Samstag, 26. Dezember 2009

Frohe Weihnachten! :)

Hallo ihr Lieben,

Ich wünsche Euch allen zuerst einmal Frohe Weihnachten und auch einen guten Start ins neue Jahr!

Wahrscheinlich interessiert es Euch daheim, wie ich hier Weihnachten gefeiert habe. Dann will ich einfach mal ein bisschen erzählen, wie man hier Weihnachten feiert...
Im Grunde ist das nicht spektakulär. Aber es ist schon anders als daheim. Immerhin ist man hier im Heiligen Land, und ich bin nur ganz wenige Kilometer von dem Ort weg, wo vor 2.000 Jahren Jesus geboren wurde: Betlehem. Man merkt hier aber viel weniger vom Weihnachtsrummel als in Deutschland. Die wenigsten Leute feiern hier die Geburt Jesu. Und deswegen ist man froh, wenn man im ein oder anderen Laden in der Altstadt auf ein bisschen Kitsch stößt. Und so sieht es auch in unserer WG aus, zumindest die Heizung, die an unserem niedrigen Wohnzimmertisch steht: Geschmückt mit Lametta und (von der Sara) selbstgebastelten Fröbelsternen. Kerzen, viel rot, viel Glitzer. An Süßigkeiten mangelt es auch nicht, weil die anderen paketeweise Schokolade und andere Sachen bekommen haben. Zu Essen haben wir also genug gehabt. Außerdem haben wir Plätzchen gebacken. So hat die Weihnachtszeit dann auch bei uns Einzug gehalten.
Wie gesagt, die Weihnachtsstimmung muss man sich selber machen hier - zumindest bis zum 24. Dezember. Dann gab es nämlich eine Weihnachtsfeier von Hagoschrim, mit Weihnachtsliedern und Punsch und einem guten Essen. Und wir haben "schrottgewichtelt", das heißt: Jeder bringt was mit, das er nicht mehr braucht, und das wird dann irgendwie mithilfe einer ausgeklügelten Würfelstrategie verschenkt. Natürlich ist die Menge an nicht mehr zu gebrauchenden Gegenständen relativ eingeschränkt, wenn man im Grunde nur ein Regal und ein Fensterbrett besitzt, wo man seinen Kram verstauen kann. Aber ich habe dann doch etwas gefunden - und auch im Handumdrehen eine wunderschöne, schlichte, blaue, gläserne, UNBRAUCHBARE Blumenvase erstanden. Der Abend hatte sich gelohnt... Spaß beiseite. Es war echt toll. Und von Hagoschrim haben wir jeder ein Keramik-Namensschild mit unserem Namen (auf Deutsch und auf Hebräisch) bekommen.
Nach der Weihnachtsfeier ging es dann zur Erlöserkirche in die Altstadt. Da gab es einen deutsch-protestantischen Weihnachtsgottesdienst, der mich dann ein bisschen an die Landeskirche daheim erinnert hat, wo meine Familie wahrscheinlich um die gleiche Zeit saß. Der Gottesdienst hat dann mit "Oh du Fröhliche" abgeschlossen. Das hat die Stimmung abgerundet.
Der Höhepunkt des Abends war allerdings die Wanderung nach Betlehem. Entlang einer vielbefahrenen Hauptstraße, die uns, den Bewohnern von Gilo, schon vertraut vorkam, ging es auf einen zweieinhalbstündigen Marsch in die Stadt Davids. Wir waren so um die 60 bis 80 Leute, die allermeisten deutsche Volontäre von allen möglichen Organisationen. Es gab interessante Gespräche auf dem Weg, und über den Checkpoint bzw. die Grenze gelangten wir ohne Probleme über die Mauer nach Betlehem.
Wir Hagoschrimer dürfen ja normal nicht in die A-Zone, d.h. in dei Palästinensergebiete. Aber der Ralph Z. aus Hannover (unser Chef) hat uns extra erlaubt, mit der Erlöserkirche da rüberzuwandern.
In Betlehem kamen wir dann so um halb vier Uhr morgens an. Da gab es ein paar kurze Lieder, ein bisschen Tee, und dann sind wir in die Geburtskirche gegangen. Ich habe ja nicht viel erwartet, deswegen war ich nicht allzu enttäuscht. Wie die Grabeskirche in Jerusalem eben auch. Weit ausgebaut, keine Spur mehr vom Betlehem von vor 2.000 Jahren. Und außerhalb der Kirche nur arabische Taxifahrer, die man verscheuchen muss, weil die denken, dass Touristen jeden Preis zahlen, um von einem Auto gefahren zu werden. Wir sind natürlich zu Fuß zum Checkpoint zurück, und dann noch die halbe Stunde nach Gilo hoch. Um 6 Uhr morgens sind wir dann in die Betten gefallen, mit schmerzenden Füßen. gerade dann, als Ben, unser israelischer Volo, zur Frühschicht gegangen ist.

Am 25. Dezember waren wir dann - nach ein bisschen Schlaf - im zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Bach, auch in der Erlöserkirche. Wir - also Eric, Irina, Sara, Dominik und ich. War cool. Danach haben wir in der WG einen Schabbatabend gemacht, mit bisschen gemütlich zusammensitzen und kochen und essen.

Heute, ab zweiten Weihnachtsfeiertag, sind wir nach dem Frühstück in den Gottesdienst in der Jerusalem Assembly in Talpiot gegangen. Eigentlich haben wir sonst nicht viel gemacht. Wir sind wieder viel gelaufen, weil am Schabbat ja keine Busse fahren. Dann haben wir gekocht, gegessen, entspannt - und jetzt ist es Zeit für einen Blogeintrag. Der ein bisschen lange ausgefallen ist, wie ich gerade merke. Ich bin ja noch nicht fertig.

Ich habe an viele Leute Briefe und Postkarten geschrieben. Aber irgendwann haben meine Hände angefangen zu schmerzen. Deshalb hoffe ich, dass diejenigen, denen ich jetzt nichts geschrieben habe, mir nicht böse sind. Für euch ist dieser Eintrag heute. Und natürlich auf für die Anderen. Ich hoffe meine Post ist bei euch angekommen und ihr habt euch gefreut.

Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit, einen schönen Urlaub noch und schöne Weihnachtsferien. Ich muss morgen wieder arbeiten, aber ich hab eine wirklich tolle Zeit gehabt. Weihnachten mit neuen Freunden zu feiern, in Israel, das ist schon toll. Natürlich denkt man auch an die Verwandtschaft und die Familie daheim, aber man kommt drüber weg, weil man hier ja auch nicht alleine feiern muss.

Alles Gute und einen guten Rutsch,
euer Thorsten

Freitag, 11. Dezember 2009

Selbstverteidigung gegen Autisten :D (und anderes)

Mir ist aus verschiedenen Quellen zu Ohren gekommen, dass ich in meinem Blog zu wenig schreiben würde. Hmm, dann will ich mal daran arbeiten.

Die letzte Woche war realtiv geruhsam, was die Arbeit angeht. Dafür hatten wir am Dienstag eine Fortbildung in Tel Aviv. Es gab keine Überschrift über der Einladung, aber es ging grob um die Selbstverteidigung gegen wildgewordene Autisten. Hört sich irgendwie bizarr an. Die meisten von euch wissen wahrscheinlich gar nicht, welchen alltäglichen Gefahren wir ausgesetzt sind. Bei unserer Arbeit lauern Konflikte, Aggressionspotenziale und autistische Brennpunkte auf uns. Was tut man, wenn einer unserer Schützlinge auf dem Klo sitzt und nicht mehr aufstehen will? Oder wenn die Lautstärke des Fernsehers einen von ihnen dazu reizt, den Schrank umzuwerfen?? Das ist die Frage. Und genau dieser Frage sind wir nachgegangen, auf diesem Lehrgang.
Ok, jetzt aber ein bisschen ernsthafter. Es geht bei dieser ganzen Sache natürlich nicht in erster Linie um uns. Ich meine, wie wehrt man sich gegen jemanden, der einen hauen will, aber zwei Köpfe kleiner ist? Oder überhaupt keine Koordination in den Armen hat? Unsere Autisten werden nur dann gewalttätig, wenn sie sich hilflos fühlen und mit einer Situation nicht klarkommen. Und es geht dann nicht darum, wie beschütze ich mich vor diesem Menschen, sondern wie beschütze ich diesen Menschen vor sich selber. Es ist eine Kunst, Gewalt nicht mit Gewalt zu begegnen. Es kommt ja nicht oft vor, dass unsere Leute durchdrehen. Aber wenn mal doch, dann muss man sich und ihnen zu helfen wissen.
Oft sind es nur ganz kleine Tricks und Kniffe, die einen sich anbahnenden Zusammenstoß verhindern. Manchmal brauchen Autisten einfach nur Körperkontakt. Oder auch jemanden, bei dem sie auf ein bisschen Widerstand stoßen. Dann eskaliert die Lage nicht, sondern löst sich einfach von alleine.
Jedenfalls, der Kurs war ganz interessant. Nächste Woche Dienstag geht es dann weiter. Praktisch für Fortgeschrittene.

Oh, heute Abend fängt übrigens Chanukka an, das Lichterfest. Das geht acht Tage lang und erinnert an den siegreichen Aufstand der Juden gegen die griechischen Besatzer, ungefähr andertalb Jahrhunderte vor Christus. Nach der Rückeroberung des Tempels war von dem Lampenöl für den Leuchter im Tempel nur noch ein Krug übrig. Das reicht normalerweise für einen Tag. Das Öl hat aber acht Tage gereicht. Das ist das Chanukka-Wunder, an das erinnert wird an diesem Fest. Deshalb stellen die Familien ihren Leuchter ins Fenster, damit die Leute auf der Straße an das Wunder erinnert werden. Ich denke ich gehe morgen Abend mal nach Mea Schearim, da wo die Orthodoxen wohnen. Vielleicht seh ich da ja ein paar Leuchter stehen. Bin mal gespannt auf die Atmosphäre da.

Gestern war ich in der Mall, dem Einkaufszentrum, das man von Gilo aus sieht. Da gibt's jetzt auch viele Stände mit Chanukka-Leuchtern und anderen Sachen für dieses Fest. Zum Beispiel essen Juden hier an Chanukka immer Berliner, in fett gebraten und gefüllt mit Marmelade. Man isst da so ziemlich alles, was trieft und tropft, weil das an das Ölwunder erinnert.
Und ich habe in der Mall auch einen einzigen Stand gesehen, wo man Schoko-Nikoläuse kaufen kann. Ist das nicht der Hammer?? :D In Deutschland laufen die Läden und Supermärkte über vor Schoko-Nikoläusen, und hier freut man sich, wenn man irgendwo ein bisschen Weihnachtskitsch zu sehen bekommt. Der ist nämlich erschreckend selten. In der Altstadt gibt es einen Laden, wo man Plastik-Tannebäume kaufen kann und Lametta und Schokolade und amerikanisches Weihnachstgedudel. Aber das war's dann auch schon. So eine landesweite, multikulturelle und konfessionsübergreifende Weihnachts-Euphorie, die einen Kaufwahn und überteuerte Preise mit einschließt, gibt es hier nicht. Zumindest habe ich davon noch nicht viel gemerkt. Nur bei den Volos kommt irgendwann der Drang, Plätzle (hochdeutsch Kekse :/ ) zu backen. Gut dass es im Ilan drüben einen großen Ofen gibt. Weil mit unserem kann man höchsten Schnitzel (aus Huhn, selbstverständlich) aufwärmen...

Montag, 7. Dezember 2009

Nikolaustagfeier im Ilan

Hallo zusammen, gestern war ja Nikolaus, und da hat's abends dann so eine Veranstaltung gegeben, von den Jungs im Ilan veranstaltet. War wirklich cool. Viele musikalische Beiträge. Da meine besten Zeiten (was die Musik angeht) leider schon Jahre zurückliegen, habe ich mich dezent im Hintergrund gehalten. Dafür hab ich mich dann in der Küche nützlich gemacht mit ein paar Anderen. Dabei sind dann Kässpätzle rausgekommen. Ich denke mal, dass die meisten mit unserer kulinarischen Beilage zufrieden waren...
Nach dem offiziellen Teil ging's dann erst an's Schischa-Rauchen (hust) und dann irgendwann aufgrund von Frühschichten und so auch ins Bett. Heute morgen hab ich gemerkt, dass ich ja nachmittags frei habe... Ich war vorhin schon in der Stadt und werde mir nachher noch eine Ein-Mann-Portion Spaghetti kochen.
So, das war jetzt detailliert genug, denk ich doch. Achja, morgen haben wir so eine Art Selbstverteidigungskurs gegen wildgewordene Autisten, in Tel Aviv. Bin ich schonmal gespannt. Wir müssen deswegen morgen nicht arbeiten. Aber aufstehen werden wir trotzdem um halb sechs... :D

Freitag, 4. Dezember 2009

Schabbat Schalom

Wir waren grade auf einer Buchvorstellung. Chaim Goren hat bei der Dormitio-Kirche sein Buch über die deutschen Katholiken im Heiligen Land zwischen 1838 und 1910 vorgestellt... War ein bisschen was für Insider, aber man hat auch einiges erfahren über eben jene deutschen Katholiken, die hier Deutschland vertreten haben und gegen eine französische Übermacht in Gastronomie, und Pilgertourismus des 19. Jahrhunderts verteidigt haben. Auch unser Paulushaus beim Damaskustor, wo unsere Einführungsseminare stattfinden, wurde vom Deutschen Verein im Heiligen Lande gebaut. Es sollte eigentlich größer werden als es schließlich wurde, da man mehr Betten für Pilger zur Verfügung stellen wollte als die Franzosen. Aber das Geld hat dann schließlich nicht gereicht.
All solche Geschichten hat er uns erzählt, der Herr Goren. War ganz interessant, find ich. Interessanter wäre es für meinen ehemaligen Geschichtslehrer gewesen, weil der hat doch auch ein Fable für alte Quellen und so. Außerdem saß der deutsche Botschafter eine Reihe vor uns. Ich war natürlich hoffnungslos underdressed, soll heißen ich hatte keinen Anzug mit Krawatte an; aber das Buffet hat trotzdem geschmeckt.

Ich hatte heute frei bzw. Frühschicht. Aber so richtig produktiv war der Tag heute trotzdem nicht, ich weiß nich... :/ Naja. Morgen wird vielleicht besser. Da hab ich dann wirklich frei, ohne Frühschicht. Vielleicht meld ich mich dann wieder.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Advent etc.

Mir ist aufgefallen, dass mein letzter Blogeintrag schon einige Tage zurückliegt. Deswegen will ich mich rasch nochmal melden.

Mittlerweile ist es Dezember und Advent. Letzte Woche am Schabbat waren wir in der Stadt und haben auf dem Adventsbasar ein paar Weihnachtsplätzle verkauft. Der Stand von Hagoschrim war recht übersichtlich, und wir haben viel Gebäck und Stollen verkauft. Das ganze fand neben der Erlöserkirche statt, also praktisch im Preußischen Patriarchat, wenn man das so nennen darf. Es waren viele Deutsche da, und vor allem Volontäre und irgendwelche Leute, die in Israel leben, den Genuss von Glühwein und Lebkuchen aber dennoch nicht missen wollen. ALDI hat der deutschen Botschaft in Tel Aviv extra einen Haufen Weihnachtssachen zur Verfügung gestellt, die dann hier verkauft wurden. Ich weiß jetzt nur nicht, ob die Botschaft das umsonst bekommen hat. Wahrscheinlich nicht. Wird der deutsche Staat vom ALDI gekauft haben, damit die ganzen Exildeutschen in der weiten Welt was zu Essen haben an Weihnachten... Naja, ok. Egal. Jedenfalls war's cool. Der Tag war generell nicht schlecht. Wir waren im Gottesdienst, morgens und abends, in verschiedenen Gemeinden. Und abends ist auf der Ben Yehuda (praktisch so die Jerusalemer Königstraße, für alle die aus der Region Stuttgart kommen) immer was los. Da haben welche gegen die Orthodoxen demonstriert, weil die die Klagemauer für sich allein beanspruchen. Dann gab's ein bisschen HipHop und Breakdance, was von orthodoxen Gegendemonstranten mit lauter Musik übertönt wurde. Und während da der innerjüdische Kampf der Kulturen tobte, haben einige Koreaner weiter oben in der Ben Yehuda christliche Weihnachtslieder gesungen. Zwar auf koreanisch, aber sehr schön.

Vorgestern Abend wollten wir eigentlich alle nach Petach Tikva auf einen Doppelgeburtstag. Dahin sind dann auch alle gegangen - außer ich. Ich hab dann mal spontan den Dienstag arbeiten müssen, was man mir am Montagabend mitgeteilt hat. Ich muss zugeben, ich war ein bisschen stinksauer. Aber was will man machen? :/ Ich hab's überlebt. Und gestern kamen die ganzen Leute zum Hauskreis nach Jerusalem.

Das Wochenende hab ich frei. Mal schauen was ich da mache. Vielleicht findet sich ja irgendwas Interessantes. Ich hab neuerdings die Monatskarte für den Bus. Das lädt einen natürlich ein, einfach mal rumzufahren und jeden Bus zu nehmen, der gerade kommt, ohne sich Sorgen nach dem Preis machen zu müssen.
Also, bis dann :)