Freitag, 30. April 2010

Besuch

Hallo, liebe Leute... letztens habe ich wieder einmal drei Tage Besuch gehabt, wieder einmal von meinem Vater. Diesmal ist er mit meiner Oma gekommen. Wir haben einige tolle Tage miteinander verbracht. Ich habe meiner Oma die Altstadt gezeigt, mit allem was so dazu gehört. Via Dolorosa, Grabeskirche, und so weiter. In Gilo in meiner Bude waren wir auch... Den Taxifahrer, der uns da hoch gefahren hat, haben wir dann auch gleich für den letzten Tag gebucht. Da wollten wir nämlich nach Betlehem. Hat auch alles super geklappt. In die Palästinensergebiete darf ich ja eigentlich nicht. Aber wenn Verwandtschaft dabei ist, dann ist das was anderes. An einem Tag haben wir auch ein Mietauto gehabt. Da ist man um einiges mobiler. Und man kann an einem Tag schon einen ziemlich beachtlichen Teil von Israel abklappern. In den Norden sind wir zwar nicht gekommen, dafür war meine Oma jetzt aber auch mal in der Wüste. In Ein Gedi haben wir einen Kaffee getrunken, in Ein Bokek waren wir baden. An Beer Scheva sind wir nur vorbeigefahren, und an Dimona und Kiryat Gat auch. Dann hat sich die Farbe der Landschaft ein bisschen verändert und es ist grün geworden. In Bet Schemesch haben wir wieder einen Kaffee getrunken, bevor es zurück nach Jerusalem ging.

Das war jetzt mein vorerst letzter Verwandtschaftsbesuch für dieses Jahr. Ich bin jetzt ja auch nur noch drei Monate hier... :/ Mal schauen wie ich die Zeit hier jetzt noch möglichst sinnvoll nutzen kann...

Dienstag, 20. April 2010

Yom HaAtzma'ut (3. Oktober für Israelis)

So, ich hab gedacht ich melde mich mal wieder. Und das passt heute ganz gut. Weil heute war der Unabhängigkeitstag (Yom haAtzma'ut). Der Tag in Israel fängt ja bekanntlich am Vorabend an, deswegen ging die Party auch gestern schon los. Die Stimmung ist mit unserem 3. Oktober nicht vergleichbar. Hier geht's richtig ab. Und auch die Nationalfarben tragen zur Stimmung bei. Überall Israel-Flaggen. Blau und Weiß ist nicht ganz so aggressiv wie schwarz-rot-gold.

Heute war ich in der Stadt. Hab als einziger von meiner WG frei gehabt; die anderen mussten arbeiten. An der Klagemauer war ziemlich was los. Neben Israelis waren da auch ziemlich viele israelverrückte Leute aus Panama und Taiwan. Haben alle rumgetanzt und gesungen.
Ich könnte jetzt ja noch etwas über die Geschichte des Staates Israel erzählen und so weiter, aber dazu habe ich gerade keine Lust. Außerdem würde ich dann wieder ins Politisieren geraten. Deswegen rate ich euch, mal bei Wikipedia zu googeln.


Jedenfalls bin ich heute wieder mal durch die Gegend gelaufen. Als ich mich dann oben in der Altstadt hingesetzt habe, kam so ein verirrter Tourist vorbei. Christian, 27, hat blonde Dreadlocks und leidet an einem plötzlich ausgebrochenen erblich bedingten Pneumothorax (böse), was seinen Rückflug aus Ägypten verhindert hat. Deshalb ist er jetzt in Israel, hat den Semesteranfang verpasst und wartet auf ein Containerschiff, dass ihn in ein paar Tagen von Tel Aviv nach Griechenland bringt (weil er ja nicht fliegen darf). Klingt bisschen seltsam, ist aber die Wahrheit. Da Christian sich schonmal in Israel rumtreibt, wollte er sich auch gleich mal Jerusalem anschauen. Leider hat er die Klagemauer auch nach zwei Stunden Suche nicht gefunden. Deswegen hab ich mich gleich mal als Reiseführer versuchen dürfen. Ich hatte ohnehin nichts mehr vor. Und so sind wir dann zwei, drei Stunden durch die Gegend gelaufen. Er hat was über das Volo-Dasein gelernt (und über Jerusalem) und ich habe mich schonmal auf meine (brotlose) Zukunft als Reiseleiter vorbereiten können, sollte sich keine andere berufliche Alternative mehr bieten... (höhö)

Na gut, soviel dazu. Was gibt's sonst noch? Ach ja, mein Vater wollte mich am nächsten Sonntag (zum wiederholten Male) besuchen kommen, dieses Mal mit meiner Oma. Damit die auch mal ins Heilige Land kommt. Jetzt ist nur doof, dass so eine Aschewolke aus Island im Moment noch Flugzeugtriebwerke im Falle eines Flugversuchs ziemlich schnell zum Heißlaufen bringen würde. Deswegen hoffe ich, dass sich der Wind in den nächsten Tagen seinem Namen alle Ehre macht und fleißig windet.

Okay, genug des Unsinns. Ich wünsch Euch eine gute Nacht. Man hört sich.

Freitag, 16. April 2010

Ganz normale Woche

Hallo Leute, also, ich will hier nur mal einen kleinen Zwischenbericht abgeben. Denn so wirklich hat sich nichts getan. Meine Haare sind wieder kürzer geworden. Bin deswegen extra zum Friseur gegangen. Hat mich zwar Geld gekostet, aber ich dachte mir, dass ich während meiner Zeit in Israel doch auch mal zu einem echten israelischen Friseur gehen muss. Naja, das Erlebnis war nicht so hochinteressant, aber es ist immer cool sich mit seinem Friseur zu unterhalten.

Meine Haare sind also wieder kurz. Und ich seh zwei Jahre jünger aus. Ob das jetzt gut ist oder schlecht kann ich nicht beurteilen...

Ansonsten... Arbeit, läuft. Wetter, lääuft. Jo.

Ahso, der Holocaustgedenktag war. Ich musste arbeiten, war aber morgens in der Stadt. Schweigeminute, jedes Auto bleibt stehen und alle Leute steigen aus... War schon komisch. Aber das war auch das Einzige, was ich an diesem Tag miterlebt habe. Es war noch eine Gedenkveranstaltung in Yad Vashem, da waren ein paar von unseren Volos und haben im Namen der Organisation einen Kranz abgelegt.
Nächste Woche ist der Gedenktag für die gefallenen Soldaten und die Terroropfer. Der geht dann abends genau in den Unabhängigkeitstag über. Das hebt dann die allgemeine Stimmung im Land. Ich hab am Unabhängigkeitstag frei. Wahrscheinlich lest ihr dann auch einen illustrierten Bericht auf meinem Blog.

Ich hab grad zur Zeit immer bisschen rumfotografiert, wenn ich mal unterwegs war. Aber ich weiß grad nicht welche Bilder da für euch von Interesse wären. Morgen geh ich nach dem Gottesdienst nochmal in die Stadt, vielleicht finden sich ja (neue) interessante Fotomotive...

Okay, das war's dann... Ich wollte nur nicht, dass euch langweilig wird wenn ihr die Seite von meinem Blog aufruft.

Viele Grüße,
Thorschten

Sonntag, 11. April 2010

Insider unterwegs als Tourist (wie auch immer, hier muss man halt einen Titel eingeben...)

Was macht man an einem freien Tag, an dem man nicht irgendwo hinfahren will, und an dem man auch keine Lust hat, die ganze Zeit im Bett zu bleiben? Man fährt wieder einmal in die Stadt, um sich nach schrägen Vögeln umzuschauen. Und davon gibt es eine ganze Menge in Jerusalem.

Ok, aber zuerst wollte ich mal ins Israel-Museum, weil ich da noch nicht war. Da gibt es im Moment auch nicht viel zu sehen, weil das renoviert wird und man nur das Jerusalem-Modell anschauen kann. Und den "Schrein des Buches", mit den Qumran-Rollen. Das war es mir dann doch wert, deswegen bin ich rein. Und es hat sich letztendlich auch gelohnt.


Man muss dazu sagen, dass es heute 31 Grad waren, und Sandsturm. Ich war aber in Fotografierlaune und bin deswegen ins Orthodoxenviertel gefahren. Da gab es ein paar Menschenaufläufe, aber sonst war alles wie immer.



Der typische Jerusalem-Tag war das. Klagemauer und Grabeskirche hab ich abgeklappert. Ab und zu hat man eben das Bedürfnis, sich wie ein Tourist zu fühlen. Das musste ich heute mal nutzen. Außerdem ist es immer lustig, wenn man die ganzen Touris aus der ganzen Welt beobachtet, wie sie herumirren mit ihren Stadtplänen. Da kann man dann schonmal üben, für zukünftige Reiseführertätigkeiten, wenn man mal einen Ferienjob braucht.

Und wie gesagt, bunte und schräge Vögel gibt's genug. Hier jeweils ein bunter und ein schräger.






















Wie dem auch sei, irgendwann bin ich bei den Arabern vor dem Damaskustor gelandet und hab mich ausgeruht. Der Sand geht einem irgendwann auf die Nerven, und die Hitze dämpft ein bisschen die Vorfreude auf den Sommer.
Und der nächste schräge Vogel... Jetzt kommt wieder was, um sich Gedanken zu machen. Denn als ich so auf der Treppe vor dem Tor sitze, kommt ein verstört aussehender Mann auf mich zu, mit Fotokamera. Das war Richard (sprich Ritscherd) aus Schottland. Und mit dem hab ich mich eine ganze Stunde lang unterhalten. Und da wurde mir schlagartig bewusst, warum ich den Wehrdienst verweigert habe. Denn Richard war bei der britischen Armee. Gerade in meinem Alter hat er angefangen, erzählt er. Ganze zehn Jahre lang. Und er hat mir erzählt, dass er in Basra im Irak im Ersten Golfkrieg hundert Kilometer an einer Straße lang nur Leichen gesehen hat. Das waren keine Soldaten, das waren alles Zivilisten auf der Flucht. Er hat mir auch erzählt, dass er selber Menschen umgebracht hat. Und dass er erst angefangen hat, von ihnen zu träumen, als er aus der Armee draußen war.
Richard ist mit der Fotokamera unterwegs, um das Leben zu dokumentieren. So sagt er. Sein Vater war Jude, deswegen darf er im Land leben. Er lebt schon seit 14 Jahren hier. Hat eine Wohnung in Hebron, bei den Palästinensern. Richard macht einen Eindruck, der einem zu Denken gibt. Er ist einfach durch. Außerdem riecht er nach Alkohol.
Und was erzählt er mir? Er versucht mir deutlich zu machen, dass ich lieber heimgehen soll, nach Deutschland. Zur Armee. Gleich am Anfang hat er das gesagt. Er versteht Wehrdienstverweigerer nicht. Obwohl die Armee sein Leben zerstört hat. Ich glaube, er weiß nicht genau, was genau er tun soll. Deswegen macht er Fotos. Und genau deswegen weiß ich, dass jeder, der den Wehrdienst verweigert und lieber das Image Deutschlands im Ausland erhalten/aufpolieren will, nichts falsch macht.
Ich hab Richard meine Emailadresse gegeben. Mal schauen, vielleicht meldet der sich nochmal.

Und da hab ich noch ein Gebetsanliegen für Euch: Der Bruder einer WG-Genossin von mir ist grade in Afghanistan, wo wir schonmal beim Militär sind... Und ihr wisst ja, was da gerade abgeht. Ich finde, wir sollten in Gedanken und im Gebet ab und zu mal bei unseren Soldaten sein, auch wenn wir den Wehrdienst verweigert haben und von Krieg nichts halten. Denn Deutschland versucht da gerade, einem Land bei der Erhaltung seiner neu gewonnenen Demokratie zu helfen. Unsere Soldaten haben da einen Job zu erledigen, und das machen sie unter Einsatz ihres Lebens. Lasst uns hoffen, dass der Job bald erledigt ist und aus Soldaten wieder Zivilisten werden können. Diese Leute brauchen auch nach dem Einsatz unsere Unterstützung, damit sie nicht so enden wie Richard.

Montag, 5. April 2010

Frohe Ostern!

Ich will Euch allen erst einmal Frohe Ostern wünschen, bevor ich wieder anfange, mich in verworrenen Satzstrukturen zu verwickeln. :)

Also:

Frohe Ostern Euch allen!

Denn der Herr ist auferstanden. Und das ist wahrlich ein Grund zum Feiern. Ostern ist demnach eigentlich noch wichtiger als Weihnachten. Aber ich wette, die Leute auf der Straße haben dieses Jahr bei den typischen Radio-Umfragen wieder total versagt. "Öhm, ja, Ostern. Das ist da wo der Hase kommt. Und die Eier bringt." Oder sowas wie: "Da ist doch der Weihnachtsmann gestorben, oder? Oder war's der Nikolaus?" Nee, du Dummkopf, die Schoko-Weihnachtsmänner wurden eingeschmolzen, um als Osterhasen zu enden. So ist das.

Wie dem auch sei, ich war am Samstag in meiner Stammgemeinde. Das ist ja was relativ Freikirchliches. Aber die Predigten gehen 55 Minuten lang, und das ist die Hauptsache. In der evangelisch-landeskirchlichen Erlöserkirche, dem "preußischen Patriarchat" (wie ich es nenne) geht eine Predigt so zwischen acht und zwölf Minuten. Vor Jahren hätte ich da wahrhaft erlöst aufgeatmet, aber heute... Was bekommt man in so kurzer Zeit denn vermittelt? Eigentlich fühle ich mich in jeder evangelischen Kirche wohl, weil da so ein bisschen Heimat-Feeling aufkommt. Aber mittlerweile höre ich doch lieber die Predigten, die etwas länger gehen. Auch wenn die dann halt auf Englisch sind. Aber das muss man dann halt in Kauf nehmen. Ich erinnere mich schwach daran, dass die Predigten in meinem Heimatort im Remstal deutlich länger waren als die in der Erlöserkirche. Ich hoffe, dass mich meine Erinnerung nicht trübt...
Wie gesagt, ich war in meiner Gemeinde hier in Jerusalem, der Jerusalem Assembly. Und hab mir eine knapp einstündige Lehrstunde angehört. Und ich muss sagen, danach fühlt man sich immer wieder bestärkt im Glauben. Dabei ist der Pastor (M. Kalisher) dieses Mal relativ logisch und auf Fakten gestützt vorgegangen. Es ist ja das Beste, wenn man das ganze "Wissen" auf ein Minimum reduziert, wenn es um Glauben geht. Sonst wäre es ja kein "Glauben" mehr. Aber es ist doch schön, wenn man Glauben logisch erklären kann.
Wie dem auch sei, ich will Euch mal ein paar interessante Sachen zur Auferstehungsgeschichte erzählen.

Juden behaupten ja, dass Jesus nicht auferstanden sei, sondern von den Jüngern, diesen Halunken, aus dem Grab gestohlen worden ist. Muslime hingegen denken, dass Jesus gar nicht tot war. Denn der Sohn Gottes kann nicht sterben.

Okay, von Anfang an. Jesus ist gekommen um zu sterben, für die Sünden der Welt. Er ist am Karfreitag gekreuzigt worden. Am gleichen Abend hat das jüdische Pessach-Fest angefangen. Da schlachtete man als Jude ein Opferlamm, um an den Auszug aus Ägypten zu erinnern. Opfern, Lamm - Lamm Gottes - klingt logisch, oder? Jesus hat sich selbst geopfert, für alle Völker. Und die Juden sind die einzigen gewesen, die das auf Anhieb hätten erkennen müssen. Denn die hatten ja die ganzen Prophezeiungen in ihren Büchern. Das Alte Testament, wo alles auf Jesus hinweist.
Jesus starb als erster von den drei Männern, die da gekreuzigt worden waren. Das ist normalerweise kein schöner Tod, denn das kann Tage dauern. Und angenehm ist das auch nicht. Jesus ist aber nicht einfach nur gestorben, sondern er "hat seinen Geist aufgegeben". Er hat den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmt. Er hat sich bewusst selbst geopfert, am Vorabend des Pessach-Festes.
Also, das widerspricht der muslimischen Theorie schonmal. Jesus war wirklich tot. Das hat auch der Centurio dem Pilatus berichtet. Und der Römer hat ja schon viele Leute gekreuzigt und sieht also, wenn einer tot ist und wenn nicht.

So, jetzt zur Auferstehung und dem Diebstahl des Leichnams durch die Jünger. Denn das glauben viele jüdische Gelehrte, bis heute.
Die Pharisäer haben extra ein paar römische Soldaten vor das Grab erbeten, gerade weil sie Angst hatten, die Jünger könnten den Leichnam stehlen. Und da kommen die zwei Marias am nächsten Morgen ans Grab - und das ist leer! Sowas. Und die Römer haben geschlafen.
Jetzt frag ich Euch was: Wisst Ihr, was mit römischen Soldaten passiert ist, wenn sie einfach mal so eingeschlafen wären? Jaa, genau - ein Kopf kürzer, sag ich da nur.
Und die Jünger? Wisst Ihr, dass die meisten der Jünger im Laufe ihres Lebens eines gewaltsamen Todes als Märtyrer gestorben sind? Hätten sie den Leichnam gestohlen, hätten sie gewusst, dass das mit der Auferstehung nicht wahr sein kann. Dann wären sie zurück nach Galiläa gegangen und wären wieder Fischer geworden. Das Thema Jesus wäre abgehakt gewesen. Aber nein, sie sind für ihren Glauben gestorben. Auch die Pharisäer haben den Leichnam nicht beiseite geschafft. Weil das hätte ja dann gezeigt, dass Jesus auferstanden ist...

Hört sich alles verwirrend an, vielleicht. Ist aber ganz logisch.

Jesus war tot. Er hat seinen Tod selbst bestimmt.
Jesus ist am dritten Tag von den Toten auferstanden. (So wie es jeder Christ, egal welcher Glaubensrichtung, in seinem Glaubensbekenntnis bekennt.)

Das ist doch ein Ding, oder? Finde ich jedenfalls. Und das Schönste daran ist, dass Jesus für die ganze Welt gestorben ist. Wir Christen, und alle anderen auch, müssen nichts weiter tun als Jesu Lehren zu folgen und ihm nachzufolgen in unserem Leben. Das ist nicht einfach. Aber es zu versuchen und sein Bestes zu geben ist auch nicht schwer.

Das ist im Grunde die Botschaft von Ostern. Und das ist reichlich cool.

Hab ich jetzt hier Internet-Evangelisation betrieben? Wow... :D Aber ich muss das noch üben. Immer noch nicht prägnant genug. Ich rede gern um alles drumrum. :D

(Für alle die mich kennen und jetzt befürchten, dass ich ein texanischer Evangelikaner geworden bin, der keine Ahnung hat vom Leben in Israel und den ganzen Tag nur laut Halleluja ruft - Ich kann Euch beruhigen. Im Grunde bin ich noch ganz normal.)

Jedenfalls: Frohe Ostern!

Freitag, 2. April 2010

Karfreitag

Heute war ich in der Stadt. Nach einigen langen Arbeitstagen hab ich endlich drei Tage hintereinander frei (Ostern). Gestern ist mir dann aufgefallen, dass ja heute Karfreitag ist. Da muss sich doch die ganze Christenheit auf der Via Dolorosa tummeln, um den Weg Jesu nachzugehen. Viele machen das mit großen Holzkreuzen auf dem Rücken. Das ist zwar nicht ganz das, was man unter Nachfolge Christi versteht, aber es ist ein Anfang.

Ich habe mich ohne Holzkreuz auf den Weg gemacht. Nur mal gucken. Es war ja zu erwarten, dass da einiges los ist. Deswegen hab ich nur den Fotoapparat mitgenommen. Und wirklich: Die ganze Stadt, auch die Neustadt, ist voller Touristen. Und in der Altstadt erst... Endlich hört man wieder wildfremde Menschen deutsch miteinander sprechen. Viel Bayrisch ist da dabei, und man versteht nicht allzu viel. Dafür gibt es aber auch eine ungeahnte Menge an israelischen Touristen. Hebräisch versteht man ja so einigermaßen. Die Israelis sind auch alle mit Fotokamera unterwegs. Wenn einmal im Jahr die Touris verrücktspielen, dann muss man doch dabei sein. Sieht man ja nicht alle Tage.
Wie gesagt, es war ein unheimlicher Balagan (zu Deutsch: Tohuwabohu) auf den Straßen der Altstadt. Polizeisperren waren errichtet worden, um den Zug der Pilger und Touristen auf der Via Dolorosa zu schützen. Die Araber durften meistens nicht durch und mussten außenrum laufen. Aber auch die Touristen durften nicht überall hin. Und so habe ich mich dem Menschenstrom angeschlossen und bin einfach mal im Kreis gelaufen. Von hinten hab ich dann irgendwann so einen Klosterbruder in brauner Kutte sagen hören: "I'm directly behind you, Brother." Gut zu wissen. Wie beruhigend, dass auch er orientierungslos durch die Gegend irrte.
Schon gleich am Anfang war ich dann doch sehr erstaunt. Ich sah eine Gruppe von Menschen (mit einem großen, massiven Holzkreuz, auf mehrere Schultern verteilt) die Straße blockieren. Und zu meinem Erstaunen waren diese ersten Pilger, die ich heute gesehen habe, palästinensische Christen. Die haben auf Arabisch das Ave Maria gebetet. Assalamu aliki ya Mariam... Waren also vermutlich sogar katholische Araber aus der Altstadt. Hat mich bisschen beeindruckt. Sonst sind die arabischen Christen das ganze Jahr lang ja relativ passiv. Aber heute waren sie überall. Sogar die christlichen Pfadfinder sind durch die Straßen gezogen.
Um die Ereignisse zusammenzufassen: Ich bin mehr oder weniger ziellos immer den Menschenmassen gefolgt. Wenn es zu viel wurde, hab ich mir eine Seitengasse gesucht. Ich wollte mich zur Grabeskirche vorarbeiten, aber das war mir dann doch zu stressig. Von einer Prozession oder so hab ich nix gesehen. Die ganze Altstadt war eine einzige Prozession. Aber so ein richtiges "Osterfeeling"? Morgen liest man in Deutschland in den Zeitungen, wie Pilger und Touristen die Stimmung beschreiben. Dann sprechen irgendwelche Franzes oder Josefs aus Ober- oder Unterbayern von einer besonderen "Aura" oder einer "heiligen Atmosphäre". Ich finde es ja gut, wenn sich die halbe Welt nach Jerusalem aufmacht. Aber ich muss doch sagen - es gibt selten im Jahr einen Tag in den Vierteln der Jerusalemer Altstadt, an dem man die Nähe zu Jesus weniger spürt als an Ostern. So viel Trubel, so viel Durcheinander. Unglaublich, dass die Menschen da nicht die wahre Botschaft des Neuen Testaments vergessen...
Wie dem auch sei, eine interessante Sache ist mir noch aufgefallen. Ostern dürfte der einzige Tag sein, an dem man Araber und Juden gemeinsam an einer Polizeisperre stehen sieht, wo beide nicht durchkommen. Und alle zusammen schütteln sie die Köpfe, sind verwirrt, verfluchen die armen Ordnungshüter, die verzweifelt alle drei Minuten aufs Neue erklären müssen, dass man hier heute nicht durchkönne, weil gleich eine Horde Spanier und Nigerianer und Russen und Bayern die Straße hochgepilgert kommt. Aber in ein paar Tagen ist das sowieso vorbei. Da kann man dann wieder entspannt in die Kirche gehen, wo einen beim Gebet niemand sonst stört als einige singende Mönche.