Donnerstag, 8. Juli 2010

Heute gegen 16.35 Uhr hat der Gilad-Schalit-Marsch sein letztes Ziel erreicht: Jerusalem. Ich habe in den Nachrichten davon gesehen und war gleich vor Ort, als die Leute aus Richtung Tel Aviv anmarschiert kamen.

Mit diesem Marsch hat es Folgendes auf sich:

Vor vier Jahren wurde der Wehrdienstleistende Gilad Schalit (damals 18) an der Grenze nach Gaza von der Hamas entführt und sitzt seitdem in irgendeinem Keller und wartet darauf, dass sich irgendwas tut. Für die Hamas ist er ein perfektes Druckmittel gegen Israel. Zur Zeit versucht die Terrorvereinigung und Regierung von Gaza mithilfe dieses Druckmittels unzählige (hunderte) gefangene Terroristen aus israelischen Gefängnissen freizupressen. Auch während des letzten Gazakrieges gelang es der israelischen Armee nicht, den Entführten zu befreien.

Der Vater von Gilad Schalit setzt sich seit Jahren nun schon dafür ein, dass die Regierung etwas tut. Er ist überzeugt, dass man seinen Sohn irgendwie freibekommen müsse. Und diese Überzeugung teilt mit ihm ganz Israel. Die Regierung tut ihr Bestes, um in dieser Sache voranzukommen. Deutsche Unterhändler sind an den Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas beteiligt gewesen, aber die Verhandlungen wurden irgendwann abgebrochen. Der Auslöser des Protestmarsches war jedoch eine Rede des israelischen Premierministers Benjamin „Bibi“ Netanjahu, in der er sagte, dass man für Gilad Schalit „einen hohen Preis“ bezahlen würde, jedoch „nicht jeden Preis“. Und das war dem Vater und der ganzen Bewegung zu viel. Die Familie des entführten Soldaten startete einen Marsch, der nun nach 11 Tagen und 205 Kilometern sein endgültiges Ziel in Jerusalem erreicht hatte. Der Vater will hier jetzt so lange warten, bis er seinen Sohn wieder hat.

Ich habe den Einzug der Marschteilnehmer nahe der Central Bus Station mitverfolgt. Viele Fahnen, viel Musik, viel Gemeinschaft. Es wurde skandiert „Gilad habaita“ (Gilad nach Hause). Die Leute sind überzeugt, ihre Regierung müsse und könne mehr für Gilad Schalit tun. Doch im Vorfeld habe ich durchaus auch vereinzelte Demonstranten gesehen, die dagegen waren, jeden Preis für einen einzelnen Soldaten zu zahlen. Die waren aber in der Unterzahl. Im Gan haAtzma’ut (Unabhängigkeitspark) gab es dann einige Reden. Ein Redner hat unter anderem die Bedeutung dieses speziellen Ortes betont: In Israel gäbe es nur einen Menschen, der gerade unfrei sei, und das sei Gilad Schalit. Und der Premierminister müsse mehr dafür tun, damit sich das ändert. Aber alles in allem war diese Aktion nicht ganz so vorwurfsvoll der Regierung gegenüber wie man annehmen sollte. Es handelte sich weniger um einen Protest als um eine Solidaritätsbekundung gegenüber der Familie und dem als Geisel gehaltenen Soldaten selbst.



Die Polizeipräsenz hielt sich in Grenzen, die ganze Aktion lief durchweg friedlich ab. Wie kann es auch anders sein. Die meisten der israelischen Bürger stehen dem Vater des Entführten solidarisch bei. Das hat die Gesellschaft hier so an sich. Man hilft und unterstützt sich gerade in diesen Angelegenheiten. Und gerade auch, weil die meisten Israelis schon in der eigenen Familie miterlebt haben, wie Menschen im Krieg fallen oder als Invaliden zurückkommen.

Es ist nur erstaunlich, dass man in Europa so gut wie nie etwas von Gilad Schalit hört, wenn es um Fragen geht, die Gaza betreffen. Gerade nach dieser Schiffsaktion letztens wurden Stimmen laut, Israel solle doch endlich diese unmenschliche Seeblockade aufheben. Israel solle der Hamas gefälligst entgegenkommen. Hat irgendjemand mal die Stimme erhoben und gefordert, dass die Hamas endlich einen jungen Mann freigeben solle, der seit nunmehr 4 Jahren in Gefangenschaft sitzt und somit 4 der besten Jahre im Leben eines jungen Menschen verloren hat? Vielleicht sollten wir darüber mal nachdenken. Und vielleicht sollten wir fordern, dass Gilad Schalit aus seinem palästinensischen Kerker herauskommt, bevor Israel darüber verhandelt, wie viele Terroristen wieder auf freien Fuß gesetzt werden.


Fußball

Guten Morgen. Es ist schon unglaublich, wie einen Fußball mitnehmen kann. Das merke ich nach solchen Sachen wie gestern immer wieder. Ich mein, das ist ja nix Neues. Letztes Mal gegen Italien war es ja genau das selbe. Dabei hat gestern alles so gut angefangen. Ich hatte mein Abschlussgespräch mit der Chefin vom Hagoschrim-Stützpunkt in Jerusalem, und hab mich danach komischerweise gut gefühlt. Dann waren wir - ein paar Volos -im Unabhängigkeitspark und haben gepicknickt (Mittwoch ist Hauskreistag). Einige von uns haben gegen ein paar Amerikaner und Neuseeländer Fußball gespielt, bis es dunkel wurde. Eine volle Viertelstunde, dann hatte mein Team auch schon hoffnungslos verloren. :D Naja, jedenfalls haben wir bemerkt, dass die auch für Deutschland waren gestern Abend. Deswegen sind wir zusammen in eine Bar gegangen.
Aber eins muss mal gesagt sein: Wer eine sooo miese Vorstellung abgibt, der hat es irgendwie doch nicht anders verdient. Oder?? Ich meine, ich bin ja selber nich so der Fußballer. Aber was war das denn? Von Anfang an hat man von unserer Mannschaft nix gesehen. Der Ballbesitz war in den ersten 30 Minuten vollkommen in der Hand der Spanier. Und wenn wir den Ball hatten, dann haben wir fehlgepasst. Es ist ja nicht so dass wir uns auf defensiv umgestellt haben und deswegen eine unüberbrückbare Betonmauer aus Abwehrspielern in den Strafraum gestellt hätten. Es war einfach stellenweise ein Gegurke.
Waren die Spanier so viel besser? Wahrscheinlich, aber nur auf dem Papier. Wer so viele Chancen, die sich einem bieten, nicht nutzt, der kommt eben doch über ein lausiges 1:0 nicht hinaus. Einmal standen die doch knallhart zu zweit alleine vor dem Tor und haben so lange gewartet, bis unsere Abwehr nachgetrottet kam und den Ball gerettet hat. Ach du meine Güte...
Das Problem bei unseren Jungs war einfach nur, dass wir schonmal gegen Spanien verloren haben. Und dass die einfach eine Mannschaft mit lauter super Spielern sind. Vielleicht hatten wir einfach nur Respekt - Angst - und haben deswegen so defensiv und nervös gespielt. SPANIEN - alleine der Name verschafft schon Respekt. "Wir spielen gegen Spanien - also seid vorsichtig!" Ich habe keine Ahnung, ob der Jogi das wirklich so gesagt hat, aber es könnte ja sein. Leider waren wir ein bisschen zu vorsichtig.
Wie dem auch sei... Ich denke unser Team hat eine super WM gespielt. Wäre ja dämlich, wenn man nicht verlieren könnte. Ärgerlich ist nur, dass wir wahrscheinlich wieder Dritter werden. Wie letztes Mal. Und beim vorletzten Mal waren wir Zweiter. Irgendwann wäre so ein Pokal schon auch schön gewesen. Aber okay. Man kann nicht alles haben.
Stellt euch mal vor, wir hätten im Finale gegen Holland verloren. Ich will ja im Nachhinein, wo sowieso alles vorbei ist, nicht auch noch schwarzmalen. Aber es stimmt doch: Nach so einem Spiel gegen Spanien hätten wir gegen Holland sicher verloren. Hätten wir im Finale den Käsköpfen unterlegen - diese Schmach hätte uns die nächsten 30 Jahre verfolgt. Wann war das mit Cordoba und den Österreichern noch gleich? Achje... Also, sind wir doch froh, dass wir Dritter werden. Sollen sich die Spanier mit den Holländern kloppen. Wir haben unseren Spaß gehabt. Nicht jeder gewinnt 4:0 gegen Argentinien. Außerdem wissen wir jetzt alle, wie so eine komische südafrikanische Tröte heißt. Vuvu, Wutz ... wie dem auch sei.
Ich wünsch euch (trotzdem) noch einen schönen Tag.

Samstag, 3. Juli 2010

Maradona holech habaita

Fußball ist doch eine tolle Sache. Auch wenn man auf Arbeit vor dem Fernseher sitzt (Flachbildschirm, groooß) und das Spiel trotzdem genießt. Wo andere in einer Bar sitzen und mit einer bunt gemischten Truppe von Israelis, Arrgentiniern und Deutschen Weltklassefußball verfolgen, sitze ich mit einer deutschen Mitvolontärin, einem israelischen Worker und dem Vater eines der Autisten im Wohnzimmer des unteren Stockwerks. Und auf einer Skala von 100 Punkten war die Stimmung in diesem Wohnzimmer bei etwa dreizehn. Aber es war trotzdem toll.
Hallo? Wer gewinnt im Viertelfinale schon 4:0 gegen Argentinien?? Da muss man unsere Mannschaft mal loben, oder? Als der Kommentator dann auf hebräisch gesagt hat "Maradona holech habaita" - "Maradona fährt nach Hause", da hat mein Herz höher geschlagen. :D
In Deutschland ist man da bestimmt schon immun gegen alle Gefühle; die meisten sind wohl schon vom Weltmeistertitel für unsere Mannschaft überzeugt. Man kann ja gar nicht anders: Public Viewing, Autokorsos, Fanartikel, Schwarz-Rot-Gold... Hier, aus der Ferne betrachtet, sieht man viele Dinge ein bisschen nüchterner. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir gute Chancen haben. Spanien wird schwer, aber dafür wird das Finale, wo wir dann die Holländer wegfegen, umso schöner. Mann, ich freu mich.

So, ich hab übrigens noch knapp drei Wochen bis ich aufhöre zu arbeiten und meine zwei Wochen Urlaub hier beginne. Und dann geht's ab nach Hause. :) :/ :S

Sonntag, 27. Juni 2010

SINAI TRIP Teil 2: Sinai :)

So, nachdem wir wieder drüben in Israel waren, haben wir uns mit Jan verabredet, der gerade die ägyptische Grenze übertreten hatte, ohne zu wissen, dass wir noch gar nicht in Ägypten sind. Nach erneuter Zahlung von besagten 98,50 Schekeln - dieses Mal an der ägyptischen Grenze - saßen wir auch schon bald im Sammeltaxi nach Dahab. Erste Eindrücke von der Landschaft:


In Dahab angekommen suchten wir uns ein Hotel und haben den ersten gemeinsamen Urlaubstag in Ägypten in einem der Strandrestaurants ausklingen lassen. Auf unserem Plan stand auch die Besteigung des Mount Sinai, wo Moses die Gesetzestafeln empfangen hat. Diese Aktion geht normalerweise über Nacht, weshalb man abends von Dahab aus aufbricht. Wir hatten aber erfahren, dass es am nächsten Abend keine Möglichkeit geben sollte, dorthin zu kommen. Also mussten wir das Ganze am ersten Abend starten.
Gegen 22:30 ging es mit dem Hotel-Bus los zum Mount Sinai. Bei gefühlten 50 Grad im Auto und gefühlten 30 Personen auf den Sitzbänken tuckerten wir durch die Nacht. Der Aufstieg dauerte dann von 1 Uhr bis 4 Uhr nachts. Dunkel, eiskalt und erschöpfend - als wir oben waren war ich am Ende. Gegen meine Erwartung, muss ich zugeben. Aber der steinige Weg geht schon auf die Beine, wenn man 344 Meter bei Dunkelheit überwindet. Nur der Mond schien, und der schien hell. Kamele am Wegesrand warfen ihre Schatten, und ihre Besitzer boten einem an, die Strecke bis zu den letzten 700 Stufen zum Gipfel mit dem Kamel zurückzulegen. Doch wir stiegen tapfer weiter bergaufwärts. Immerhin war der gute alte Moses diesen Weg ganze dreimal hochgestiegen - und das im Alter von 80 Jahren! Also, was soll das Gemeckere?
Oben erwartete uns - Dunkelheit. Und ein Kaffee oder eine heiße Schokolade in einer der Berghütten. Wir waren nicht alleine. Etwa 300 andere Leute drängten sich auf dem Gipfel, als der Sonnenaufgang sich ankündigte. In gemietete Wolldecken gehüllt saßen wir alle auf den Felsen. Ein atemberaubendes Schauspiel, wenn die Sonne über dem Sinaigebirge aufgeht.

Nach dem Sonnenaufgang stiegen wir wieder runter. Das Katharinenkloster war noch zu, deswegen warteten wir im Bus - der auf die wartenden Leute wartete, die darauf warteten, dass das Kloster aufmachte... Wie dem auch sei: Wir vier sind nicht ins Kloster gegangen. Wir haben im Bus geschlafen, mehr oder weniger. Der Heimweg sah dann so aus.

Mit viel Fels und Gestein am Wegesrand. Und sogar ein bisschen wie eine dieser berühmten Sandwüsten hat es ausgesehen. Mit echtem Sand. Weil - entgegen aller Erwartungen und Vorstellungen - bestehen Wüsten wie die Sahara und so ja größtenteils aus Geröll und Felsen, und nicht aus Sand.


In Dahab zurück ging es erstmal an den Strand und ins Wasser. Schnorcheln war angesagt. Zwar sehe ich als Kurzsichtiger unter Wasser so gut wie nix von den Korallenriffen, aber es war trotzdem cool. Schon was anderes als die üblichen Algen. Glaubt man gar nicht, dass da unter Wasser noch so eine Parallelgesellschaft von Blumen und Fischen existiert.
Nach einem gemütlichen Abendessen ging es dann auch irgendwann ins Bett - nach 42 Stunden ohne richtigen Schlaf.

Ah, und hier ist noch ein Bild von Dahab.


Im Laufe der zwei ganzen Tage Sinai-Urlaub sind wir dann auch noch Quad gefahren. Die zwei Jungs waren irgendwie nicht so motiviert, deswegen sind nur Wiebke und ich gefahren. Gegen den Staub und so muss man sich ordentlich verschleiern. Die Bilder hat allerdings die Wiebke. Muss mal fragen ob ich die irgendwie meinen Lesern zugänglich machen kan...

Nachdem wir durch die Gegend gecruisd sind (keine Ahnung wie man das schreibt, wenn man es so schreiben will wie ich es ausspreche... egal) haben wir ein letztes Mal alle bei unserem Stammlokal zu Abend gegessen. Nach dem dritten Essen bekommt man da sogar 50 Prozent Rabat. Cool, oder?
Am nächsten Morgen sind Wiebke und ich heimgefahren. Der Max und der Jan sind noch da geblieben, für einen weiteren Tag Urlaub... - Und wenn sie nicht heimgefahren sind, dann sitzen sie da immer noch, während ich das hier schreibe... Ach ja... *seufzt und denkt an den Urlaub*

Okay, jetzt mal was anderes:

Kommen wir so nach Jerusalem, ja, und was sehen wir? Vor einer Bar steht ein Haufen Orthodoxe und starrt auf den Fernseher. Ich konnte es kaum glauben. Während wir irgendwie geglaubt haben, das Spiel wäre schon rum, gewinnt Deutschland grade mit 4 zu eins! Ich hab gedacht ich werd nich mehr. So eine mittelklassige Vorrunde, und dann sowas? Wow, ich glaube jetzt dich wieder daran, dass wir uns Finale kommen - und da dann gegen Südkorea verlieren oder so. Wie jedes Mal halt.

Um nochmal ein Fazit der letzten Tage zu ziehen:
Wir alle haben viel gesehen und viele interessante und horizonterweiternde Gespräche geführt. Und ich habe endlich einen Haufen Stempel in meinem Reisepass. :)

SINAI TRIP Teil 1: Jordanien

Vorhin bin ich aus dem Sinai heimgekommen, und ich habe gedacht ich muss gleich mal Bericht erstatten. Hier die ganze Geschichte.

Wir - Wiebke, Max und ich, sind am Donnerstagmorgen schon früh aufgebrochen. Spontan wollten wir uns am nächsten Tag in Dahab mit Jan treffen, einem anderen Volontär, der sich am Voratg noch angekündigt hatte. Nach langem Kampf und langer Planung haben wir endlich alle zur verabredeten Zeit freibekommen. Vier Tage Urlaub in Ägypten. Die Vorfreude war schon ziemlich groß.
Von Jerusalem aus haben wir den Bus nach Eilat ans Rote Meer genommen. Von dort wollten wir weiter nach Ägypten. Jetzt ist es aber ja so, dass junge Menschen heute relativ spontan sind und auch sein müssen. Kurz vor Eilat schau ich so aus dem Fenster raus auf die andere Seite des Tals. Da sagt der Max: "Das da drüben is Aqaba, nä?" Ich dachte mir nur so: "Hmm." Und irgendwie hatten wir dann alle den gleichen Gedanken. Wenn wir schonmal hier sind, dann schauen wir doch gleich auch mal bei den Jordaniern vorbei. Gesagt, getan. Statt an die ägyptische sind wir eben an die jordanische Grenze gefahren. Dort verabschiedete uns der israelische Staat mit einer Gebühr von umgerechnet 20 Euro, während auf der anderen Seite das strahlende Gesicht von Abdullah dem Soundsovielten ein "Herzlich Willkommen!" auf den Lippen hatte.
Unser Ziel war Petra. Das ist nicht etwa die deutsche Köchin von eben diesem Abdallah, sondern eine von den Nabatäern bebaute Schlucht irgendwo in Richtung Norden. Die wichtigste Touristenattraktion des Landes. Angeblich fahren dorthin preiswerte Busse. Wir haben die Variante mit dem Taxi genommen.

Petra hat sich wirklich gelohnt. Zwar zahlt man sich da - um Klartext zu reden - dumm und dämlich, aber man bekommt eine sowohl archäologische als auch geologische Faszination zu bieten, die man in Europa selten findet. Alte Grabstätten von Königen und bedeutenden PrivatpersonenIch habe ich da mal zwei, drei Bilder. Die Fakten zu Petra spare ich mir. Oder ich fasse sie kurz zusammen: Die Nabatäer haben Petra vor 2.200 Jahren gebaut. Reich wurden sie, weil sie die vorbeiziehenden Handelskarawanen mit Steuern belegt haben. Baustil beeinflusst von den Griechen, aber mit deutlicher nabatäischer Note - wie ein Prospekt sagt.



Die Übernachtung war - verglichen mit Taxi und Schlucht - preiswert. Außerdem war es sauber. Und eine jordanische Hochzeit konnten wir über den Balkon verfolgen.
Zwischenfazit: Von meinem Sinai-Geld war nichts mehr übrig. Aber es war okay. Der erste Teil unserer Reise war anders verlaufen als erwartet, aber es war schon jetzt eine unvergleichliche Zeit.

Am nächsten Morgen sollte es dann wirklich in Richtung Sinai gehen. Mit Bus und arabischer Musik ging es nach einem Frühstück mit Aussicht auf die Stadt wieder zurück nach Aqaba, von wo aus wir die Grenze überquerten. Zum Abschied grinsten wieder Vater und Sohn, Hussein und Abdullah.


Samstag, 19. Juni 2010

War wohl nix... :/

Gestern hat ja Deutschland gespielt... Wie wir alle wissen, ist das Spiel nicht so der Hammer gewesen. Wie das in Israel so ist, kann man auch auf Arbeit Fußball schauen. Das haben wir auch gemacht. Aber wie gesagt, ich habe mir eigentlich mehr versprochen. Von den über 90% Passgenauigkeit, die unsere Jungs im Spiel gegen Australien vorweisen konnten, war nicht viel zu sehen. Chance hatten wir ja ein paar. Am Abschluss fehlte es halt. Und die langen Bälle auf Özil haben auch gefehlt. Und der Schiri war ein .... okay, egal. Übertrieben viele gelbe Karten. Serbien hat jetzt ja auch nicht das Hammerspiel abgeliefert, aber die haben halt das Tor geschossen. Was soll man machen? Noch ist ja nicht aller Tage Abend. Der nächste Sieg (und zwar gegen Ghana) kommt bestimmt.

Ich jedenfalls habe jetzt eine stressige Arbeitswoche vor mir - zumindest bis Mittwoch. Denn nach dem Hauskreis oder vielleicht auch erst am Donnerstagmorgen geht's ins SINAI (Ägypten). Wow, nach über 10 Monaten am Stück in einem einzigen Land - das habe ich in Deutschland seit Jahren nicht geschafft - bekomme ich endlich einen Haufen Stempel in meinen Pass. Wahrscheinlich versteht ihr mich nicht, aber für mich gibt es nichts Erfüllenderes* als ein gefüllter Reisepass mit Stempeln drinne.
*(natürlich maßlos übertrieben)

Jedenfalls, ab Donnerstag hab ich FREI! Zu Beginn meines Jahres hier habe ich ja gedacht, ich könne alles in ein paar Wochen bevor ich heimfliege nachholen, was ich im Laufe des Jahres nicht gemacht/gesehen habe. Jetzt habe ich gemerkt, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Aufgrund unserer Arbeitssituation und meinem um 2 Tage nach vorne verlegten Rückflug gehe ich davon aus, dass ich vor meinem Rückflu so um die 4 Tage Urlaub habe... Damit kann man nix anfangen, außer irgendwo am Strand zu liegen... Deswegen bin ich doch sehr sehr froh, dass ich wenigstens ins Sinai komme, und das schon nächste Woche :)

Donnerstag, 17. Juni 2010

Die Charedim protestieren

Heute war ich mit Sara wieder einmal zu Besuch bei Hilde, der Holocaustüberlebenden, die wir ab und zu sehen und ihre Briefe für sie beantworten. Sie wohnt in Pisgat Se'ev, einem Teil von Nordjerusalem, in Richtung Ramallah. Als wir dann zurück wollten, fuhr kein Bus. Auch unter den anderen Wartenden war die Verwunderung groß. Ein älterer Israeli hat uns dann angesprochen und wollte sich mit uns und einer Frau zusammen ein Taxi nehmen. Das haben wir dann auch gemacht. Für zehn Schekel pro Person in die Stadt. Ein super Angebot.
Wie dem auch sei, der Grund für die ausgefallenen Busse war folgender: In der Jerusalemer Innenstadt, in den Orthodoxenvierteln rund um die Yirmiyahu-Straße, gab es eine riesige Protestaktion der Charedim. Ich habe gerade bei der Jerusalem Post nachgeschaut. Es waren fünfzigtausend Leute. Das Taxi hat uns durch die kompletten Vorstädte gefahren. Da war alles voll von Orthodoxen, die auch zu der Demo gegangen sind. Viele Straßen waren gesperrt. Kurz gesagt: Es war ein unglaubliches Balagan. Irgendwann, in der Nähe der Central Bus Station, hat es mir dann gereicht. - Ich bin ausgestiegen und habe gedacht: Wenn ich schonmal meinen Fotoapparat dabei habe, dann muss ich mir daas doch mal ansehen.
Mit einem knallroten Hawaii Surf T-Shirt und in Sandalen habe ich mich unter jene Fünfzigtausend gemischt, die da protestiert haben. Neben mir gab es da noch etwa fünf Kameraleute und Fotografen. Ansonsten war ich unter tausenden schwarz-weiß gekleideten Orthodoxen alleine.

In Israel ist es Brauch, dass die Polizei bei Demonstrationen die Straßen mit quergestellten Reise- und Linienbussen blockieren lässt und so für den Verkehr sperrt. In einen dieser Busse bin ich dann irgendwie reingekommen und habe von da die perfekte Position gehabt, um Fotos zu schießen. Allerdings waren die Fenster dreckig, und die Fotos haben leider nicht Blog-Qualität erreicht. Die guten Bilder habe ich der Menge raus geschossen.

Die Gründe für die Proteste will ich unten erklären. Aber erst einmal sollt ihr ein paar Fotos sehen. - Das ist einer der Gründe, warum ich Israel so liebe: Immer gibt es irgendeine Gruppe, die Stress macht. Und dann genieße ich es regelrecht, mittendrin zu sein.






































































Die Gründe für die Proteste sind für mich auch noch nicht ganz schlüssig. So wie ich das verstanden habe - nach einiger Recherche im Internet - hat das Parlament ein Gesetz verabschiedet, wonach Charedim (ultraorthodoxe Juden, meist aus Osteuropa) ihre Kinder mit sefardischen Kindern (Sefardim = orthodox, sprechen aber kein Jiddisch. Spanischstämmige Juden aus Griechenland, Marokko, usw.) auf dieselbe Schule schicken müssen, wenn sich keine andere Möglichkeit bietet. Da haben die Charedim allerdings was dagegen. Denn ihre Tradition unterscheidet sich von der der Sefardim in einigen (kleineren) Punkten.
Wie dem auch sei: Charedische Eltern kommen ab jetzt zwei Wochen ins Gefängnis, wenn sie das neue Gesetz nicht befolgen und ihre Kinder nicht mit sefardischen Kindern auf dieselbe Schule gehen lassen wollen. Ob das eine Lösung ist...? Naja.

Das ist eines der Probleme der israelischen Gesellschaft - die wunderbare Vielfalt.
Die einen sind mehr religiös, die anderen weniger. Andere wiederum sind mehr oder weniger religiös. Wieder andere sind gar nicht religiös. Und dann gibt es die Charedim, die sind ultrareligiös. Da spricht ja nichts dagegen, das ist auch nicht negativ zu bewerten. Allerdings muss man folgendes beachten: Die Charedim zahlen keine Steuern. Die Charedim machen keinen Wehrdienst (den hier jeder macht). Sie erkennen - wenn man es genau nimmt - den Staat Israel nicht an, denn der entgültige Staat Israel wird vom Messias errichtet.

Der ältere Israeli aus dem Taxi hat uns das dann ganz knapp erklärt, in einem Satz: "They hate us." - "Sie hassen uns." Die Charedim würden sich für etwas Besseres halten. Der Mann kam aus Marokko. Er war der Meinung, dass sich der Konflikt wahrscheinlich erst durch das Kommen des Messias klären würde. Und dann würden die Charedim die ersten sein, die ihr Fett abbekommen.
Doch im Moment lässt sich da nix machen. Die Leute sind der Meinung, dass man die Orthodoxen eben demonstrieren lassen soll. Sie konnten heute nichts weiter tun, als laut zu hupen, wenn wieder eine Gruppe schwarzweiß gekleideter Männer bei Rot über eine Ampel lief.