Hallo ihr Lieben,
Ich wünsche Euch allen zuerst einmal Frohe Weihnachten und auch einen guten Start ins neue Jahr!
Wahrscheinlich interessiert es Euch daheim, wie ich hier Weihnachten gefeiert habe. Dann will ich einfach mal ein bisschen erzählen, wie man hier Weihnachten feiert...
Im Grunde ist das nicht spektakulär. Aber es ist schon anders als daheim. Immerhin ist man hier im Heiligen Land, und ich bin nur ganz wenige Kilometer von dem Ort weg, wo vor 2.000 Jahren Jesus geboren wurde: Betlehem. Man merkt hier aber viel weniger vom Weihnachtsrummel als in Deutschland. Die wenigsten Leute feiern hier die Geburt Jesu. Und deswegen ist man froh, wenn man im ein oder anderen Laden in der Altstadt auf ein bisschen Kitsch stößt. Und so sieht es auch in unserer WG aus, zumindest die Heizung, die an unserem niedrigen Wohnzimmertisch steht: Geschmückt mit Lametta und (von der Sara) selbstgebastelten Fröbelsternen. Kerzen, viel rot, viel Glitzer. An Süßigkeiten mangelt es auch nicht, weil die anderen paketeweise Schokolade und andere Sachen bekommen haben. Zu Essen haben wir also genug gehabt. Außerdem haben wir Plätzchen gebacken. So hat die Weihnachtszeit dann auch bei uns Einzug gehalten.
Wie gesagt, die Weihnachtsstimmung muss man sich selber machen hier - zumindest bis zum 24. Dezember. Dann gab es nämlich eine Weihnachtsfeier von Hagoschrim, mit Weihnachtsliedern und Punsch und einem guten Essen. Und wir haben "schrottgewichtelt", das heißt: Jeder bringt was mit, das er nicht mehr braucht, und das wird dann irgendwie mithilfe einer ausgeklügelten Würfelstrategie verschenkt. Natürlich ist die Menge an nicht mehr zu gebrauchenden Gegenständen relativ eingeschränkt, wenn man im Grunde nur ein Regal und ein Fensterbrett besitzt, wo man seinen Kram verstauen kann. Aber ich habe dann doch etwas gefunden - und auch im Handumdrehen eine wunderschöne, schlichte, blaue, gläserne, UNBRAUCHBARE Blumenvase erstanden. Der Abend hatte sich gelohnt... Spaß beiseite. Es war echt toll. Und von Hagoschrim haben wir jeder ein Keramik-Namensschild mit unserem Namen (auf Deutsch und auf Hebräisch) bekommen.
Nach der Weihnachtsfeier ging es dann zur Erlöserkirche in die Altstadt. Da gab es einen deutsch-protestantischen Weihnachtsgottesdienst, der mich dann ein bisschen an die Landeskirche daheim erinnert hat, wo meine Familie wahrscheinlich um die gleiche Zeit saß. Der Gottesdienst hat dann mit "Oh du Fröhliche" abgeschlossen. Das hat die Stimmung abgerundet.
Der Höhepunkt des Abends war allerdings die Wanderung nach Betlehem. Entlang einer vielbefahrenen Hauptstraße, die uns, den Bewohnern von Gilo, schon vertraut vorkam, ging es auf einen zweieinhalbstündigen Marsch in die Stadt Davids. Wir waren so um die 60 bis 80 Leute, die allermeisten deutsche Volontäre von allen möglichen Organisationen. Es gab interessante Gespräche auf dem Weg, und über den Checkpoint bzw. die Grenze gelangten wir ohne Probleme über die Mauer nach Betlehem.
Wir Hagoschrimer dürfen ja normal nicht in die A-Zone, d.h. in dei Palästinensergebiete. Aber der Ralph Z. aus Hannover (unser Chef) hat uns extra erlaubt, mit der Erlöserkirche da rüberzuwandern.
In Betlehem kamen wir dann so um halb vier Uhr morgens an. Da gab es ein paar kurze Lieder, ein bisschen Tee, und dann sind wir in die Geburtskirche gegangen. Ich habe ja nicht viel erwartet, deswegen war ich nicht allzu enttäuscht. Wie die Grabeskirche in Jerusalem eben auch. Weit ausgebaut, keine Spur mehr vom Betlehem von vor 2.000 Jahren. Und außerhalb der Kirche nur arabische Taxifahrer, die man verscheuchen muss, weil die denken, dass Touristen jeden Preis zahlen, um von einem Auto gefahren zu werden. Wir sind natürlich zu Fuß zum Checkpoint zurück, und dann noch die halbe Stunde nach Gilo hoch. Um 6 Uhr morgens sind wir dann in die Betten gefallen, mit schmerzenden Füßen. gerade dann, als Ben, unser israelischer Volo, zur Frühschicht gegangen ist.
Am 25. Dezember waren wir dann - nach ein bisschen Schlaf - im zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Bach, auch in der Erlöserkirche. Wir - also Eric, Irina, Sara, Dominik und ich. War cool. Danach haben wir in der WG einen Schabbatabend gemacht, mit bisschen gemütlich zusammensitzen und kochen und essen.
Heute, ab zweiten Weihnachtsfeiertag, sind wir nach dem Frühstück in den Gottesdienst in der Jerusalem Assembly in Talpiot gegangen. Eigentlich haben wir sonst nicht viel gemacht. Wir sind wieder viel gelaufen, weil am Schabbat ja keine Busse fahren. Dann haben wir gekocht, gegessen, entspannt - und jetzt ist es Zeit für einen Blogeintrag. Der ein bisschen lange ausgefallen ist, wie ich gerade merke. Ich bin ja noch nicht fertig.
Ich habe an viele Leute Briefe und Postkarten geschrieben. Aber irgendwann haben meine Hände angefangen zu schmerzen. Deshalb hoffe ich, dass diejenigen, denen ich jetzt nichts geschrieben habe, mir nicht böse sind. Für euch ist dieser Eintrag heute. Und natürlich auf für die Anderen. Ich hoffe meine Post ist bei euch angekommen und ihr habt euch gefreut.
Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit, einen schönen Urlaub noch und schöne Weihnachtsferien. Ich muss morgen wieder arbeiten, aber ich hab eine wirklich tolle Zeit gehabt. Weihnachten mit neuen Freunden zu feiern, in Israel, das ist schon toll. Natürlich denkt man auch an die Verwandtschaft und die Familie daheim, aber man kommt drüber weg, weil man hier ja auch nicht alleine feiern muss.
Alles Gute und einen guten Rutsch,
euer Thorsten