So, da bin ich wieder... Bin grade vom Seminar heimgekommen und mache gleich mal meinen Blogeintrag. Jetzt hab ich noch einen ganzen freien Nachmittag, dann schauen wir in der Hagoschrim-Kommandozentrale (Ingrids Wohnung) einen Film.
Unser Wochenendseminar war dieses Mal in Jerusalem, also hatten wir praktisch Heimvorteil. Das ÖH (Österreichisches Hospiz) liegt in der Altstadt, direkt an der Via Dolorosa und nicht weit weg von der Klagemauer. Eine kleine, österreichische Insel inmitten des Orients. Die Architektur verweist auf unsere auch fast deutschen Nachbarn, und in der Kapelle des ÖH findet sich sogar ein Abbild vom Kaiser. Hier hatte ich also mein drittes Seminar. Unsere Themen: Die orthodoxen Ostkirchen, die christliche Urgemeinde und der Tempelberg. Drei einzelne Themen, die aber auch teilweise zusammenhängen.
Jedenfalls, es war ein Seminar mit einem äußerst straffes Programm. Am ersten Tag kam gleich ein Armenier, der uns auf Englisch mal alle Hintergründe der armenischen Kirche und der Armenier in Jerusalem erklärt hat. Er hatte seinen kleinen Sohn dabei, der kein Wort von dem verstand, was sein Vater da erzählte, aber bemerkenswerterweise die ganze Zeit schweigend und völlig ruhig danebensaß... Das hätte ich früher nicht gekonnt. Wie dem auch sei, es war hochinteressant. Interessant wurde es auch abends nochmal, als Olga uns die biblische Geschichte des Tempelbergs näherbrachte und Ingrid uns mit den Anfängen der Kirche vertraut machte. Den weiteren Abend verbrachten wir aufgrund der frühen Nachtruhe ab 22 Uhr auswärts, das heißt in einer mehr oder weniger gemütlichen Bar in der Stadt.
Unser zweiter Gast erwartete uns am nächsten Morgen. Es war der Benediktinermönch Bruder Nikodemus, ein noch recht junger Klosterbruder der katholischen Kirche, der uns alles über die Ostkirchen erzählen konnte. Ich fand das Thema ja interessant. Aber normalerweise ist das schon ein ätzend langweiliger Stoff. Bruder Nikodemus hat das aber doch einigermaßen gut rübergebracht, sodass die meisten von uns wirklich folgen konnten. Jedenfalls haben wir Einblicke aus erster Hand bekommen, die man in Deutschland nur schwer findet.
Nach dem ersten Programmpunkt erwartete uns eine Nonne namens Justina in der St. Mark's Church, wo das Haus des Apostels Markus stand. Das ist eine syrisch-orthodoxe Kirche. Die Frau sang uns was auf Aramäisch vor und erzählt von den zahlreichen Wundern, die vor der Ikone geschehen waren, die der Apostel Lukas gemalt haben soll.
Nach dem Besuch in der Kirche gingen wir Pizza essen. Der Pizzeriabesitzer hatte uns irgendwie ver*rscht, sodass wir mehr bezahlten und nicht so wirklich zufrieden waren. Aber wir hatten eine gute Gemeinschaft; es hat sich also trotzdem gelohnt.
Um unsere Kenntnisse über die syrisch-orthodoxe Kirche zu vertiefen war ein Bruder Musche (Mose/Mosche/Moses) eingeladen. Er konnte sogar Deutsch und erklärte uns ein bisschen was. Für die meisten war das aber schon die Grenze der Aufnahmefähigkeit, aber ich habe gemerkt, dass man nicht einschläft, wenn man fleißig mitschreibt. Ich habe im ganzen Seminar... moment, mal zählen... an die 23 Seiten mitgeschrieben. In einer Schrift, die außer mir keiner lesen kann und reichlich unstrukturiert, aber ich bin nicht eingeschlafen.
Samstagabend war Gottesdienst, ich durfte den Predigttext vorlesen, gepredigt hat der Eric. In der St. Anna-Kirche, wo die Maria geboren ist, haben uns jene Volos, die des Chorgesangs kundig sind und darin auch die nötige Routine haben, mit Gesang beglückt und sich der einzigartigen Akustik bedient, um einen Chor von 6 Leuten wie eine wahre Heerschar an Sängern klingen zu lassen. (Ey Mann, jetzt reicht's mit den komischen Sätzen...)
Heute haben wir noch das Tempelinstitut besucht, wo die jüdische Welt auf die Erbauung des dritten und letzten Tempels vorbereitet wird, was dann eintrifft, wenn der Messias kommt bzw. zurückkehrt. Auch hier gab's einige interessante Sachen zu lernen.
Und dann war unser Seminar vorbei. Die Menge hat sich aufgelöst. Für Marwin, Thomy und Angela war es das letzte Seminar. Die machen sich dann nach Deutschland aus dem (Wüsten)Staub, auf in eine Welt, die gerade im Schnee versinkt (wie ich bei iGoogle lesen konnte), während wir hier gerade so an die 27°C haben - und das ist kein Scherz.
Bis dann mal wieder,
Euer Thorsten