Montag, 26. Juli 2010

Aschdod

Jedes Mal bevor eine neue Volo-Generation ihren Dienst in Israel antritt feiert die alte eine fette Party am Strand von Aschdod. Mit Lagerfeuer, ein bisschen Fleisch und reichlich Cola und Orangensaft saßen wir auch dieses Jahr in den Ruinen einer Kreuzfahrereburg aus dem 12. Jahrhundert, wie zuletzt im Oktober, wo ich allerdings gefehlt habe. Meine Eltern waren damals zu Besuch gewesen und deswegen hatte ich schon andere Pläne.
































Es wurde ein äußerst gemütlicher Abend. Wir haben irgendwie alle unsere letzten längeren Gespräche geführt. Viele machen sich schon demnächst aus dem Staub. Phil müsste genau zu diesem Zeritpunkt schon im Flugzeug sitzen. Und der Lennart fliegt morgen früh. Ja ja... Und die neuen sind heute angekommen und haben ihren ersten Tag am Strand verbracht. Aber okay, wie gesagt: Strandspaziergänge im Schein des Vollmonds, ein bisschen Philosophieren über diese oder jene Bibelstelle. Alter, wie werde ich das vermissen... Gutes Essen, weicher Sand, der den Schlafsack füllt.
Leider habe ich keine Bilder davon; mein Fotoapparat macht des Nachts wahrlich schreckliche Bilder. Deshalb hab ich mir das Ganze nochmal im Schein der Morgensonne angesehen. (Wie ihr oben schon sehen könnt, anhand von zwei Bildern.)

Als die anderen dann noch zum Strand nach Tel Aviv gefahren sind, habe ich mir gedacht, ich nutze meine Zeit anders. Wenn ich schonmal im Süden und somit in der Einflugschneise der Qassam-Raketen bin, wollte ich doch gleich mal in Richtung Gaza fahren. Natürlich nur, um aus weiter Ferne den Grenzzaun anzuschauen.
Hmm, dieses Mal war es wohl eher ein Reinfall. Ich habe die Ratschläge eines anderen Mitvolontärs befolgt und bin zuerst nach Aschkenlon gefahren, um dort (nach eineinhalb Stunden Warten) den Bus zum Kibbutz Erez zu nehmen. Von dort soll man angeblich an den Grenzübergang kommen. Da wollte ich das Tor nach Gaza fotografieren und wieder heimfahren.
Leider bin ich nicht mal so weit gekommen. Im Bus habe ich eine Einwohnerin eben dieses Kibbutzes getroffen, die mir dringend davon abgeraten hat, da hinzufahren. Da würden angeblich alle erst schießen, bevor sie nach dem Pass fragen - Juden wie Araber. Und da ich schonmal Grenzerfahrungen mit den Checkpointsoldaten gleich neben Jerusalem gemacht habe, habe ich irgendwie gewusst, von was sie redet. Jedenfalls hat sie mir zwanzig Minuten lang erklärt, was hier so abgeht. Ich solle lieber in Aschkelon an den Strand gehen. Oder direkt den Bus nach Jerusalem nehmen. Da sei es sowieso schöner. Die ältere Dame war in Tel Aviv geboren worden und lebte seit 25 Jahren im Kibbutz Erez. Früher seien sie sogar nach Gaza zum Einkaufen gefahren. Heute sieht die Lage aber ein bisschen anders aus. Irgendwie hat sie es dann geschafft, mich zu überreden, mit dem gleichen Bus nach Aschkelon zurückzufahren. Der Busfahrer ist dann auf einer etwas erhobenen Strecke sogar noch ein Stückchen langsamer gefahren, damit ich dann doch noch nach Gaza rüberfotografieren konnte. Das Bild ist allerdings bisschen unscharf und man sieht so gut wie nichts. Aber glaubt mir, ich habe wirklich nach Gaza rübergesehen. :)


Wie dem auch sei: Der Busfahrer hat mir die Rückfahrt nach Aschkelon spendiert. Und da ich in Aschdod schon reichlich im warmen und wellenreichen Wasser des Mittelmeeres gebadet hatte, nahm ich den Ratschlag der Frau aus dem Bus an und setzte mich direkt in den nächsten Bus nach Jerusalem. Nach hause.

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