapp 1.500 Jahren in muslimische Hand kam, begannn die damals hier bestehende Siedlung zu zerfallen. Kein Araber hat jemals das Gebiet beansprucht, wo sich heute Maale Adumim befindet. Die ersten Juden kamen 1975 hierher und bebauten unbewohntes Land. Damals hatten sie das Gebiet gekauft, vom Staat Israel, und unter Zustimmung der Amerikaner. Alles ganz legal. Bis heute ist diese Wuestenstadt mehrmals mit dem Preis zur "schoensten Stadt Israels" ausgezeichnet worden.
Maale Adumim gilt als eine der "umstrittenen" oder sogar "illegalen" juedischen Siedlungen des Westjordanlandes. So, Herr Obama, jetzt nennen Sie mir doch bitte einen Grund, warum die Israelis diese Stadt jetzt raeumen sollten. Damals ist alles ganz legal ausgehandelt worden. Kein Araber hat dieses Gebiet beansprucht. Sonst haette jemand in den letzten 1.500 Jahren mal ein Haus auf den Huegel gebaut.
Ausserdem entsprechen die Medienberichte, die wir zuhause hoeren, oft nicht den Tatsachen. In Europa hoeren wir, wie fanatische Israelis auf arabischem Gebiet Haeuser bauen und Araber vertreiben. Unser Gastgeber hat uns aber gestern auch von dem ausgezeicheten Verhaeltnis erzaehlt, das die Einwohner von Maale Adumim zu ihren Nachbarn aus den umliegenden arabischen Doerfern haben. Die Siedlung hat - im Gegensatz zu vielen anderen - keine Mauern oder Stacheldrahtzaeune, die sie gegen eventuelle Angriffe der Araber schuetzt. In der Gegend wohnen 400 arabische Beduinen, die in Maale Adumim ihr Geld verdienen und hier einkaufen. Die haben mit ihren juedischen Nachbarn keine Probleme. Der Nahostkonflikt in den juedischen Siedlungen ist also nicht immer so brenzlig wie man das in Europa annimmt. In Maale Adumim laeuft alles in geregelten Bahnen. Alles legal, und alles weitgehend friedlich und in Einklang mit den arabischen Nachbarn.
Sollte die Regierung jetzt der Forderung der Amerikaner nachgeben und die "Siedlung" raeumen, waeren auf einen Schlag 36.000 Menschen arbeits- und obdachlos. Das passierte schon zu der Zeit, als Ariel Scharon begann, die ersten Siedlungen raeumen zu lassen. Bis heute haben noch nicht alle Familien wieder ein Dach ueber dem Kopf.
Soviel mal zum politischen Teil. Ich geh nachher wieder ein bisschen arbeiten und ab morgen hab ich Wochenende. :)
Bis dann, euer Thorsten

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Sukkot

Grade ist hier ja Sukkot, das Laubhuettenfest. Deswegen gehen wir heute mit unserem Hauskreis nach Maale Adumim/ Das ist so eine Siedlung im Westjordanland, aber in der Naehe von Jerusalem. Da machen wir einen Besuch bei irgendeiner Familie und feiern gemeinsam ein bisschen. Mal sehen, wird bestimmt interessant.

Gestern war ich in der Stadt mit ein paar von unseren Maedels aus Haifa unterwegs. Wir waren u. A. auf dem Turm der Ernloeserkirche und haben uns die Stadt von oben angeschaut. It's amazing.
Weil auch so ein Jerusalem-Marsch gestern war, auf dem Christen aus aller Welt ihrer bedingungslosen Liebe zu Israel Ausdruck verleihen, waren auf den Strassen viele Polizisten und Soldaten unterwegs. Als wir am Damaskus-Tor gesessen sind, da ist doch tatsaechlich was passiert: Ein etwas dickerer Junge wollte eine Wagenladung Mehl durch die Kontrollstelle direkt am Damaskus-Tor schieben. Warum gerade jetzt ud heute, das weiss niemand. Vielleicht macht er das auch jeden Tag. Jedenfalls, das hat dem Soldaten nicht gepasst. Es hat ein bisschen Stress gegeben, ein paar polizisten haben sich eingemischt - auf jeden Fall sind die Jungs abgezogen und sind durchs Altstadttor verschwunden. Und was passiert? Nach knapp 5 Minuten kommt eine Horde 9- bis 13-Jaehriger aus der Altstadt, stellt sich vor die Soldaten und beginnt wie verrueckt irgendwelche Schlachtrufe zu bruellen. Al-Aqsa, al-Aqsa und Hamas, Hamas. Auch irgendwas mit Yahud (= Jude). Wahrscheinlich Tod den Juden oder sowas. Meeensch, ich hab gedacht ich spinn. Da waren Jungs dabei, dir konnten grade mal lesen. Und da fragt man sich, wodie ganzen terroristen herkommen. Die wachsen doch schon so auf. Wuerde mich nicht wundern, wenn da zufaellig irgendein Mullah dahintergesteckt hat, der die Jungs mal ein bisschen zum Krawallmachen geschickt hat. Und alle Leute (waren ja fast nur Muslime da) haben zugeschaut.
Naja, wie dem auch sei, die Jungs sind irgendwann wieder davongezogen. Einer wurde von seiner Schwester weggezerrt, einige andere wurden von ihrer Mutter zum mittagessen abgeholt. Man soll's kaum glauben.
Der Tag war ansonsten wirklich cool. Der Jerusalem-Marsch war ganz interessant. Danach hab ich 'ne Weile auf den Bus gewartet und dann abends noch 'ne Portion Nudeln mit Tomatensauce verdrueckt.

Dienstag, 29. September 2009

Au, meine Beine...

*Der Titel heute ist aeusserst beknackt, aber ich habe mir letztens anhoeren muessen, dass meine Blogeintraege alle gleich heissen... "Freitag", "Samstag", usw. ... Also, bitteschoen.*
Obwohl, die Beine tun mir wirklich weh. Auch jetzt noch, am Dienstag. Und daaas war sooo:
Am Sonntagabend hat Jom Kippur angefangen, zu Deutsch Versoehnungstag, der wichtigste Festtag im juedischen Kalender. Also haben sich ein paar von uns entschlossen, einem gut besuchten Gottesdienst in der Great Synagogue in der Stadt beizuwohnen. Das war eigentlich ganz cool. Die meisten Besucher waren in weiss, und der Gottesdienst wurde mit dem Kol Nidre, dem Versoehnungsgebet, eroeffnet. Es machte alles einen andaechtigen und ungewoehnlichen Eindruck. Das war auch genaugenommen erst mein dritter juedischer Gottesdienst. Den ersten habe ich in Hannover besucht - zum Einschlafen. Der zweite war in einer konservativen Gemeinde in Jerusalem; war ganz gut, wenn auch etwas amerikanisch gehalten.
Als die Predigt in der Great Synagogue begann, andauerte und sich in die Laenge zog, wurde es etwas eintoenig. Ich verstand nur jedes 28. Wort und den anderen ging es wohl auch so aehnlich. Sogar unter den Juden mussten einige mit dem Schlaf kaempfen. Wie dem auch sei, wir haben den Gottesdienst fruehzeitig verlassen und wollten noch etwas essen. (Jom Kippur ist ein Fastentag, aber wir haben uns dazu entschlossen, das mit dem Fasten nicht so genau zu nehmen.)
Auf den Strassen sind an Jom Kippur immer viele Menschen. Kein Auto faehrt. Es ist wirklich sehr angenehm. Man kann auf den Schnellstrassen spazierengehen. Wir (Thomas, Lukas und ich) jedenfalls gingen nach Ostjerusalem und kauften eine Kleinigkeit zu essen, bevor wir noch die Klagemauer besuchten. Dabei fiel uns die grosse Polizeipraesenz auf, was uns aber weiter nicht stoerte, denn sowas darf einen hier nicht stoeren.
Um wieder zum Thema "warum tun mir die Beine weh" zu kommen: An Jom Kippur fahren auch keine Busse. Das habe ich gewusst und auch in Kauf genommen, auf dem Heimweg einiges an Wegstrecke zuruecklegen zu muessen. Als ich mich also vom French Hostpital an der Stadtmauer der Altstadt mit Lukas aufmachte, wusste ich, dass ich eine Weile laufen wuerde. Wir sind dann ueber die Universitaet und das Regierungsviertel bis zur Hagay gegangen, wo wir immer Hauskreis haben. Von da ueber den Mt. Herzl und die Strasse immer weiter, bis der Lukas dann in Richtung Alyn abgebogen ist. Ich bin weiter bis dahin, wo wir unsere Autisten immer abholen nachmittags, von dort zur Malcha Mall. Und von da durch die Pampa, d.h. ueber Stock und Stein, nur mit dem Licht des Mondes (der sich hinter den Bergen versteckte), den Berg hoch. Kurz gesagt: Ich habe einen riesigen Umweg gemacht und bin zu viel gelaufen. Jedenfalls spuere ich es in den Schienbeinen heute noch, und das nicht schlecht. Denn unsereins wollte ja nicht erst morgens um 5 ankommen. Auf den Strassen war es sehr gesellig. Tausende Menschen nutzten die Nacht zum Feiertag, um spazierenzugehen. Also war ich auf meiner Wanderung nicht alleine. Allerdings haben sich keine grossen Gespraeche ergeben, da ich noch wenig Hebraeisch spreche und keiner der Wandernden wie ich das Ziel Gilo hatte. Soll ich mal bei GoogleMaps nachschauen, wie viele Kilometer das waren? Wartet mal kurz... na, so genau laesst sich das nicht ausrechnen. Mindestens 10 kilometer waren das ungefaehr. Ist ja auch egal, jedenfalls schmerzen meine Beine. :D
Ui, das war jetzt aber wieder viel. Naja. Jedenfalls gehte s heute wieder ans Arbeiten. In genau zwei Stunden faehrt mein Bus, den ich nehmen muss um die Leute abzuholen. Fruehschicht hatte ich auch schon. Wie ihr seht, bin ich doch nicht nur im Urlaub und liege auf der faulen Haut.
Wie dem auch sei, ich melde mich bald wieder. Bis dann! :)

Freitag, 25. September 2009

Rosch haSchana usw.

Hallo ihr alle, ich denke ich melde mich mal kurz wieder... allerdings hab ich nicht so viel Zeit, gross was zu schreiben. Deswegen fasse ich mich kurz.
Letzte Woche war Rosch haSchana, das juedische Neujahrsfest. Deshalb nochmal an alle: Schana Tova (Frohes Neues Jahr)! :D Das war hier eher unspektakulaer, da ich mich die meiste Zeit in Gilo rumgetrieben habe. Nur am Freitagabend, also vor einer Woche, war ich in der Jerusalem Assembly, der Stammkirche von den meisten Volos. Da hat's dann auch was zu Essen gegeben, anlaesslich des neuen Jahres.
Morgen ist Schabbat und am Sonntag dann Jom Kippur, der hoechste juedische Feiertag (nach dem Schabbat) ueberhaupt. Mal sehen, was ich da mache, weil da habe ich unerwarteterweise frei. Vielleicht nehme ich - aufgrund mangelnder Busse - meine Beine in die Hand und laufe zu Fuss in die Stadt. Da gibt es einen haufen Synagogen, vielleicht komm ich da ja in eine rein und kann mal an dem Fest teilhaben, anstatt in meiner WG zu sitzen oder zu pennen... :D
Jedenfalls habe ich jetzt gemerkt, dass ich so langsam meinen Laptop zu vermissen beginne. Denn man hat hier wenige Moeglichkeiten - erstens: Man kann arbeiten. Wenn man nicht arbeitet kann man (zweitens) schlafen. Oder essen (drittens). Oder einfach nur chillen (viertens). Und natuerlich andere Volos treffen und mit denen (vier punkt eins) chillen. Und wenn einem dann nichts mehr einfaellt, dann juckt es einen pausierenden Schriftsteller so langsam in den Fingern, d.h. "aaaaahhh! So langsam brauch ich was, wo man Word-Dokumente erstellen, reichlich mit Buchstaben fuellen und danach abspeichern kann!" Man will ja nach einem Jahr nicht nach Deutschland zurueckkommen und NICHTS geschrieben haben, kein neues Buch, keine wissenschaftlichen Aufsaetze ueber die israelische Kultur, oder die politische Lage des Nahen Ostens. Das waere ja ein Unding. Deshalb bin ich froh, dass mir meine Familie, die mich in einigen Wochen schon besuchen kommt, einen neuen (hoffentlich nicht zu teuer erstandenen) Laptop mitbringt.
So viel zu meiner aktuellen Lage. :D
Das war jetzt doch nicht so kurz gefasst wie erwartet... naja. Auch gut. Ich wuensch euch jedenfalls eine schoene Zeit. Ihr hoert wieder was von mir, in den naechsten Tagen.

Montag, 14. September 2009

Wochenendseminar in Karei Desche

(Hallo Leute... stellt euch darauf ein dass ich heute ein bisschen ausfuehrlicher werde...)
Gestern ging unser Wochenendseminar am See Genezareth zu Ende. Wir waren nach vielen Wochen der Arbeit froh, unsere Mitvolontaere mal wieder zu sehen. Auch die Location war nicht schlecht: Eine Jugendherberge mit Strand und gutem Essen. Diese Unterkunft aehnelte - zu unserer Freude - einem Hotel.
Der erste Abend wurde mit lange geprobten Theaterstuecken und einem Musical zum Thema Jesus gestaltet. Der hatte seinerzeit naemlich rund um den See Genezareth gewirkt. Wir hatten viel Spass, und noch dazu einen vollen Magen. Bei manchen war der Magen zu voll, und man hoerte gelegentlich ein leises Seufzen.
Am naechsten Morgen ging es schon frueh los nach Kana. Dort wurde einst eine Kirche ueber eine Kirche gebaut, die ueber dem Haus gebaut wurde, wo Jesus bei einer Hochzeit zu Gast war und durch sein erstes oeffentliches Wunder die Gastgeber vor der peinlichen Situation bewahrt hatte, den Gaesten aufgrund von Weinknappheit nichts mehr zu Trinken bieten zu koennen. Kann man unter dem Stichwort Hochzeit zu Kana in der Bibel nachlesen.
Nach einer kurzen Pause ging es dann weiter nach Nazareth. Dort haben Christen ein Freilichtmuseum errichtet, das sich Nazareth Village nennt und dem Besucher das zeigt, was man heute trotz der Kirchen und Gedenktafeln nirgendwo mehr findet: Naemlich Galilaea, wie es damals wirklich ausgesehen hat. Wie die Leute frueher Oliven gepresst haben. Wie sie Teppiche gewebt haben. Und der Nachbau einer biblischen Synagoge laesst einen auf einmal erkennen, dass man dort angelangt ist, wo Jesus gepredigt hat. Das nimmt einem in gewisser Weise die ganze Magie, die man von Deutschland aus gespuert hat, bevor man ins Heilige Land reist. Der schlichte Bau mit einigen Saeulen und harten Sitzbaenken aus Stein hat aber auf eine andere Art eine viel groessere Wirkung auf mich. Die Tatsache, dass Gott Mensch geworden ist und einer von uns war, laesst sich erst hier, in einer kleinen Landsynagoge in Galilaea, begreifen. Die Abbildungen und Rekonstruktionen des Tempels in Jerusalem sind immer so unwirklich. Gott erscheint einem so fern. Hier, in Nazareth Village, in einem Nachbau einer Dorfsynagoge, kommt es einem so vor, als wuerde Jesus jeden Moment zur Tuer hereinkommen.
So, das war jetzt ein kurzer Ausflug in meine persoenliche Religionsphilosophie. Jetzt weiter im Text:
Zurueck in der Jugendherbergs-Hotelanlage erwartete uns ein Picknick. Danach ging es fuer viele von uns weiter nach Kapernaum und/oder auf den Berg der Seligpreisungen (siehe Bergpredigt). Ich bin nach Kapernaum mitgegangen. Da ging es mir ein bisschen so wie zuvor in Nazareth. Die Ruinen von kapernaum sind ueberschaubar. Man steht also alle zwei Meter unweigerlich auf der Stelle, an der Jesus entweder einen Blinden geheilt oder mit einem Zoellner gesprochen hat.
Den spaeten Nachmittag verbrachten wir alle im Wasser des Sees. Ein bisschen Urlaub gehoert ja schliesslich auch dazu.
Am Abend besuchte uns ein alter Herr (Esra Fein), der viel zu erzaehlen hatte. Der erste Teil (ueber den See Genezareth) erschien den meisten ein bisschen oede. Doch dann folgte die Biografie, und die war hochinteressant. Ich kann ja hier unmoeglich alles widergeben, deshalb spare ich mir das. Oh, interessant: Der Esra hat seine Frau auf einer Single-Reise nach Zypern gefunden. Fuenfzig Frauen, fuenfzig Maenner. Alles israelische Kibbutzniks ohne Hoffnung. So wird das also in Israel gemacht... :D
Der Abend klang mit Lobpreis und Gitarren auf der Wiese aus. Am naechsten Morgen sollte das Seminar ja auch schon sein Ende finden, in einem Gottesdienst am Ufer des Sees. Dazu hatten einige Leute etwas vorbereitet. Sechs von den alten Volos wurden verabschiedet. Und der Marc hielt eine Predigt. Danach gab es Aepfel und ein bisschen was fuer den Weg.
Ein paar von uns machten sich gemeinsam auf zur Bushaltestelle. Wir warteten 20 Minuten, dann kam der Bus nach Tiberias, fuer die Leute die nach Haifa mussten. Nach weiteren 10 Minuten waren die Leute nach Petach Tikva dran. Da waren dann nur noch Krissi und ich uebrig. So. Und wir warteten ganze zweieinhalb Stunden auf unseren Bus nach Jerusalem.
Angekommen sind wir aber doch. Und ich sitze hier am PC und hab nachher noch Spaetschicht. Endlich wieder arbeiten...
Viele Gruesse an euch, die ihr meinen endlos erscheinenden Blog lest... :) Macht's gut.

Samstag, 5. September 2009

Freitagabend

Halloele, hier bin ich wieder... dieses Mal mit oe und ue und so weiter, weil hier im Computerraum in dem Behindertenheim nebenan gibt es leider nur englische Tastaturen.
Ich dachte einfach ich melde mich mal wieder, wo doch so viele Leute meinen Blog lesen.
Diese Woche naehert sich dem Ende, und ich bin bisschen erschoepft. War bisschen stressig. Viele Arbeitsstunden und wenig Freizeit, wird naechste Woche aber besser. Denke ich. Hoffe ich. Werd ich dann ja sehen. Morgen abend gibt es den Schichtplan fuer kommende Woche. Der kommt immer erst Samstagabend. Wenn man nicht aufpasst und nicht nachschaut, dann kann es sein, dass man Sonntagmorgens um halb vier heimkommt und nur zwei Stunden schlafen kann, bis man wieder an die Arbeit muss. Ist hier schon Leuten passiert. Mir allerdings noch nicht. Ehrlich. Bin ja noch neu.
Na, was red ich denn da wieder. Gibt es vielleicht was Wichtiges, das ich den Leuten in der Heimat (oder wo auch immer) mitteilen sollte? Hmm, mal ueberlegen.
Jedenfalls, seit mein PC mir auf gar sonderbare Weise abhanden gekommen ist, sind ja auch meine Bilder alle weg. Und das sind nicht nur alle Bilder meiner letzten Reisen - bzw. die der Reisen der letzten 5 Jahre - sondern natuerlich die schoenen Krawallbilder aus Mea Schearim, die mit den brennenden Muelltonnen. Hier im Blog ist ja nur eines zu sehen, aber ich hatte ja mehr. Was heisst das jetzt fuer mich?? Ich muss demnaechst nochmal los und hoffen, dass gerade zu deeem Zeitpunkt wieder irgendwelche Orthodoxe einen Muellcontainer entzuenden. Wolln wer mal hoffen, dass das was wird... :D
Wie dem auch sei, morgen noch Arbeit, uebermorgen vielleicht nicht mehr. Da kann ich dann in die Kirche gehen. Und falls ich doch arbeiten muss - naja... Ist eben so. Letzte Woche waren es glaube ich sogar 45 Stunden. Aber es kommen auch bessere Tage, d.h. 20 Stunden. Soll es schon oft gegeben haben. Spaetestens wenn am 10. September unsere Volo-WG wieder mit frischen und motivierten Volos aus Deutschland aufgefuellt ist. Denn die ersten der letzten Volo-Generation haben sich bereits aus dem Staub gemacht, heim in Richtung Deutschland.
So, der Worte sind genug gewechselt fuer heute Abend... Ich werde jetzt noch ein bisschen meine freie Zeit bei den Ilanern geniessen, da ich morgen - das erste Mal seit 4 Tagen - nicht um Viertel vor sech aufstehen muss.
Macht's denn mal gut. Ihr hoert von mir. (Hoffentlich auch bald wieder mit einem o und zwei Punkten drauf, weil das sieht alles extrem daemlich aus hier...) :D

Freitag, 28. August 2009

Freitag

Es ist Freitag und ich hab grad Pause. Deshalb schreib ich schnell mal in meinen Blog. Die Sache ist nämlich die: Der 2-Tages-Trip war cool, morgen hab ich frei, usw., aaaaber - mein Laptop wurde geklaut. Und das genau dann als wir auf dem Trip waren. Das Haus war leer. Alle Volontäre und Worker und Autisten waren mit auf dem Trip. Es gab nur zwei unverschlossene Türen, eine über die Terrasse und eine (von einem Sofa blockierte) Hintertür in unsere WG. Und hinter der war mein Laptop. Super, nä? Wer denkt denn dass da einer einbricht?? Das ist ja immerhin für das nächste Jahr sowas wie mein Zuhause, oder? Oh Mann, wenn ich den erwische... Sonst fehlt nix. Nicht einmal das Kabel hat er mitgenommen, der Honk... Jetzt sitzt wahrscheinlich irgendein Terrorist, dem er den PC vertickt hat, irgendwo in Gaza oder in Ramallah und hat kein Ladekabel... Amateur.
Mein Chef, der Moschi, hat die Polizei geholt. Die hat dann fleißig Fingerabdrücke gesucht, und hat den riesigen Schuhabdruck auf unserem Sofa begutachtet. Aber ob sich da was tut...
Nunja, wie dem auch sei, ich hab keinen PC mehr, und jetzt hab ich auch nur Internet, weil ich gerade am Computer von einer Mitvolontärin sitze, die morgen wieder nach Deutschland zurückfliegt... Also, an alle die bisher in meiner ICQ-Liste waren: Der Thorschten existiert vorerst nicht mehr. Und wenn, dann antwortet der nur auf arabisch aus Ägypten oder sonstwo, wo man geklaute PCs zu kaufen bekommt. Ach ne, stimmt ja, der Dieb kommt ja gar nicht in mein Benutzerkonto rein. Mein Passwort hatte nämlich ein ü drin, da kommt der nie drauf. *haahaa*
Also, meine Freunde, schreibt mir fleißig Emails. Ich werde versuchen regelmäßig zu antworten. Was für ein Glück, dass ich Postadressen und auch die meisten Emailadressen auf Papier "gespeichert" habe. Komisch, dabei bin ich mir noch dumm vorgekommen, dass ich das alles von Hand aufgeschrieben habe...
Eine Freundin von mir hat gesagt sie betet für meinen PC. Ob ihr daheim das jetzt glaubt oder nicht, aber hier in Israel hat das schon manchem geholfen. Deshalb werde ich das wohl auch tun. Aber jetzt werde ich erst mal meine schicht beenden (nach meiner Pause). Den Gottesdienst verpasse ich heute wieder. Und was ich morgen mache weiß ich noch nicht.
Also, bis dann.

Donnerstag, 20. August 2009

Aschkelon

Heute waren wir in Aschkelon. Ein Badeausflug mit den Autisten. Aschkelon - das ist so in Richtung Gazastreifen, wo auch schon mal ein paar Qassam-Raketen eingeschlagen haben. Naja, egal. Grade ist da ja Ruhe. Jedenfalls war's cool. Nur das Wasser war (piss)warm, um mal Klartext zu reden. :D Abkühlen... Fehlanzeige.
Auf diese Weise habe ich heute wenigstens ein bisschen was vom Land gesehen. Auch an der berüchtigten Grenzmauer zum Westjordanland sind wir vorbeigefahren.
Morgen beginnt mein Mammut-Wochenende: Freitag arbeiten von 9 bis 21 Uhr (mit 2 Stunden Pause) und Samstag das gleiche.... aber wenn ich Glück hab, dann hab ich ja den Sonntag frei und kann in den Gottesdienst gehen, sollte ich das morgen nicht können.
Also dann, viele Grüße. Ich werd mich ja bald wieder melden.

Dienstag, 18. August 2009

Wieder Jerusalem

Nach zwei wirklich stressigen Arbeitstagen hab ich heute wieder mal freigehabt. Also bin ich um die Mittagszeit mit dem Bus in die Stadt gefahren. Ich wollte einfach mal ein paar Fotos machen von den Orten, wo ich mittlerweile schon so oft war, die ich aber meistens auf keinem Foto festgehalten hatte. Zuerst bin ich zum jüdischen Suq gegangen. Dort herrscht immer große Betriebsamkeit. Vor allem die Fischstände gefallen mir so; da liegen die Fische einfach so, schön geordnet und auf Haufen zwischen dem Eis, das man an diesen heißen Tagen braucht, um die Ware frischzuhalten.
In Mea Schearim war ich auch nochmal, wo die Orthodoxen leben. Als ich das erste Mal da war, habe ich mich nicht getraut Fotos zu machen. Man hört ja so einiges, was das angeht. Aber dieses Mal hab ich diese jüdische Welt festgehalten, die früher einmal in Osteuropa bestanden hat und heute nur noch in Brooklyn und Jerusalem zu finden ist. Aber irgendwie passt diese jüdische Schtetl-Atmosphäre nicht in den Orient. Die vielen Männer in ihren langen, schwarzen Mänteln und mit ihren Hüten… die müssen unheimlich schwitzen.
Am Rand von Mea Schearim habe ich dann einen Einblick in gelebte Politik bekommen, wie es sie nur in Israel gibt: Fünf Orthodoxe haben spontan einen riesigen Müllcontainer auf die Straße geschoben und angezündet. Das hat den Verkehr aufgehalten, für hitzige Debatten und Handgreifichkeiten gesorgt, und ich habe alles auf Foto- und Filmmaterial festgehalten. Das war ein Spaß…


Die Altstadt hat sich seit meinem letzten Besuch nicht verändert. Auch die Preise für Essen und Trinken sind noch immer gleich hoch. Fleisch kann man hier sowieso vergessen, da zahlt man sich dumm und dämlich.
Mein rechter großer Zeh schmerzt. Ansonsten gibt es nichts neues von mir…

Freitag, 14. August 2009

Freitag

Heute hab ich frei, und wieder ist eine Woche geschafft. Ich dachte ich melde mich hier mal wieder. Ich war vorhin noch in der Malcha Mall, dem größten Einkaufszentrum Isreals. Da ist vielleicht was los gewesen...
Jedenfalls, was war diese Woche alles? Also, am Mittwoch waren wir vor dem Hauskreis Fußball spielen, gestern hatte ich Früh- und Spätschicht, was bedeutet, dass man einmal die Woche Abends auch mal richtig fertig ist. Und Morgen, am Schabbat, gehen wir zu Bill, einem Mann aus der Gemeinde, der die neuen Volos zum Grillen eingeladen hat. Wir müssen nur noch schauen wie wir da hinkommen. Weil am Schabbat fahren ja keine jüdischen Busse. Da muss man dann von Gilo zur Hebron Road runterlaufen und ein arabisches Sherut-Taxi nehmen. Mal sehen, irgendwie kommen wir da schon hin.

Nächste Woche wird ziemlich hart, hat man mir gesagt. Der Arbeitsplan ist da. Bin mal gespannt. Jetzt gehen auch die Ferien für die Autisten los, da werden dann Ausflüge gemacht und so weiter.

Also, das war's für's erste. Heute Abend gehe ich wieder in einen Gottesdienst. Ich melde mich dann wieder, sobald was Interessantes passiert.

Samstag, 8. August 2009

Schabbat-Ausflug nach Jerusalem (und mehr)

Heute ist so allerhand passiert. Also, zuerst einmal waren wir in Jerusalem. Wir - das sind heute Sari, Lennart, Philipp und ich. Wir sind von Rami, einem arabischen Fahrer, vor das Damaskustor gefahren worden. Busse fahren nicht, weil ja Schabbat ist. Aber im arabischen Teil der Stadt ist ordentlich was los... Der Suq ist überfüllt mit Menschen. Wir waren an der Klagemauer und im Jüdischen Viertel. Sari ist dann weiter nach Ramallah. Dorthin dürfen wir Hagoshrimer ja nicht, aber sie ist von einer anderen Organisation.

Also machten sich Lennart, Philipp und ich auf in Richtung Ölberg. Wir wollten die Aussicht genießen. Ich natürlich ohne Sonnencreme, Strohhut und in einem schwarzen T-Shirt (PS: Ich habe überlebt...).

Es hat sich wirklich gelohnt; die Aussicht war diese klassische, die man überall sieht:

Auf dem Rückweg aßen wir bei einer arabischen Falafel- und Kebab-Bude, preiswert und lecker. Busse fuhren ja keine direkt nach Gilo, also nahmen wir so einen arabischen Bus. Der ließ uns dann aussteigen, ungefähr 3 Kilometer von Gilo entfernt... sind wir eben gelaufen. Und auf dem weg bemerkte ich, dass ich ein kleines bisschen zu viel Sonne abbekommen hatte... Sonnenbrand im Gesicht.

So, aber das Beste kommt noch. Im Ilan kam vor Tagen die Idee auf, den Jungs die Haare auf 9 Milimeter zu rasieren. Kurzum, Johannes, Philipp, Lennart und mir wurden unsere Häupter geschoren. Warum ich mitgemacht habe? Naja, erstens sehe ich mich jetzt selbst als Ehren-Ilaner an, und zweitens haben wir somit eine noch bessere Bindung zwischen den WGs in Gilo geschaffen. Und bei diesen Temperaturen sind solche Haare ganz gut.

Freitag, 7. August 2009

Schabbat Schalom

Heute Abend ist Schabbat-Anfang, wie jeden Freitagabend. Deswegen geh ich mit Kris in so eine messianische Gemeinde zum Gottesdienst. Mal sehen wie das wird. Wird bestimmt cool.

Heute habe ich einen freien Tag. Deshalb war ich heute vormittag in Jerusalem. Ich wollte mir eigentlich nur Postkarten besorgen und gleich schreiben und abschicken und eine Handykarte kaufen. So. Als ob das geklappt hätte. Die Postkarten waren schnell gekauft und geschrieben, nur hatte die Post ab 12.00 Uhr zu. Ich stand um 12.20 Uhr vor der geschlossenen Tür. Handykarte war auch schnell gekauft. Bei allen anderen, die ich kenne, hat das auf Anhieb funktioniert. Nur ich sitze im Bus und schalte mein Handy ein, und was lese ich? "Falsche Karte"... Am liebsten hätte ich laut geflucht, aber als Christ flucht man nicht... So ein Schmu, jetzt darf ich am Sonntag oder am Montag oder wenn ich mal nachmittags frei habe nochmal in die Stadt fahren.

Egal. Was solls. Das war eben wieder typisch Thorsten. Jedenfalls habe ich für Postkarten ja ein ganzes Jahr Zeit. Und heute Abend wird erstmal Schabbat gefeiert.

Oh, jetzt gibt's auch mal Bilder von meiner Arbeitsstelle und von dem Ort, wo ich wohne:


Und noch eins, mit der Aussicht, die ich jeden Tag genießen darf:


Donnerstag, 6. August 2009

Hauskreis

Gestern war Hauskreis. Das ist immer Mittwochs, in der Hagoshrim-Zentrale in der Hagay Street. Krissi und ich mussten kochen, d.h wir waren 2 Stunden vor den anderen da. Wir haben Tomatensalat und solche Nudeln in Reisform (Ptitim) gemacht. Als Nachtisch gab es Pudding.
Der Hauskreis hat immer ein bestimmtes Thema, dieses Mal war es Tischa beAv, ein jüdisches Fest, bei dem um den Verlust der Klagemauer getrauert wird. Dazu war eine Dozentin eingeladen. Aber vorher kam Dinah Lutati, die vom Wohlfahrtsministerium für uns zustänig ist. Sie hat uns begrüßt und uns für unseren Einsatz im Land gedankt. Ingrid (unsere Vertreterin von Hagoshrim) war froh, dass sie überhaupt gekommen ist, denn beim Einführungsseminar letzte Woche hatte sie uns versetzt...
Im Laufe des Abends wurde gebetet und gesungen. So gegen halb elf machten wir uns auf den Rückweg mit dem Bus nach Gilo.
Heute fange ich um 14.30 Uhr an zu arbeiten, bis 21.30 Uhr. Morgen und übermorgen habe ich frei, jedenfalls habe ich noch nichts Gegenteiliges gehört... Was ich an diesen beiden Tagen mache, schreibe ich euch dann in den nächsten Tagen.

Dienstag, 4. August 2009

Der erste Arbeitstag

Gestern war mein erster "Arbeitstag" (15.15-17.45 Uhr), d.h. ich bin rumgesessen bzw. gestanden und habe dem Akiva (einem Kollegen) zugeschaut, was man so alles macht an einem Montagnachmittag in der Spätschicht. Im Großen und Ganzen wartet man erst einmal zwei Stunden, bis die Autisten von der Arbeit kommen. Ein Autist, Michail, war krank und nicht in der Arbeit. Er saß im Wohnzimmer vor dem Fernseher. Meine erste Begegnung mit den Leuten da war also weniger spektakulär. Es wurden dann Schritt für Schritt mehr. Als nächstes kam Gila von der Arbeit. Und erst um 17 Uhr kamen dann die restlichen fünf. Ab dann wurde es ein bisschen unüberschaubar, und es ging drunter und drüber.
Der befürchtete Schock des ersten Arbeitstages blieb aus. Aber der erste Eindruck hinterließ schon ein sehr seltsames Bild... Ich denke es wird eine Weile dauern, bis ich mich an die Arbeit gewöhnt habe. Heute fängt meine Schicht auch erst um 15.15 Uhr an, dauert aber bis halb acht. Dienstags ist angeblich immer mehr Schwung drin, weil die Autisten da verschiedene activities machen (was auch immer das bedeutet; werd ich ja noch sehen...).
Morgen haben wir unseren Hauskreis, in der Hagoshrim-Zentrale in der Innenstadt von Jerusalem. Ich und Kris müssen kochen. Also gehen wir vorher noch was einkaufen. Mal schauen ob das alles glattläuft...

Sonntag, 2. August 2009

Gilo

Heute bin ich in Gilo angekommen, wo sich meine Stelle befindet. Morgen geht es dann endlich los mit der Arbeit. Mal sehen wie das wird. Der erste Tag soll angeblich immer ein Schock werden, weil alle auf einen einreden und man kein Wort versteht. Aber die anderen Mitarbeiter helfen einem dann.
Mein Zimmer ist klein und ich muss es mit jemandem teilen, aber das macht mir im Moment nicht so viel aus. Ich habe meine Sachen alle untergebracht. Ansonsten ist die WG ganz gemütlich. Heute abend feiert der Kris seinen 20. Geburtstag. Da kommen ein Haufen andere Volos, wird bestimmt lustig.
Ich sitze hier gerade im "Wohnzimmer" unserer WG. Da gibt es Internet, relativ unproblematisch, mit Kabel. Nebenher läuft ein bisschen Musik. Ich habe den ganzen Tag frei.
Achso, zu den letzten Tagen.... ich habe mich ja eine Weile nicht gemeldet. Wir waren am Schabbat (Freitagabend) in der Synagoge und am Samstagmorgen in der Baptist Church. Abends gab es dann eine Aussendeung, mit viel Beten und Singen. Jetzt sind wir auch alle mental vorbereitet und von Gott geleitet für unsere Arbeit.
Ich werde jetzt heute nicht viel mehr schreiben. Ich warte jetzt die ersten Arbeitstage ab. Ich hoffe dass meine Motivation dann immer noch die gleiche ist wie jetzt. Ich freue mich schon, dass ich jetzt bald was tun darf, damit mal ein bisschen Schwung in den Tagesablauf kommt.
Bis dann, ihr hört von mir.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Thorschten goes Israel

Ich beginne hier heute etwas verspätet mit meinem Blog; ich bin vorher einfach nicht dazu gekommen.
Ja, was gibt’s da viel zu sagen? Israel ist relativ heiß, keine Wolke am Himmel. Ich bin am letzten Sonntag um 0:30 Uhr in Tel Aviv angekommen. Beim Verlassen des Flughafengebäudes schlug mir da dann auch gleich eine nahezu tropische Warmluftfront entgegen. Es hatte um diese Zeit so um die 27° Celsius.
Mit dem Sherut-Taxi ging es dann nach Jerusalem, wo das Jaffa Gate Hostel steht. Die erste Orientierung gestaltet sich des Nachts in der Altstadt etwas schwierig, deshalb muss man besagtes Hostel auch erst suchen.
Wie dem auch sei, am nächsten Morgen wachte ich inmitten von Jerusalem auf. Das Panorama von der Terrasse meiner Unterkunft zeigte mir, dass ich mich jetzt offensichtlich im Orient befand. Hellbraune Dächer, einige Kirchtürme, die Minarette der Moscheen – ein einzigartiger Anblick.



Schon um 9.00 Uhr befand ich mich mit dem Taxi auf dem Weg zum Paulushaus, meiner zweiten und vorerst letzten Unterkunft. Der Taxifahrer hieß Youssef und knöpfte mir für eine Fahrt von ca. 2,5 Kilometern den stolzen Betrag von 80 Schekeln ab – man muss dazu sagen dass mich die nächtliche Fahrt von Tel Aviv nach Jerusalem genau 50 Schekel gekostet hat…
Nach dem Einchecken machte ich mich gleich auf den Weg in die Altstadt. Durchs Damaskustor direkt in den arabischen Suq. Ich hatte zwar meine Fotokamera dabei, aber ich machte kein einziges Foto. Ich musste die Umgebung erst einmal auf mich wirken lassen; ich musste praktisch eintauchen in diese neue Welt.
Am ersten Tag lief ich die komplette Altstadt hoch und runter, kreuz und quer. Vom Muslimischen Viertel bis zur Klagemauer, durch das Jüdische Viertel nach einer kurzen (und teuren) Rast durch den christlichen Teil der Stadt… Ich bin am ersten Tag schon fast überall vorbeigekommen.
Der nächste Tag fiel eigentlich genauso aus. Am Abend kamen dann auch endlich einige bekannte Gesichter (Philip und Marc) in mein Sechspersonen-Zimmer.
Den Dienstagvormittag verbrachte ich mit Philip in der Altstadt. Am Nachmittag ging es dann endlich los, nachdem die Formalitäten alle erledigt waren. Ein paar Volos kamen vorbei und stellten die verschiedenen Einrichtungen vor.
Ich fasse mich mal ein bisschen kurz; am nächsten Tag gab es eine (fünfstündige) Stadtführung mit einem gewissen David, einem sefardischen Juden aus den Niederlanden. Er hatte eine hohe Stimme, viel Temperament, und er hatte ein stabiles Tempo drauf. Jedenfalls wurden wir nun mit allen möglichen Daten, Zahlen und alten Mauerstücken konfrontiert, die aus der hasmonäischen, hellenischen, osmanischen, biblischen oder vorbiblischen Zeit stammten. Aber wir haben eine Menge über die Stadt erfahren.
Heute dann besuchten wir Yad Vashem, die zentrale Holocaustgedenkstätte. Das Museum deprimiert ein bisschen. Es erinnert an die schlimmste Periode in der Geschichte des jüdischen Volkes. Doch dieses Museum beeindruckt auch auf eine ganz andere Art und Weise: Der Weg aus dem Museum hinaus führt geradewegs auf eine Art Balkon zu, von dem man weit ins Gelobte Land hineinblicken kann. Dieser Ausblick setzt ein Zeichen; er symbolisiert, dass es auch nach all den schrecklichen Leiden immer eine Zukunft gibt. Der Blick nach vorne, der Blick auf Israel soll den Überlebenden und ihren Nachkommen Mut geben für die Zukunft.

Der Tag wurde abgerundet durch den Besuch von Ester Golan, einer Holocaustüberlebenden. Und es ist an der Zeit, ein erstes Fazit zu ziehen.
Meine ersten Tage als „Auslandsdeutscher“, wie jetzt jeder von uns vom Auswärtigen Amt bezeichnet wird, waren lehrreich und interessant. Es war ein wenig anstrengend, aber zusammen mit den vielen neuen Freunden, von denen wir ja aus Hannover schon die meisten kannten, ließ es sich wirklich aushalten.
Ich würde ja gerne noch mehr schreiben, aber ich bin müde… Dieser erste Blog fiel jetzt ein bisschen länger aus. Er fasst ja auch die letzten fünf Tage zusammen. Die nächsten Eintragungen in mein „virtuelles Reisetagebuch“ werden wahrscheinlich ein wenig kürzer ausfallen…

Zum Abschluss will gesagt sein, dass ich persönlich wirklich dankbar bin, dass ich hier sein darf und im Namen Gottes den Dienst an den Menschen verrichten darf. Ich hoffe, dass es für uns alle ein gutes Jahr wird.