Dienstag, 7. September 2010
Neuer Blog
www.thorschten.blogspot.com
Viel Spaß beim Lesen :)
Freitag, 6. August 2010
Letzer Eintrag
Ich sitze hier gerade am Ben Gurion Airport und habe das erste Mal seit zwei Tagen wieder Internet. Das nutze ich, um meine letzten Angelegenheiten zu klären.
Die letzten Tage war nich so die Hochstimmung, ist ja auch verständlich. Aber jetzt bin ich auch froh, dass ich auf dem Weg nach Hause bin. In Gilo hab ich ja nichts mehr verloren. Die neuen Volos machen unsere Aufgaben ganz wunderbar. :)
In den nächsten Wochen stehen bei mir neben Eingewöhnung auch eine einwöchige Kroatienreise (mit Familie) und 2 Wochen Rumänien (alleine, mit dem Rucksack) auf dem Programm.
WICHTIG:
Ich will ja auch weiterhin für meine Leserschaft publizieren, d.h. ich werde mir demnächst einen neuen Blog einrichten, wo ihr dann alle meine nötigen oder unnötigen Kommentare findet, die sich sowohl mit der Lage im Nahen Osten als auch mit der Lage der deutschen Gesellschaft befassen. Den Link poste ich hier auf meinem alten Blog dann, wenn ich die Seite eingerichtet habe.
Ich habe nie nachgeforscht, wie viele Seitenaufrufe und Leser mein Blog hatte und woher die Leser kamen und so. Kann man heute ja alles machen. Ich habe es einfach immer irgendwie vergessen, deswegen bin ich über den Umfang meiner Leserschaft nicht wirklich informiert. Ich hoffe aber, dass es viele waren, die hier ab und zu reingeschaut haben.
Ich hoffe euch haben meine Beiträge angeregt.
Viele Grüße aus dem Niemandsland zwischen Israel und internationalem Luftraum,
euer Thorsten Muth

Sonntag, 1. August 2010
Endspurt (Vorletzter Teil)
Jedenfalls habe ich noch ein paar Tage bis Freitag, und die werde ich irgendwie nutzen. Ins Israel-Museum geh ich nochmal. Das hat erst wieder aufgemacht letztens, nach Renovierung. Hätte nicht gedacht dass die das pünktlich schaffen.
Hmm.
Aber ich denke ich melde mich vorher nochmal. Ein letzes Mal. Bevor ich heimfliege, wo mich ein guter saftiger Rinderbraten im Kreise meiner Familie erwartet.
Montag, 26. Juli 2010
Aschdod
Es wurde ein äußerst gemütlicher Abend. Wir haben irgendwie alle unsere letzten längeren Gespräche geführt. Viele machen sich schon demnächst aus dem Staub. Phil müsste genau zu diesem Zeritpunkt schon im Flugzeug sitzen. Und der Lennart fliegt morgen früh. Ja ja... Und die neuen sind heute angekommen und haben ihren ersten Tag am Strand verbracht. Aber okay, wie gesagt: Strandspaziergänge im Schein des Vollmonds, ein bisschen Philosophieren über diese oder jene Bibelstelle. Alter, wie werde ich das vermissen... Gutes Essen, weicher Sand, der den Schlafsack füllt.
Leider habe ich keine Bilder davon; mein Fotoapparat macht des Nachts wahrlich schreckliche Bilder. Deshalb hab ich mir das Ganze nochmal im Schein der Morgensonne angesehen. (Wie ihr oben schon sehen könnt, anhand von zwei Bildern.)
Als die anderen dann noch zum Strand nach Tel Aviv gefahren sind, habe ich mir gedacht, ich nutze meine Zeit anders. Wenn ich schonmal im Süden und somit in der Einflugschneise der Qassam-Raketen bin, wollte ich doch gleich mal in Richtung Gaza fahren. Natürlich nur, um aus weiter Ferne den Grenzzaun anzuschauen.
Hmm, dieses Mal war es wohl eher ein Reinfall. Ich habe die Ratschläge eines anderen Mitvolontärs befolgt und bin zuerst nach Aschkenlon gefahren, um dort (nach eineinhalb Stunden Warten) den Bus zum Kibbutz Erez zu nehmen. Von dort soll man angeblich an den Grenzübergang kommen. Da wollte ich das Tor nach Gaza fotografieren und wieder heimfahren.
Leider bin ich nicht mal so weit gekommen. Im Bus habe ich eine Einwohnerin eben dieses Kibbutzes getroffen, die mir dringend davon abgeraten hat, da hinzufahren. Da würden angeblich alle erst schießen, bevor sie nach dem Pass fragen - Juden wie Araber. Und da ich schonmal Grenzerfahrungen mit den Checkpointsoldaten gleich neben Jerusalem gemacht habe, habe ich irgendwie gewusst, von was sie redet. Jedenfalls hat sie mir zwanzig Minuten lang erklärt, was hier so abgeht. Ich solle lieber in Aschkelon an den Strand gehen. Oder direkt den Bus nach Jerusalem nehmen. Da sei es sowieso schöner. Die ältere Dame war in Tel Aviv geboren worden und lebte seit 25 Jahren im Kibbutz Erez. Früher seien sie sogar nach Gaza zum Einkaufen gefahren. Heute sieht die Lage aber ein bisschen anders aus. Irgendwie hat sie es dann geschafft, mich zu überreden, mit dem gleichen Bus nach Aschkelon zurückzufahren. Der Busfahrer ist dann auf einer etwas erhobenen Strecke sogar noch ein Stückchen langsamer gefahren, damit ich dann doch noch nach Gaza rüberfotografieren konnte. Das Bild ist allerdings bisschen unscharf und man sieht so gut wie nichts. Aber glaubt mir, ich habe wirklich nach Gaza rübergesehen. :)
Wie dem auch sei: Der Busfahrer hat mir die Rückfahrt nach Aschkelon spendiert. Und da ich in Aschdod schon reichlich im warmen und wellenreichen Wasser des Mittelmeeres gebadet hatte, nahm ich den Ratschlag der Frau aus dem Bus an und setzte mich direkt in den nächsten Bus nach Jerusalem. Nach hause.
Donnerstag, 22. Juli 2010
Endspurt (Teil 1 von 10 ?? :D )
Gestern war unsere Volo-Abschlussparty, von der Arbeit aus. Gemütlich bei Lagerfeuer und so. Da wird dann über vergangene Zeiten geredet und man bekommt auch ein kleines Geschenk. Aber diese Feier markiert dann auch so das Ende der Volo-Zeit. Und das hat mich nicht wirklich froh gestimmt...
Die nächsten Tage geh ich jetzt mal ganz entspannt an. Wochenende, am Sonntag feiern wir ein paar Geburtstage in Aschdod am Strand. Danach geh ich bisschen an den See Genezareth und fahr noch bisschen durch die Gegend. Ich halte euch auf dem Laufenden.
Ah, ich habe übrigens versucht Teil 3 meiner West Bank and Jewish Settlement Tour zu absolvieren. Das habe ich dann auch gemacht, war aber nicht so spannend. Bin in eine jüdische Siedlung gefahren, in der es nichts gibt - außer Siedler: Beit El. Hier war das mit Jakob und der Himmelsleiter, die ihm im Traum erschienen ist. Aber heute gibt es da nichts außer Häusern und einigen Baracken. Es ist nur interessant, wie so eine jüdische Siedlung aufgebaut ist. Beit El liegt zu über 96 Prozent auf arabischem Land, ist also zu fast 100 Prozent illegal (nach internationalem Recht). Ein Wohngebiet mit Stacheldraht außenrum, und eine Militärbasis. Der größte Teil der Sieldung sieht aus wie ein normaler Ort, wie bei uns in Gilo. Dann gibt es aber wirklich Siedler, die am Minimum leben. Die wohnen dann in solchen Baracken, die einem Bauwagen ähneln.
Ich denke dann lasse ich meine West Bank Tour hier einmal ruhen und wende mich dem Strand in Tel Aviv zu, während der nächsten Wochen. Außerdem eröffnet das Israel Museum wieder (nach ewig langer Renovierung), und es gibt auch sonst noch einige Dinge, die ich unbedingt erledigen muss, bevor es wieder nach Deutschland geht.
Dienstag, 13. Juli 2010
West Bank and Jewish Settlement Tour Part 2: Herodion
Der Bus zum Herodion war nicht ganz so gepanzert, hat nur dicke Scheiben. Der Weg ist nicht ganz so weit wie bis nach Hebron. An Bethlehem vorbei, immer auf der israelischen Straße entlang. Und dann kommt es auch schon in Sichtweite: Ein Berg, der einem Vulkan ähnelt.
Der Busfahrer schmeißt mich an irgendeinem Hintereingang zum Nationalpark raus. Hier gehen alle rein, sagt er mir. Ich steh vor dem verschlossenen Tor eines Kibbuz oder einer Siedlung, kein Plan. Da steht eine Telefonnummer dran, soll man wohl anrufen. Hmm, naja, ich lauf außenrum.
Also bin ich erstmal durch halb Palästina gelaufen... Zum Vordereingang muss man erst an ein paar arabischen Häusern vorbei. Aha, deswegen benutzen die Israelis den Hintereingang. Man kann auch übertreiben.
Auf der Spitze des Berges stand mal ein Palast von Herodes dem Großen. Die Ruinen gibt es heute noch. Erst einmal ein paar Bilder.
War schon ganz interessant. Vor allem kommt hier mal wieder die ganze jüdische Geschichte zusammen, wie fast überall in Israel. Unter der Palastanlage finden sich Gänge und Zisternen, einiges aus der Zeit des ersten Jüdischen Krieges, manche Gänge sind vom Bar-Kochba-Aufstand. Oben gibt es ein paar römische Bäder. Von den Römern.
Draußen angekommen laufe ich an der kleinen israelischen Militärbasis vorbei zur Straße runter. Bis jetzt habe ich ja gedacht dass es dumm war, meine West Bank Tour in Hebron zu beginnen, gleich mit dem Spannendsten. Aber dann stand ich an der Straße unten und habe mir überlegt, wie ich wieder heim komme...
Wer mit unseren Hagoschrim-Regeln vertraut ist, der weiß, dass dort Folgendes geschrieben steht: "Du sollst nicht trampen!" Wie dem auch sei, ich war ganze zweieinhalb Stunden später wieder zuhause...
Warum das so lange gedauert hat?? Naja, wie gesagt: Trampen is nich. Bus? Naja... irgendwie war da auch kein Bus. Die Taxis waren alle nur für Palästina zugelassen.
Kurz gesagt: Wer zu Fuß erst einmal die A-Zone umgehen muss ("Du sollst nicht in die A-Zone gehen!"), der braucht eben seine Zeit. Aber okay, das war jetzt weniger dramatisch als es sich vielleicht anhört. Ich bin nur ein bisschen gewandert. Der Highway ist israelisches Staatsgebiet. An den A-Zonen bin ich nur vorbeigelaufen (siehe Foto). Und da Israelis und Araber (wie auch Osteuropäer) auf einer mehrspurigen Straße generell nur links fahren, hatte ich die ganze rechte Spur für mich. *Das ist alles bisschen übertrieben, aber das versteht ihr schon oder? :D* Kopfbedeckung gegen die Sonne, Wasser gegen den Durst - ich hatte alles dabei (siehe hierzu H.-Regeln Nummer 5a und 5b). Nur die Autofahrer haben bisschen komisch geschaut. Vor allem weil mich von den israelischen Siedlern wohl jeder zweite nach Jerusalem mitgenommen hätte.
Ich war schon froh, als der Checkpoint zur israelischen Seite am Horizont auftauchte, aber als ich mich näherte, gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf. Natürlich war das nur ein Checkpoint für Autos.
Jedenfalls, als ich mich auf 30 Meter angenähert hatte, forderte mich der Soldat auf Hebräisch auf, ganz langsam meinen Rucksack zu öffnen. :D Zum Schluss durfte ich noch mein T-Shirt heben und zeigen, dass ich keinen Sprengstoff drunter trage... Wow, das hört sich aber extrem übel an, wenn man das so liest... Im Nachhinein muss ich mich darüber schieflachen...
Am Ende wollte er noch meinen Pass sehen. Dann hat er den nächsten Bus angehalten (eine arabische Schulklasse von irgendeinen Palestine National Comittee of ... ) und die mussten mich bis zur nächsten Bushaltestelle mitnehmen. Einer der Soldaten hat mich noch gefragt ob ich keine Angst vor den Arabern gehabt hätte. Für "Araber" hat er ein Schimpfwort benutzt, das sich auf Hebräisch zwar lustig anhört, wegen dem aber schonmal ein Polizist zwangsversetzt wurde, wie ich gerade bei Google recherchiert habe.
Wie dem auch sei: Der Junge, neben dem ich im Bus saß, muss jetzt denken dass alle Deutschen fürchterlich nach Schweiß stinken. Und ich muss darüber nachdenken, ob ich mich nach meinem Jahr in Israel zur Ruhe setze und mir eine Frau suche (:D) - oder ob ich noch ein bisschen weitermache. Gerade beginnt das alles Spaß zu machen. Okay, Soldaten zu verwirren ist jetzt nicht ein wirklich sinnvoller Sport, aber als Ganzes betrachtet hat dieser zweite Nachmittag meiner West Bank Tour doch gewisse Reize gehabt. Ich plane für die Zeit nach Israel auch eine zweiwöchige Rumänienreise. Da brauch ich dann einen eigenen Blog...
So, in den nächsten Tagen melde ich mich vielleicht nochmal und mache ein paar abschließende Kommentare zu Fußball und Politik in Deutschland, von Israel aus betrachtet. Aber das hat Zeit. Jetzt erstmal Spaghetti kochen (wie jeden zweiten Tag) und den Tag ausklingen lassen... :)
Sonntag, 11. Juli 2010
West Bank and Jewish Settlement Tour Part 1: Hebron
Heute: Station Nummer 1 - Die jüdische Siedlung von Hebron, alles unter israelischer Verwaltung und nicht A-Zone.
Das war natürlich wieder einmal einfacher gedacht als es dann auch war. Der (gepanzerte) Bus fährt normalerweise bei uns in Gilo unten am Berg ab in Richtung Hebron/Kirjat Arba. Da steh ich auch pünktlich um 9:43 Uhr und habe auf die 160 gewartet. Der erste Bus hat Verspätung und durch irgendeinen dummen Zufall fährt der mir direkt vor der Nase dann doch weg. Der nächste Bus kommt, fährt aber heute nicht nach Hebron. Gut, denke ich mir, jetzt reichts. Ich bin lange genug in der Sonne gestanden. Geh ich zur Central Bus Station und fahre direkt von da. Und - wen wundert's - auch der Bus von da fährt nicht nach Hebron. Nach insgesamt zwei Stunden hin und her kommt dann doch tatsächlich eine 160 die auch wirklich nach Hebron fährt. Keine zwei Euro kostet die Fahrt (umgerechnet). Also los.
Der Bus hat Panzerglasscheiben, durch die man so gut wie nicht hinaussieht. Auch ist er mindestens eine Tonne schwerer als normal, deswegen schleppt er sich mühsam den Berg in Gilo hoch, um ihn auf der anderen Seite wieder hinunterzufahren. Hinter der Grenze zum Westjordanland klappert der Bus verschiedene kleinere Siedlungen ab. Irgendwann schlafe ich ein, weil ich zu spät ins Bett gegangen bin. Und als ich aufwache, kommen wir gerade in Hebron an.
In Hebron gab es also seit jeher Streit um die heiligen Stätten, um die Stadt an sich und um jede einzelne Straße. Der jüdische Teil ist heute aber wie gesagt enorm klein im Vergleich zur restlichen Stadt.
Ich drehe so meine Runde und lasse ein paar Eindrücke auf mich wirken. Aber das jüdische Hebron ist sehr klein. Ein Soldat kontrolliert meinen Pass, ein anderer bricht sich beim Bergrunterlaufen fast das Genick. Ansonsten nicht viel los hier. Die Stimmung ist sehr komisch. Ruhig, fast idyllisch. Hat aber auch was von "Ruhe vor dem Sturm", wenn man es sich so einbilden will. Auch die Soldaten, die vor der Moschee/Synagoge stehen sind anders als die Soldaten die man aus Jerusalem kennt. Kleine arabische Jungen werden weggeschickt und vertrieben, weil sie in der Gegend rumscharwenzeln. Die Soldaten sind gereizt. Aber wen wundert es. Ein arabischer Junge schießt mit einer Spielzeugpistole (die wirklich Faschingsmunition geladen hat) auf den Soldaten. Es knallt ein paar Mal. Ganz seelenruhig macht er das. Er provoziert. Weil er genau weiß, dass der Soldat, der in 5 Metern Entfernung steht, ihm nichts tun darf. Dem bleibt nichts anderes übrig, als den Jungen und seine Freunde auf Hebräisch und Arabisch zu verfluchen... Das alles beobachte ich von meiner Bushaltestelle aus, als ich gerade auf den Bus zurück nach Jerusalem warte.
Donnerstag, 8. Juli 2010
Heute gegen 16.35 Uhr hat der Gilad-Schalit-Marsch sein letztes Ziel erreicht: Jerusalem. Ich habe in den Nachrichten davon gesehen und war gleich vor Ort, als die Leute aus Richtung Tel Aviv anmarschiert kamen.
Mit diesem Marsch hat es Folgendes auf sich:
Vor vier Jahren wurde der Wehrdienstleistende Gilad Schalit (damals 18) an der Grenze nach Gaza von der Hamas entführt und sitzt seitdem in irgendeinem Keller und wartet darauf, dass sich irgendwas tut. Für die Hamas ist er ein perfektes Druckmittel gegen Israel. Zur Zeit versucht die Terrorvereinigung und Regierung von Gaza mithilfe dieses Druckmittels unzählige (hunderte) gefangene Terroristen aus israelischen Gefängnissen freizupressen. Auch während des letzten Gazakrieges gelang es der israelischen Armee nicht, den Entführten zu befreien.
Der Vater von Gilad Schalit setzt sich seit Jahren nun schon dafür ein, dass die Regierung etwas tut. Er ist überzeugt, dass man seinen Sohn irgendwie freibekommen müsse. Und diese Überzeugung teilt mit ihm ganz Israel. Die Regierung tut ihr Bestes, um in dieser Sache voranzukommen. Deutsche Unterhändler sind an den Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas beteiligt gewesen, aber die Verhandlungen wurden irgendwann abgebrochen. Der Auslöser des Protestmarsches war jedoch eine Rede des israelischen Premierministers Benjamin „Bibi“ Netanjahu, in der er sagte, dass man für Gilad Schalit „einen hohen Preis“ bezahlen würde, jedoch „nicht jeden Preis“. Und das war dem Vater und der ganzen Bewegung zu viel. Die Familie des entführten Soldaten startete einen Marsch, der nun nach 11 Tagen und 205 Kilometern sein endgültiges Ziel in Jerusalem erreicht hatte. Der Vater will hier jetzt so lange warten, bis er seinen Sohn wieder hat.
Ich habe den Einzug der Marschteilnehmer nahe der Central Bus Station mitverfolgt. Viele Fahnen, viel Musik, viel Gemeinschaft. Es wurde skandiert „Gilad habaita“ (Gilad nach Hause). Die Leute sind überzeugt, ihre Regierung müsse und könne mehr für Gilad Schalit tun. Doch im Vorfeld habe ich durchaus auch vereinzelte Demonstranten gesehen, die dagegen waren, jeden Preis für einen einzelnen Soldaten zu zahlen. Die waren aber in der Unterzahl. Im Gan haAtzma’ut (Unabhängigkeitspark) gab es dann einige Reden. Ein Redner hat unter anderem die Bedeutung dieses speziellen Ortes betont: In Israel gäbe es nur einen Menschen, der gerade unfrei sei, und das sei Gilad Schalit. Und der Premierminister müsse mehr dafür tun, damit sich das ändert. Aber alles in allem war diese Aktion nicht ganz so vorwurfsvoll der Regierung gegenüber wie man annehmen sollte. Es handelte sich weniger um einen Protest als um eine Solidaritätsbekundung gegenüber der Familie und dem als Geisel gehaltenen Soldaten selbst.
Die Polizeipräsenz hielt sich in Grenzen, die ganze Aktion lief durchweg friedlich ab. Wie kann es auch anders sein. Die meisten der israelischen Bürger stehen dem Vater des Entführten solidarisch bei. Das hat die Gesellschaft hier so an sich. Man hilft und unterstützt sich gerade in diesen Angelegenheiten. Und gerade auch, weil die meisten Israelis schon in der eigenen Familie miterlebt haben, wie Menschen im Krieg fallen oder als Invaliden zurückkommen.
Es ist nur erstaunlich, dass man in Europa so gut wie nie etwas von Gilad Schalit hört, wenn es um Fragen geht, die Gaza betreffen. Gerade nach dieser Schiffsaktion letztens wurden Stimmen laut, Israel solle doch endlich diese unmenschliche Seeblockade aufheben. Israel solle der Hamas gefälligst entgegenkommen. Hat irgendjemand mal die Stimme erhoben und gefordert, dass die Hamas endlich einen jungen Mann freigeben solle, der seit nunmehr 4 Jahren in Gefangenschaft sitzt und somit 4 der besten Jahre im Leben eines jungen Menschen verloren hat? Vielleicht sollten wir darüber mal nachdenken. Und vielleicht sollten wir fordern, dass Gilad Schalit aus seinem palästinensischen Kerker herauskommt, bevor Israel darüber verhandelt, wie viele Terroristen wieder auf freien Fuß gesetzt werden.
Fußball
Aber eins muss mal gesagt sein: Wer eine sooo miese Vorstellung abgibt, der hat es irgendwie doch nicht anders verdient. Oder?? Ich meine, ich bin ja selber nich so der Fußballer. Aber was war das denn? Von Anfang an hat man von unserer Mannschaft nix gesehen. Der Ballbesitz war in den ersten 30 Minuten vollkommen in der Hand der Spanier. Und wenn wir den Ball hatten, dann haben wir fehlgepasst. Es ist ja nicht so dass wir uns auf defensiv umgestellt haben und deswegen eine unüberbrückbare Betonmauer aus Abwehrspielern in den Strafraum gestellt hätten. Es war einfach stellenweise ein Gegurke.
Waren die Spanier so viel besser? Wahrscheinlich, aber nur auf dem Papier. Wer so viele Chancen, die sich einem bieten, nicht nutzt, der kommt eben doch über ein lausiges 1:0 nicht hinaus. Einmal standen die doch knallhart zu zweit alleine vor dem Tor und haben so lange gewartet, bis unsere Abwehr nachgetrottet kam und den Ball gerettet hat. Ach du meine Güte...
Das Problem bei unseren Jungs war einfach nur, dass wir schonmal gegen Spanien verloren haben. Und dass die einfach eine Mannschaft mit lauter super Spielern sind. Vielleicht hatten wir einfach nur Respekt - Angst - und haben deswegen so defensiv und nervös gespielt. SPANIEN - alleine der Name verschafft schon Respekt. "Wir spielen gegen Spanien - also seid vorsichtig!" Ich habe keine Ahnung, ob der Jogi das wirklich so gesagt hat, aber es könnte ja sein. Leider waren wir ein bisschen zu vorsichtig.
Wie dem auch sei... Ich denke unser Team hat eine super WM gespielt. Wäre ja dämlich, wenn man nicht verlieren könnte. Ärgerlich ist nur, dass wir wahrscheinlich wieder Dritter werden. Wie letztes Mal. Und beim vorletzten Mal waren wir Zweiter. Irgendwann wäre so ein Pokal schon auch schön gewesen. Aber okay. Man kann nicht alles haben.
Stellt euch mal vor, wir hätten im Finale gegen Holland verloren. Ich will ja im Nachhinein, wo sowieso alles vorbei ist, nicht auch noch schwarzmalen. Aber es stimmt doch: Nach so einem Spiel gegen Spanien hätten wir gegen Holland sicher verloren. Hätten wir im Finale den Käsköpfen unterlegen - diese Schmach hätte uns die nächsten 30 Jahre verfolgt. Wann war das mit Cordoba und den Österreichern noch gleich? Achje... Also, sind wir doch froh, dass wir Dritter werden. Sollen sich die Spanier mit den Holländern kloppen. Wir haben unseren Spaß gehabt. Nicht jeder gewinnt 4:0 gegen Argentinien. Außerdem wissen wir jetzt alle, wie so eine komische südafrikanische Tröte heißt. Vuvu, Wutz ... wie dem auch sei.
Ich wünsch euch (trotzdem) noch einen schönen Tag.
Samstag, 3. Juli 2010
Maradona holech habaita
Hallo? Wer gewinnt im Viertelfinale schon 4:0 gegen Argentinien?? Da muss man unsere Mannschaft mal loben, oder? Als der Kommentator dann auf hebräisch gesagt hat "Maradona holech habaita" - "Maradona fährt nach Hause", da hat mein Herz höher geschlagen. :D
In Deutschland ist man da bestimmt schon immun gegen alle Gefühle; die meisten sind wohl schon vom Weltmeistertitel für unsere Mannschaft überzeugt. Man kann ja gar nicht anders: Public Viewing, Autokorsos, Fanartikel, Schwarz-Rot-Gold... Hier, aus der Ferne betrachtet, sieht man viele Dinge ein bisschen nüchterner. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir gute Chancen haben. Spanien wird schwer, aber dafür wird das Finale, wo wir dann die Holländer wegfegen, umso schöner. Mann, ich freu mich.
So, ich hab übrigens noch knapp drei Wochen bis ich aufhöre zu arbeiten und meine zwei Wochen Urlaub hier beginne. Und dann geht's ab nach Hause. :) :/ :S
Sonntag, 27. Juni 2010
SINAI TRIP Teil 2: Sinai :)
In Dahab angekommen suchten wir uns ein Hotel und haben den ersten gemeinsamen Urlaubstag in Ägypten in einem der Strandrestaurants ausklingen lassen. Auf unserem Plan stand auch die Besteigung des Mount Sinai, wo Moses die Gesetzestafeln empfangen hat. Diese Aktion geht normalerweise über Nacht, weshalb man abends von Dahab aus aufbricht. Wir hatten aber erfahren, dass es am nächsten Abend keine Möglichkeit geben sollte, dorthin zu kommen. Also mussten wir das Ganze am ersten Abend starten.
Gegen 22:30 ging es mit dem Hotel-Bus los zum Mount Sinai. Bei gefühlten 50 Grad im Auto und gefühlten 30 Personen auf den Sitzbänken tuckerten wir durch die Nacht. Der Aufstieg dauerte dann von 1 Uhr bis 4 Uhr nachts. Dunkel, eiskalt und erschöpfend - als wir oben waren war ich am Ende. Gegen meine Erwartung, muss ich zugeben. Aber der steinige Weg geht schon auf die Beine, wenn man 344 Meter bei Dunkelheit überwindet. Nur der Mond schien, und der schien hell. Kamele am Wegesrand warfen ihre Schatten, und ihre Besitzer boten einem an, die Strecke bis zu den letzten 700 Stufen zum Gipfel mit dem Kamel zurückzulegen. Doch wir stiegen tapfer weiter bergaufwärts. Immerhin war der gute alte Moses diesen Weg ganze dreimal hochgestiegen - und das im Alter von 80 Jahren! Also, was soll das Gemeckere?
Oben erwartete uns - Dunkelheit. Und ein Kaffee oder eine heiße Schokolade in einer der Berghütten. Wir waren nicht alleine. Etwa 300 andere Leute drängten sich auf dem Gipfel, als der Sonnenaufgang sich ankündigte. In gemietete Wolldecken gehüllt saßen wir alle auf den Felsen. Ein atemberaubendes Schauspiel, wenn die Sonne über dem Sinaigebirge aufgeht.
Nach einem gemütlichen Abendessen ging es dann auch irgendwann ins Bett - nach 42 Stunden ohne richtigen Schlaf.
Ah, und hier ist noch ein Bild von Dahab.
Nachdem wir durch die Gegend gecruisd sind (keine Ahnung wie man das schreibt, wenn man es so schreiben will wie ich es ausspreche... egal) haben wir ein letztes Mal alle bei unserem Stammlokal zu Abend gegessen. Nach dem dritten Essen bekommt man da sogar 50 Prozent Rabat. Cool, oder?
Am nächsten Morgen sind Wiebke und ich heimgefahren. Der Max und der Jan sind noch da geblieben, für einen weiteren Tag Urlaub... - Und wenn sie nicht heimgefahren sind, dann sitzen sie da immer noch, während ich das hier schreibe... Ach ja... *seufzt und denkt an den Urlaub*
Okay, jetzt mal was anderes:
Kommen wir so nach Jerusalem, ja, und was sehen wir? Vor einer Bar steht ein Haufen Orthodoxe und starrt auf den Fernseher. Ich konnte es kaum glauben. Während wir irgendwie geglaubt haben, das Spiel wäre schon rum, gewinnt Deutschland grade mit 4 zu eins! Ich hab gedacht ich werd nich mehr. So eine mittelklassige Vorrunde, und dann sowas? Wow, ich glaube jetzt dich wieder daran, dass wir uns Finale kommen - und da dann gegen Südkorea verlieren oder so. Wie jedes Mal halt.
Um nochmal ein Fazit der letzten Tage zu ziehen:
Wir alle haben viel gesehen und viele interessante und horizonterweiternde Gespräche geführt. Und ich habe endlich einen Haufen Stempel in meinem Reisepass. :)