Dienstag, 7. September 2010

Neuer Blog

So, etwas verspätet kommt jetzt die Adresse zu meinem neuen Blog:

www.thorschten.blogspot.com

Viel Spaß beim Lesen :)

Freitag, 6. August 2010

Letzer Eintrag

Hallo ihr Lieben, das hier ist mein letzter Eintrag in meinem Thorschten-goes-Israel-Blog.

Ich sitze hier gerade am Ben Gurion Airport und habe das erste Mal seit zwei Tagen wieder Internet. Das nutze ich, um meine letzten Angelegenheiten zu klären.

Die letzten Tage war nich so die Hochstimmung, ist ja auch verständlich. Aber jetzt bin ich auch froh, dass ich auf dem Weg nach Hause bin. In Gilo hab ich ja nichts mehr verloren. Die neuen Volos machen unsere Aufgaben ganz wunderbar. :)

In den nächsten Wochen stehen bei mir neben Eingewöhnung auch eine einwöchige Kroatienreise (mit Familie) und 2 Wochen Rumänien (alleine, mit dem Rucksack) auf dem Programm.

WICHTIG:

Ich will ja auch weiterhin für meine Leserschaft publizieren, d.h. ich werde mir demnächst einen neuen Blog einrichten, wo ihr dann alle meine nötigen oder unnötigen Kommentare findet, die sich sowohl mit der Lage im Nahen Osten als auch mit der Lage der deutschen Gesellschaft befassen. Den Link poste ich hier auf meinem alten Blog dann, wenn ich die Seite eingerichtet habe.

Ich habe nie nachgeforscht, wie viele Seitenaufrufe und Leser mein Blog hatte und woher die Leser kamen und so. Kann man heute ja alles machen. Ich habe es einfach immer irgendwie vergessen, deswegen bin ich über den Umfang meiner Leserschaft nicht wirklich informiert. Ich hoffe aber, dass es viele waren, die hier ab und zu reingeschaut haben.

Ich hoffe euch haben meine Beiträge angeregt.

Viele Grüße aus dem Niemandsland zwischen Israel und internationalem Luftraum,

euer Thorsten MuthBlocksatz

Sonntag, 1. August 2010

Endspurt (Vorletzter Teil)

Meine letzte Woche hat gerade begonnen. Ich sitze hier im Wohnzimmer und realisiere, dass ich am Freitag heimfliege. Und so langsam kommt auch ein wenig Heimkehr-Stimmung auf. Die neuen Volontäre sind heute gekommen. Ganz lustige Truppe. Echt coole Leute. Aber schon das Nudelkochen hat denen Schwierigkeiten bereitet. Da bin ich ja mal gespannt wie sich die Sache entwickelt, bis ich im Laufe des nächsten Jahres mal zu Besuch komme. :) Weil das mach ich auf jeden Fall. Für scheidende Volontäre gibt es meistens nur eine Sache die Mut macht: Ich komme ja mal auf Besuch zurück. Das mag sich für die Leute daheim hart anhören. Aber was soll man sagen? Man kommt in ein anderes Land, muss sich in so kurzer Zeit wie möglich eingewöhnen (integrieren), muss die Sprache irgendwie lernen. Und dann gewöhnt man sich an die Leute, and die Arbeit, und so weiter. Und dann soll man einfach so gehen? Taxi zum Flughafen, Übergepäck bezahlen, und dann einfach weg? Wow, das ist für uns nicht leicht, liebe Leute daheim...

Jedenfalls habe ich noch ein paar Tage bis Freitag, und die werde ich irgendwie nutzen. Ins Israel-Museum geh ich nochmal. Das hat erst wieder aufgemacht letztens, nach Renovierung. Hätte nicht gedacht dass die das pünktlich schaffen.

Hmm.

Aber ich denke ich melde mich vorher nochmal. Ein letzes Mal. Bevor ich heimfliege, wo mich ein guter saftiger Rinderbraten im Kreise meiner Familie erwartet.

Montag, 26. Juli 2010

Aschdod

Jedes Mal bevor eine neue Volo-Generation ihren Dienst in Israel antritt feiert die alte eine fette Party am Strand von Aschdod. Mit Lagerfeuer, ein bisschen Fleisch und reichlich Cola und Orangensaft saßen wir auch dieses Jahr in den Ruinen einer Kreuzfahrereburg aus dem 12. Jahrhundert, wie zuletzt im Oktober, wo ich allerdings gefehlt habe. Meine Eltern waren damals zu Besuch gewesen und deswegen hatte ich schon andere Pläne.
































Es wurde ein äußerst gemütlicher Abend. Wir haben irgendwie alle unsere letzten längeren Gespräche geführt. Viele machen sich schon demnächst aus dem Staub. Phil müsste genau zu diesem Zeritpunkt schon im Flugzeug sitzen. Und der Lennart fliegt morgen früh. Ja ja... Und die neuen sind heute angekommen und haben ihren ersten Tag am Strand verbracht. Aber okay, wie gesagt: Strandspaziergänge im Schein des Vollmonds, ein bisschen Philosophieren über diese oder jene Bibelstelle. Alter, wie werde ich das vermissen... Gutes Essen, weicher Sand, der den Schlafsack füllt.
Leider habe ich keine Bilder davon; mein Fotoapparat macht des Nachts wahrlich schreckliche Bilder. Deshalb hab ich mir das Ganze nochmal im Schein der Morgensonne angesehen. (Wie ihr oben schon sehen könnt, anhand von zwei Bildern.)

Als die anderen dann noch zum Strand nach Tel Aviv gefahren sind, habe ich mir gedacht, ich nutze meine Zeit anders. Wenn ich schonmal im Süden und somit in der Einflugschneise der Qassam-Raketen bin, wollte ich doch gleich mal in Richtung Gaza fahren. Natürlich nur, um aus weiter Ferne den Grenzzaun anzuschauen.
Hmm, dieses Mal war es wohl eher ein Reinfall. Ich habe die Ratschläge eines anderen Mitvolontärs befolgt und bin zuerst nach Aschkenlon gefahren, um dort (nach eineinhalb Stunden Warten) den Bus zum Kibbutz Erez zu nehmen. Von dort soll man angeblich an den Grenzübergang kommen. Da wollte ich das Tor nach Gaza fotografieren und wieder heimfahren.
Leider bin ich nicht mal so weit gekommen. Im Bus habe ich eine Einwohnerin eben dieses Kibbutzes getroffen, die mir dringend davon abgeraten hat, da hinzufahren. Da würden angeblich alle erst schießen, bevor sie nach dem Pass fragen - Juden wie Araber. Und da ich schonmal Grenzerfahrungen mit den Checkpointsoldaten gleich neben Jerusalem gemacht habe, habe ich irgendwie gewusst, von was sie redet. Jedenfalls hat sie mir zwanzig Minuten lang erklärt, was hier so abgeht. Ich solle lieber in Aschkelon an den Strand gehen. Oder direkt den Bus nach Jerusalem nehmen. Da sei es sowieso schöner. Die ältere Dame war in Tel Aviv geboren worden und lebte seit 25 Jahren im Kibbutz Erez. Früher seien sie sogar nach Gaza zum Einkaufen gefahren. Heute sieht die Lage aber ein bisschen anders aus. Irgendwie hat sie es dann geschafft, mich zu überreden, mit dem gleichen Bus nach Aschkelon zurückzufahren. Der Busfahrer ist dann auf einer etwas erhobenen Strecke sogar noch ein Stückchen langsamer gefahren, damit ich dann doch noch nach Gaza rüberfotografieren konnte. Das Bild ist allerdings bisschen unscharf und man sieht so gut wie nichts. Aber glaubt mir, ich habe wirklich nach Gaza rübergesehen. :)


Wie dem auch sei: Der Busfahrer hat mir die Rückfahrt nach Aschkelon spendiert. Und da ich in Aschdod schon reichlich im warmen und wellenreichen Wasser des Mittelmeeres gebadet hatte, nahm ich den Ratschlag der Frau aus dem Bus an und setzte mich direkt in den nächsten Bus nach Jerusalem. Nach hause.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Endspurt (Teil 1 von 10 ?? :D )

So langsam neigt sich meine Zeit in Israel dem Ende zu - und zwar ziemlich schnell... Ich hatte gestern meine letzte Spätschicht und heute morgen meine letzte Frühschicht. Jetzt wohne ich nur noch in unserer WG, ohne zu arbeiten. Und bis zu meinem Abflug habe ich noch gute 2 Wochen Urlaub, die aber schon ziemlich verplant sind.

Gestern war unsere Volo-Abschlussparty, von der Arbeit aus. Gemütlich bei Lagerfeuer und so. Da wird dann über vergangene Zeiten geredet und man bekommt auch ein kleines Geschenk. Aber diese Feier markiert dann auch so das Ende der Volo-Zeit. Und das hat mich nicht wirklich froh gestimmt...

Die nächsten Tage geh ich jetzt mal ganz entspannt an. Wochenende, am Sonntag feiern wir ein paar Geburtstage in Aschdod am Strand. Danach geh ich bisschen an den See Genezareth und fahr noch bisschen durch die Gegend. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Ah, ich habe übrigens versucht Teil 3 meiner West Bank and Jewish Settlement Tour zu absolvieren. Das habe ich dann auch gemacht, war aber nicht so spannend. Bin in eine jüdische Siedlung gefahren, in der es nichts gibt - außer Siedler: Beit El. Hier war das mit Jakob und der Himmelsleiter, die ihm im Traum erschienen ist. Aber heute gibt es da nichts außer Häusern und einigen Baracken. Es ist nur interessant, wie so eine jüdische Siedlung aufgebaut ist. Beit El liegt zu über 96 Prozent auf arabischem Land, ist also zu fast 100 Prozent illegal (nach internationalem Recht). Ein Wohngebiet mit Stacheldraht außenrum, und eine Militärbasis. Der größte Teil der Sieldung sieht aus wie ein normaler Ort, wie bei uns in Gilo. Dann gibt es aber wirklich Siedler, die am Minimum leben. Die wohnen dann in solchen Baracken, die einem Bauwagen ähneln.

Jetzt habe ich dann praktisch alle Arten von israelischen Siedlungen in der Westbank gesehen. Auf dem Rückweg von Beit El ist der Bus noch an einer Siedlung vorbeigefahren, die wirklich nur aus Bauwagen und Blechhütten bestand. Religiöse Juden, die das "jüdische Kernland" Samaria wieder besiedeln wollen. Politisch höchst umstritten, aber kein einfaches Leben.

Ich denke dann lasse ich meine West Bank Tour hier einmal ruhen und wende mich dem Strand in Tel Aviv zu, während der nächsten Wochen. Außerdem eröffnet das Israel Museum wieder (nach ewig langer Renovierung), und es gibt auch sonst noch einige Dinge, die ich unbedingt erledigen muss, bevor es wieder nach Deutschland geht.

Dienstag, 13. Juli 2010

West Bank and Jewish Settlement Tour Part 2: Herodion

Überraschenderweise habe ich einen Nachmittag freibekommen, weil ich nach meinem Hebron-Trip und dem Finalspiel mit einer außerplanmäßigen Nachtschicht überrascht worden bin. Danach ein stressiger Tag, aber seit heute Morgen hab ich dann frei. Was macht man an freien Tagen? Weiter an meinem Blog arbeiten... :D

Der Bus zum Herodion war nicht ganz so gepanzert, hat nur dicke Scheiben. Der Weg ist nicht ganz so weit wie bis nach Hebron. An Bethlehem vorbei, immer auf der israelischen Straße entlang. Und dann kommt es auch schon in Sichtweite: Ein Berg, der einem Vulkan ähnelt.
Der Busfahrer schmeißt mich an irgendeinem Hintereingang zum Nationalpark raus. Hier gehen alle rein, sagt er mir. Ich steh vor dem verschlossenen Tor eines Kibbuz oder einer Siedlung, kein Plan. Da steht eine Telefonnummer dran, soll man wohl anrufen. Hmm, naja, ich lauf außenrum.


Also bin ich erstmal durch halb Palästina gelaufen... Zum Vordereingang muss man erst an ein paar arabischen Häusern vorbei. Aha, deswegen benutzen die Israelis den Hintereingang. Man kann auch übertreiben.


Auf der Spitze des Berges stand mal ein Palast von Herodes dem Großen. Die Ruinen gibt es heute noch. Erst einmal ein paar Bilder.




War schon ganz interessant. Vor allem kommt hier mal wieder die ganze jüdische Geschichte zusammen, wie fast überall in Israel. Unter der Palastanlage finden sich Gänge und Zisternen, einiges aus der Zeit des ersten Jüdischen Krieges, manche Gänge sind vom Bar-Kochba-Aufstand. Oben gibt es ein paar römische Bäder. Von den Römern.

Ich verlasse das Gewirr von unterirdischen Gängen durch den Notausgang, nachdem eine Gruppe israelischer Soldaten über die Leistung der deutschen Nationalmannschaft bei der WM zu diskutieren beginnt.

Draußen angekommen laufe ich an der kleinen israelischen Militärbasis vorbei zur Straße runter. Bis jetzt habe ich ja gedacht dass es dumm war, meine West Bank Tour in Hebron zu beginnen, gleich mit dem Spannendsten. Aber dann stand ich an der Straße unten und habe mir überlegt, wie ich wieder heim komme...
Wer mit unseren Hagoschrim-Regeln vertraut ist, der weiß, dass dort Folgendes geschrieben steht: "Du sollst nicht trampen!" Wie dem auch sei, ich war ganze zweieinhalb Stunden später wieder zuhause...

Warum das so lange gedauert hat?? Naja, wie gesagt: Trampen is nich. Bus? Naja... irgendwie war da auch kein Bus. Die Taxis waren alle nur für Palästina zugelassen.
Kurz gesagt: Wer zu Fuß erst einmal die A-Zone umgehen muss ("Du sollst nicht in die A-Zone gehen!"), der braucht eben seine Zeit. Aber okay, das war jetzt weniger dramatisch als es sich vielleicht anhört. Ich bin nur ein bisschen gewandert. Der Highway ist israelisches Staatsgebiet. An den A-Zonen bin ich nur vorbeigelaufen (siehe Foto). Und da Israelis und Araber (wie auch Osteuropäer) auf einer mehrspurigen Straße generell nur links fahren, hatte ich die ganze rechte Spur für mich. *Das ist alles bisschen übertrieben, aber das versteht ihr schon oder? :D* Kopfbedeckung gegen die Sonne, Wasser gegen den Durst - ich hatte alles dabei (siehe hierzu H.-Regeln Nummer 5a und 5b). Nur die Autofahrer haben bisschen komisch geschaut. Vor allem weil mich von den israelischen Siedlern wohl jeder zweite nach Jerusalem mitgenommen hätte.

Diese Wanderung war cool, aber heiß. Und der Hammer kommt ja noch. Ihr wisst ja, die Pointe immer zum Schluss...
Ich war schon froh, als der Checkpoint zur israelischen Seite am Horizont auftauchte, aber als ich mich näherte, gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf. Natürlich war das nur ein Checkpoint für Autos.
Jedenfalls, als ich mich auf 30 Meter angenähert hatte, forderte mich der Soldat auf Hebräisch auf, ganz langsam meinen Rucksack zu öffnen. :D Zum Schluss durfte ich noch mein T-Shirt heben und zeigen, dass ich keinen Sprengstoff drunter trage... Wow, das hört sich aber extrem übel an, wenn man das so liest... Im Nachhinein muss ich mich darüber schieflachen...
Am Ende wollte er noch meinen Pass sehen. Dann hat er den nächsten Bus angehalten (eine arabische Schulklasse von irgendeinen Palestine National Comittee of ... ) und die mussten mich bis zur nächsten Bushaltestelle mitnehmen. Einer der Soldaten hat mich noch gefragt ob ich keine Angst vor den Arabern gehabt hätte. Für "Araber" hat er ein Schimpfwort benutzt, das sich auf Hebräisch zwar lustig anhört, wegen dem aber schonmal ein Polizist zwangsversetzt wurde, wie ich gerade bei Google recherchiert habe.

Wie dem auch sei: Der Junge, neben dem ich im Bus saß, muss jetzt denken dass alle Deutschen fürchterlich nach Schweiß stinken. Und ich muss darüber nachdenken, ob ich mich nach meinem Jahr in Israel zur Ruhe setze und mir eine Frau suche (:D) - oder ob ich noch ein bisschen weitermache. Gerade beginnt das alles Spaß zu machen. Okay, Soldaten zu verwirren ist jetzt nicht ein wirklich sinnvoller Sport, aber als Ganzes betrachtet hat dieser zweite Nachmittag meiner West Bank Tour doch gewisse Reize gehabt. Ich plane für die Zeit nach Israel auch eine zweiwöchige Rumänienreise. Da brauch ich dann einen eigenen Blog...

So, in den nächsten Tagen melde ich mich vielleicht nochmal und mache ein paar abschließende Kommentare zu Fußball und Politik in Deutschland, von Israel aus betrachtet. Aber das hat Zeit. Jetzt erstmal Spaghetti kochen (wie jeden zweiten Tag) und den Tag ausklingen lassen... :)

Sonntag, 11. Juli 2010

West Bank and Jewish Settlement Tour Part 1: Hebron

Mein neuestes Projekt für die nächsten (mir noch verbleibenden) Wochen: Das Westjordanland und die jüdischen Siedlungen abklappern und dabei soviele Eindrücke sowohl von israelischer als auch von arabischer Seite mitzunehmen.
Noch etwas zu Beginn: Ich hatte letztens mein Abschlussgespräch und habe erfahren, dass ich aufgrund vertraglicher Regelungen auch nach Ablauf meiner Hagoschrim-Zeit nicht in die A-Zone (also alles was unter palästinensischer Verwaltung ist: Ramallah, Betlehem, Nablus, HEBRON) reisen darf. Was mich jedoch wieder ermuntert hat: Ich wurde daran erinnert, dass man als Volontär ja trotzdem alles bereisen darf, was nicht A-Zone ist. Dazu gehören jüdische Siedlungen und arabische Dörfer in der C- und B-Zone. Na wunderbar, dachte ich mir, und habe gleich mal ein paar Pläne geschmiedet.
Heute: Station Nummer 1 - Die jüdische Siedlung von Hebron, alles unter israelischer Verwaltung und nicht A-Zone.

Das war natürlich wieder einmal einfacher gedacht als es dann auch war. Der (gepanzerte) Bus fährt normalerweise bei uns in Gilo unten am Berg ab in Richtung Hebron/Kirjat Arba. Da steh ich auch pünktlich um 9:43 Uhr und habe auf die 160 gewartet. Der erste Bus hat Verspätung und durch irgendeinen dummen Zufall fährt der mir direkt vor der Nase dann doch weg. Der nächste Bus kommt, fährt aber heute nicht nach Hebron. Gut, denke ich mir, jetzt reichts. Ich bin lange genug in der Sonne gestanden. Geh ich zur Central Bus Station und fahre direkt von da. Und - wen wundert's - auch der Bus von da fährt nicht nach Hebron. Nach insgesamt zwei Stunden hin und her kommt dann doch tatsächlich eine 160 die auch wirklich nach Hebron fährt. Keine zwei Euro kostet die Fahrt (umgerechnet). Also los.

Der Bus hat Panzerglasscheiben, durch die man so gut wie nicht hinaussieht. Auch ist er mindestens eine Tonne schwerer als normal, deswegen schleppt er sich mühsam den Berg in Gilo hoch, um ihn auf der anderen Seite wieder hinunterzufahren. Hinter der Grenze zum Westjordanland klappert der Bus verschiedene kleinere Siedlungen ab. Irgendwann schlafe ich ein, weil ich zu spät ins Bett gegangen bin. Und als ich aufwache, kommen wir gerade in Hebron an.

Über den jüdischen Teil von Hebron findet man nur wenig im Internet und in den Reiseführern. Deswegen bin ich froh, dass mir ein Amerikaner aus Jersey den Weg in die Moschee zeigt, die die Gräber von Abraham und den anderen Stammvätern und -müttern des Volkes Israel beherbergt. Das uralte Gebäude ist aufgeteilt zwischen Muslimen und Juden. Durch die Gitter am Grab Abrahams vorbei kann man auf der anderen Seite Frauen mit Kopftuch und Männer mit Digicams sehen, die von der muslimischen Seite her das Grabmal beschauen.

Draußen kaufe ich mir eine Broschüre mit Stadtplan und lauf einfach mal drauf los. Aber so richtig schön ist das nicht. Die Straßen sind leer, es ist nichts los. Ungefähr 800 jüdische Siedler leben in diesem Teil der Stadt. Hebron ist unterteilt in H1 und H2. In H1 leben 120.000 Araber, in H2 nur 30.000 plus jüdische Siedler. Eine Straße mit arabischen Geschäften ist komplett leer, die Läden sind geschlossen. Ein Mann, der mir eine sehr günstige Führung anbieten will, erklärt mir, dass die Leute hier nicht mehr aufmachen dürfen, weil die Juden auf ihren Dächern sitzen. Die Führung nehme ich nicht an (weil das nicht meinem Charakter entspricht), doch was er über die Geschäfte gesagt hat, macht mich zuerst einmal ein bisschen nachdenklich. Aber dann denke ich mal drüber nach. Denn ich weiß, dass sich die Siedler nur in einem kleinen Teil der H2-Zone aufhalten dürfen. Und das sind genau 3 (drei) Prozent der ganzen Stadt (!). Wenn man das mal bedenkt, dann wird das Gewicht von den paar Läden genommen.


Aber ich wollte das Ganze mal relativ unparteiisch angehen dieses Mal. Deswegen bin ich nur drauflos gelaufen - so wie ich das immer mache - und habe geschaut. Zwei jüdische Mädels mit Kinderwagen kommen mir entgegen, einige Soldaten. Aber sonst ist nix los. Nur in den Seitengassen viel Betonmauern und Stacheldraht. Einige wichtige Gebäude (Beit Hadassah, Beit Romano) beinhalten Thoraschulen und Kindergärten, Wohnungen und rituelle Bäder. Die Siedler sind allesamt sehr religiös. Aber dieser jüdische Teil von Hebron erweckt einen sehr trostlosen Eindruck. Viele kaputte Häuser. Die Gegend ist zum Wohnen und Leben nicht sehr freundlich. Ein kleines Wohngebiet liegt immer noch zerstört da, seit 2007. Eine alte Tankstelle. Fenster und Türen in den Häusern sind mit Gittern extra geschützt, gegen Steine und andere eventuelle Wurfgeschossen.

Zur Geschichte des jüdischen Teils von Hebron: Juden haben hier schon ewig gelebt, weil Hebron als die Stadt der Patriarchen gilt (Abraham, Isaak, Jakob). Im Jahre 1929 gab es ein großes Massaker, bei dem die Araber 67 Juden massakriert haben. Dann gab es die verschiedenen Kriege, immer wieder Ausschreitungen. Frieden gab es bekanntlich nie. Die israelische Armee ist seither hier stationiert um die Siedler, die hier auch nicht wegwollen, vor arabischen Übergriffen zu schützen. Allerdings hat im Jahre 1994 auch ein jüdischer Arzt hier ein Blutbad angerichtet und 29 betende Muslime von hinten erschossen, eher er mit einem Feuerlöscher erschlagen wurde.
In Hebron gab es also seit jeher Streit um die heiligen Stätten, um die Stadt an sich und um jede einzelne Straße. Der jüdische Teil ist heute aber wie gesagt enorm klein im Vergleich zur restlichen Stadt.

Ich drehe so meine Runde und lasse ein paar Eindrücke auf mich wirken. Aber das jüdische Hebron ist sehr klein. Ein Soldat kontrolliert meinen Pass, ein anderer bricht sich beim Bergrunterlaufen fast das Genick. Ansonsten nicht viel los hier. Die Stimmung ist sehr komisch. Ruhig, fast idyllisch. Hat aber auch was von "Ruhe vor dem Sturm", wenn man es sich so einbilden will. Auch die Soldaten, die vor der Moschee/Synagoge stehen sind anders als die Soldaten die man aus Jerusalem kennt. Kleine arabische Jungen werden weggeschickt und vertrieben, weil sie in der Gegend rumscharwenzeln. Die Soldaten sind gereizt. Aber wen wundert es. Ein arabischer Junge schießt mit einer Spielzeugpistole (die wirklich Faschingsmunition geladen hat) auf den Soldaten. Es knallt ein paar Mal. Ganz seelenruhig macht er das. Er provoziert. Weil er genau weiß, dass der Soldat, der in 5 Metern Entfernung steht, ihm nichts tun darf. Dem bleibt nichts anderes übrig, als den Jungen und seine Freunde auf Hebräisch und Arabisch zu verfluchen... Das alles beobachte ich von meiner Bushaltestelle aus, als ich gerade auf den Bus zurück nach Jerusalem warte.


Alles in allem: Jetzt habe ich einmal ein kleines bisschen einen Eindruck bekommen von einer jüdischen Siedlung inmitten von arabischer Umgebung. Die jüdischen Siedler von Hebron sind speziell. Nationalreligiös, nicht orthodox, von Soldaten bewacht, versuchen sie ihr religiöses Leben zu leben. In anderen Sieldungen geht es um Wohnraum an sich, hier geht es um die Gräber der Patriarchen. Die Menschen in Hebron leben komplett abgekapselt und sind von ihren arabischen Nachbarn verhasst. Das ist aber nicht grundsätzlich in allen Siedlungen so. Die Menschen von Maale Adummim (eine Siedlung bei Jerusalem) haben ganz gute Beziehungen zu ihren arabischen Nachbarn, wie man so hört. In Hebron geht es aber um heilige Stätten. Und das ist immer ein sehr großer Streitpunkt im Nahostkonflikt. Im Endeffekt läuft dann immer alles auf die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem hinaus...