Montag, 25. Januar 2010

Schabbat-Essen - wieder ein kleinerer Eintrag... :/

Schalom alle zusammen, ich dachte ich melde mich kurz. Am Wochenende war ich nämlich zum ersten Mal bei einem Schabbat-Essen. Wir waren sechs Leute und waren bei einem Ehepaar in Amminadav, so einem kleinen Ort bei Jerusalem, eingeladen. Die freuen sich über Besuch und haben guten Kontakt zu Hagoschrim. Jedenfalls, wir waren in der Synagoge, was auch eine recht interessante Erfahrung war, weil ich bis jetzt nur in unterschiedlichen Synagogen war und die Gottesdienste überall etwas anders waren. Natürlich ist das kein Vergleich zu christlichen Gottesdiensten, weil die jüdische Liturgie ist überall dieselbe. Aber in Amminadav war die Aussprache eben anders, weil der Ort samt Synagoge vor 50 Jahren von jemenitischen Juden gegründet worden ist.

Wie dem auch sei, der Gottesdienst war interessant, das Essen danach war lecker und reichhaltig. Wir haben das erste Mal einen Schabbat-Beginn richtig erlebt, wie ihn Juden erleben. Wenn man aus dem haus zur Synagoge geht, muss man darauf achten, dass die Lichter angemacht werden, die man im laufe des Abends benötigt. Weil wenn die Sonne untergegangen ist, dann ist Schabbat – und dunkel. Und dann ist es nämlich nicht mehr erlaubt, Lichtschalter zu betätigen. Und lauter solche Scherze.

Morgen habe ich frei (also, komplett frei) und weiß nicht was ich tun soll. Es regnet seit zwei Tagen und ist eiskalt und windig. Aber wir sind ja aus Deutschland so einiges gewöhnt, deswegen gehen wir bei so ein bisschen Winter nicht in die Knie.

Jetzt kommen auch drei neue Hagoschrimer nach Israel. Das wird ein kleines Einführungsseminar, weshalb wir auch alle kommen sollen, um für Stimmung zu sorgen. Auf dem Programm steht ein Besuch im Herzl-Museum und in Yad Vashem und so. Da fehle ich natürlich nicht.

Ok, das war’s für heute. Ich wünsche Euch noch eine schöne Woche. Euer Thorsten

Dienstag, 19. Januar 2010

Ein paar Tage Urlaub

Letzte Woche war mein Vater kurz da und hat mich mal für drei, vier Tage spontan besucht. Hat mir einen Haufen Unterhosen und Socken mitgebracht, weil ich da bei unseren Waschmaschinen den größten Verschleiß habe. Ich seh immer wieder welche von unseren Autisten mit meinen Sachen rumlaufen...
Wie dem auch sei, mein Papa war da und ich hab mir ein paar Tage frei genommen. Wir haben hauptsächlich Tee und Kaffee und Cola getrunken und sind ein bisschen durch die Altstadt gelaufen. Meine Eltern waren ja im Oktober schon mal hier, also kannte mein Vater das Meiste schon. Also sind wir auf den Ölberg geklettert und haben auch den Turm der Erlöserkirche erklommen. Fotos seht ihr hier:















(Hui, das mit dem Hochladen dauert länger als ich erwartet hatte... naja, egal.)

Wo war ich? Achja, ehm, besser gesagt: Wo waren wir sonst noch so. Wie man sehen kann, ist die Grabeskirche auch nicht so weit von der Erlöserkirche. Da waren wir auch noch. Und überhaupt haben wir so ziemlich alle Kirchen abgeklappert. Das Äthiopischer Kloster hatte meistens zu, aber am letzten Tag hat es dann doch noch gepasst. Bruder Jimmy aus Nordäthiopien hat uns auf's Dach geführt und uns die Aussicht genießen lassen. Er hat immer den Schlüssel zur Kirche des Klosters, nur am Schabbat nicht. Wir haben die Kirche also nicht von innen gesehen. War aber trotzdem cool.
Mit dem Seminar waren wir ja in der Markuskirche, die von den Assyrern. Da waren wir jetzt auch. Zufällig war grade Gottesdienst. Viel Vorgelese, wenig Beteiligung vonseiten der Besucher, der Priester wirft sich ein paar Mal zu Boden, usw. Es war interessant anzuschauen, aber für den westlichen Christen ein bisschen fremd.

Essen kann man in Jerusalem ja wirklich gut. Vor allem, wenn man nicht selber zu zahlen braucht. Neben verspäteten Weihnachtsgeschenken hat mein Vater nämlich auch einen guten Hunger mitgebracht. Deswegen haben wir Abend für Abend die gastronomischen Magenfüllinstitutionen ausprobiert - vom Armenier über die Araber bis hin zu anderen Arabern, bis wir schließlich eines Abends in einem marokkanischen Restaurant gelandet sind. Um es kurz zu machen: Es war seeehr teuer. Es war zwar auch gut, aber 30% zu teuer (nach Kalkulation von meinem Papa). Nur das Ambiente war wirklich einladend. Man hat sich gleich wie in Marokko gefühlt.

Ein Besuch in meiner WG war auch auf dem Programm. Jetzt hat mein Vater auch mal die Wiebke und die Sara kennengelernt. Wir haben Sara's ganze 2 Stunden Wochenendschicht-Pause gefüllt. Der Eric war leider außer Haus, aber ich denke mein Vater kommt ja bstimmt wieder, um sich den Rest meiner WG anzuschauen... :D
Ne, im Ernst, der Ben (unser Israeli) hat vorhin gesagt (also, auf Englisch): "Oh, vielleicht hat dein Vater ja ein paar Socken hier vergessen und kommt nächste Woche für zwei Tage wieder her."

Ok, das war so ein kurzes Essay über ein schönes (aber für meine Füße nicht besonders erholsames) Wochenende. Wir sind viel gelaufen und haben viel gesehen, aber wir haben ja auch viel gegessen und gesessen. Eigentlich war das Sport. Cool. Jetzt brauch ich ja auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich demnächst die Schweinswurst esse, die ich aus Deutschland bekommen habe. :)

Bis dann.

Sonntag, 10. Januar 2010

Seminar im ÖH

So, da bin ich wieder... Bin grade vom Seminar heimgekommen und mache gleich mal meinen Blogeintrag. Jetzt hab ich noch einen ganzen freien Nachmittag, dann schauen wir in der Hagoschrim-Kommandozentrale (Ingrids Wohnung) einen Film.

Unser Wochenendseminar war dieses Mal in Jerusalem, also hatten wir praktisch Heimvorteil. Das ÖH (Österreichisches Hospiz) liegt in der Altstadt, direkt an der Via Dolorosa und nicht weit weg von der Klagemauer. Eine kleine, österreichische Insel inmitten des Orients. Die Architektur verweist auf unsere auch fast deutschen Nachbarn, und in der Kapelle des ÖH findet sich sogar ein Abbild vom Kaiser. Hier hatte ich also mein drittes Seminar. Unsere Themen: Die orthodoxen Ostkirchen, die christliche Urgemeinde und der Tempelberg. Drei einzelne Themen, die aber auch teilweise zusammenhängen.
Jedenfalls, es war ein Seminar mit einem äußerst straffes Programm. Am ersten Tag kam gleich ein Armenier, der uns auf Englisch mal alle Hintergründe der armenischen Kirche und der Armenier in Jerusalem erklärt hat. Er hatte seinen kleinen Sohn dabei, der kein Wort von dem verstand, was sein Vater da erzählte, aber bemerkenswerterweise die ganze Zeit schweigend und völlig ruhig danebensaß... Das hätte ich früher nicht gekonnt. Wie dem auch sei, es war hochinteressant. Interessant wurde es auch abends nochmal, als Olga uns die biblische Geschichte des Tempelbergs näherbrachte und Ingrid uns mit den Anfängen der Kirche vertraut machte. Den weiteren Abend verbrachten wir aufgrund der frühen Nachtruhe ab 22 Uhr auswärts, das heißt in einer mehr oder weniger gemütlichen Bar in der Stadt.

Unser zweiter Gast erwartete uns am nächsten Morgen. Es war der Benediktinermönch Bruder Nikodemus, ein noch recht junger Klosterbruder der katholischen Kirche, der uns alles über die Ostkirchen erzählen konnte. Ich fand das Thema ja interessant. Aber normalerweise ist das schon ein ätzend langweiliger Stoff. Bruder Nikodemus hat das aber doch einigermaßen gut rübergebracht, sodass die meisten von uns wirklich folgen konnten. Jedenfalls haben wir Einblicke aus erster Hand bekommen, die man in Deutschland nur schwer findet.
Nach dem ersten Programmpunkt erwartete uns eine Nonne namens Justina in der St. Mark's Church, wo das Haus des Apostels Markus stand. Das ist eine syrisch-orthodoxe Kirche. Die Frau sang uns was auf Aramäisch vor und erzählt von den zahlreichen Wundern, die vor der Ikone geschehen waren, die der Apostel Lukas gemalt haben soll.
Nach dem Besuch in der Kirche gingen wir Pizza essen. Der Pizzeriabesitzer hatte uns irgendwie ver*rscht, sodass wir mehr bezahlten und nicht so wirklich zufrieden waren. Aber wir hatten eine gute Gemeinschaft; es hat sich also trotzdem gelohnt.
Um unsere Kenntnisse über die syrisch-orthodoxe Kirche zu vertiefen war ein Bruder Musche (Mose/Mosche/Moses) eingeladen. Er konnte sogar Deutsch und erklärte uns ein bisschen was. Für die meisten war das aber schon die Grenze der Aufnahmefähigkeit, aber ich habe gemerkt, dass man nicht einschläft, wenn man fleißig mitschreibt. Ich habe im ganzen Seminar... moment, mal zählen... an die 23 Seiten mitgeschrieben. In einer Schrift, die außer mir keiner lesen kann und reichlich unstrukturiert, aber ich bin nicht eingeschlafen.
Samstagabend war Gottesdienst, ich durfte den Predigttext vorlesen, gepredigt hat der Eric. In der St. Anna-Kirche, wo die Maria geboren ist, haben uns jene Volos, die des Chorgesangs kundig sind und darin auch die nötige Routine haben, mit Gesang beglückt und sich der einzigartigen Akustik bedient, um einen Chor von 6 Leuten wie eine wahre Heerschar an Sängern klingen zu lassen. (Ey Mann, jetzt reicht's mit den komischen Sätzen...)

Heute haben wir noch das Tempelinstitut besucht, wo die jüdische Welt auf die Erbauung des dritten und letzten Tempels vorbereitet wird, was dann eintrifft, wenn der Messias kommt bzw. zurückkehrt. Auch hier gab's einige interessante Sachen zu lernen.
Und dann war unser Seminar vorbei. Die Menge hat sich aufgelöst. Für Marwin, Thomy und Angela war es das letzte Seminar. Die machen sich dann nach Deutschland aus dem (Wüsten)Staub, auf in eine Welt, die gerade im Schnee versinkt (wie ich bei iGoogle lesen konnte), während wir hier gerade so an die 27°C haben - und das ist kein Scherz.

Bis dann mal wieder,
Euer Thorsten

Samstag, 2. Januar 2010

Ein Gutes Neues Jahr!

Ich wünsche meinen Blog-Lesern ein gutes und gesegnetes neues Jahr! Ich hoffe Ihr habt schön Silvester gefeiert.
Wir waren an Silvester in Haifa. Ich war jetzt das erste Mal da, bis jetzt bin ich halt noch nie dazu gekommen. Haifa liegt auch ziemlich weit im Norden, da braucht man ganze 2 Stunden mit dem Bus... :D Israel ist ja ein relativ überschaubares Land, von der Größe her. Da ist man in ein paar Stunden von oben bis unten durch.
Jedenfalls, Haifa ist eine ganz nette Stadt. Da spürt man das Mittelmeer-Flair noch ein bisschen stärker, da dort auch diese Nadelbäume wachsen, die es in Spanien an der Küste auch gibt. (In Jerusalem gibt es die bestimmt auch, aber bis jetzt ist mir das noch nie so arg aufgefallen...) Die Mädels in Haifa wohnen direkt auf dem Karmel-Berg, von wo man eine wunderbare Aussicht auf Haifa und den Hafen hat. Ich hab die Aussicht nur bei Nacht genießen können, als wir da oben bei der Aussichtsstelle auf Mitternacht gewartet haben.
Silvester in Israel ist schon ein bisschen speziell... Da die Juden ja im Herbst Neujahr feiern (Rosch haSchana), gibt es Ende Dezember so gut wie keinen Aufwand. Kein Feuerwerk, keine Böller, nur vereinzelt ein paar Blitze und Geräusche aus den arabischen Dörfern um Haifa. Und unten in der Stadt wurden so an die sieben Raketen gestartet, allesamt drei Minuten vor Mitternacht.
Wie gesagt, von Silvester ist wenig zu spüren. Nur die Autofahrer rufen einem im Vorbeifahren Happy New Year! zu.
David-Jan hat ja am 1.Januar Geburtstag und ist dieses Jahr 21 geworden, d.h. wir hatten an diesem Abend bzw. in dieser Nacht gleich zwei Ereignisse zu feiern. Dementsprechend sah auch das Buffet in der Wohnung von zwei Volontärinnen aus. Es gab viele gute Sachen - und am nächsten Morgen war nur ein kleines bisschen Salat übrig (wahrscheinlich genau das, was ich hätte essen sollen, aber wie Ihr wahrscheinlich wisst bin ich ja kein Freund von Salat...).

So, gestern sind wir dann also wieder nach Hause gefahren, mit dem letzten Bus vor Schabbat. An Neujahr. Jeder Laden hatte geöffnet, kein Mensch war übermüdet (außer uns natürlich), alles war normal. Wie eben jeder Tag in Israel...

Heute waren wir im Gottesdienst in Talpiot. Dort geh ich meistens hin, wenn ich mal frei habe am Wochenende (was in letzter Zeit ziemlich oft war). Der Gottesdienst da ist ganz ok, die Predigt ist wirklich gut (finde ich) und ansonsten die ganze Atmosphäre gefällt mir. Jerusalem Assembly, House of Redemption heißt dir Gemeinde. Da gehen ziemlich viele Volos hin.
Danach haben wir daheim was gegessen und den Schabbat genossen. Ich hab unser Zimmer aufgeräumt, das sah mal wieder extrem chaotisch aus...

Und bevor ich euch noch weiter zulaber mit irgendwelchen Sachen wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende. :)

Bis dann,
euer Thorsten