Freitag, 4. Juni 2010

Es wird wieder ein bisschen ruhiger...

Vorgestern war ich in der Stadt und hab mich ein bisschen umgesehen. Aber es gab eigentlich wirklich nicht viel Neues. In der Altstadt wurde eine einsame Gruppe von Pilgern von einem Polizist und zwei hübschen Polizistinnen begleitet, während eine alte arabische Frau rumgekeift und geflucht hat. An einem Kleinbus und an einem Souvneir-Shop war eine türkische Flagge zu sehen. Aber das war's dann auch... Von politischer Stimmung nicht viel zu spüren, jedenfalls nicht zu dem Zeitpunkt als ich gerade da war.


In der Neustadt hat es dann einen Umzug gegeben mit vielen Israel-Flaggen und ein paar Traktoren. Für mich war nicht ganz schlüssig, ob sich das jetzt irgendwie auf die Vorkommnisse mit Gaza und so bezieht oder nicht. Jedenfalls alles patriotisch in blau-weiß.

Währenddessen beginnt sich die Welt zu beruhigen. Nur in der Türkei brodelt es noch ein bisschen... In Istanbul wurden gestern die Opfer der Kämpfe auf der Mavi Marmara beigesetzt. Begleitet wurde das Ganze von Demonstrationen. Laut n24 haben die Menschen skandiert "Wir sind alle Soldaten der Hamas!" Einige Israel-Fahnen wurden verbrannt. Aber okay - Istanbul hat 13 Millionen Einwohner. Da sind einige zehntausend Radikale nicht so alarmierend.
Nicht einmal eine Woche nach den Vorkommnissen ist in den Medien das Interesse schon allmählich am verschwinden. Die vielen Videos - sowohl der Armee als auch der Aktivisten - zeigen wohl zu deutlich, wer wirklich angefangen hat Leute mit Eistenstangen zu traktieren. Die Vorwürfe gegen Israel verlieren ihre Grundlagen. Die Öffentlichkeit beruhigt sich wieder.

Dienstag, 1. Juni 2010

Aktuelle Übersicht über die gestrigen Ereignisse und ihre Folgen

Hier bin ich wieder. Ich dachte mir, dass ich hier die Weltöffentlichkeit ein bisschen über die aktuellsten Geschehnisse auf dem Laufenden halte. Das tue ich aus folgenden Gründen (für alle, die erst gerade eben zugeschaltet haben):

Erstens: Es hat wieder einmal eine unangenehme Situation gegeben, die einigen Menschen das Leben gekostet hat. Und jetzt zerreißt die ganze Welt Israel erstmal in der Luft, solange die wahren Hintergründe noch nicht geklärt sind.

Zweitens: Der israelische Staat ist zu dumm, um eine anständige PR-Abteilung einzurichten, wie zum Beispiel die Palästinenser eine haben.

Deswegen will ich mal ein paar interessante Tatsachen und Fakten hervorheben, die den interessierten Leser vielleicht interessieren würden. Vielleicht erkennt der eine oder andere im Nachhinein, dass Israel oft zu Unrecht verurteilt wird und dass die Welt nur darauf wartet, dass Israel einen Fehler macht.


Die Fakten sind (Stand heute, 20 Uhr):

Es wurden nach jetzigem Stand gestern Nacht 9 Menschen getötet. Klar, jeder Mensch ist einer zu viel, aber gestern wurde aus verschiedenen Quellen noch behauptet es wären 19 oder sogar mehr als 20 gewesen.

Gestern wurde im Laufe des Tages noch behauptet, dass der Führer der Islamischen Bewegung in Israel, Raed Salah, bei dem "Angriff" der israelischen Truppen auf dem Schiff getötet worden sei. Das ließ natürlich gleich die Vermutung laut werden, dass er vom israelischen Militär bei der sich bietenden Gelegenheit gezielt ermordet worden sein könnte. Wie sich jetzt herausstellte, ist Salah putzmunter und wurde von den Soldaten lediglich in Gewahrsam genommen.

Das Wichtigste:
Die israelischen Truppen haben in Notwehr gehandelt. Behauptungen, die Soldaten hätten sich leise auf das Schiff begeben und dann auf schlafende Demonstranten geschossen, sind schlichtweg gelogen.
Interessant: Die riesigen Gewehre, die man auf den Bildern und Videos sieht, schießen lediglich Paintball-Kugeln, verursachen also blaue Flecken. Die scharfe Munition, also die Pistolen, waren auf dem Rücken der Soldaten angebracht. Erst nachdem man die Erlaubnis eingeholt hatte, wurden diese benutzt. Zu dem Zeitpunkt hatten Demonstranten allerdings schon auf die Soldaten geschossen - mit eben zwei dieser israelischen Pistolen, die sie vorher aus den Halftern der Soldaten entwendet hatten.


Ausschlaggebend ist bei dieser ganzen Sache ja, wer den Stress angefangen hat bzw. wer zuerst scharf geschossen hat. Hierzu einige Zitate und Berichte aus israelischen Kreisen.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte hierzu schon gestern:

[...] Es handelt sich hier um einen klaren Fall der Selbstverteidigung. Israel kann das freie Einfließen von Waffen und Raketen in die Terrorbasis der Hamas in Gaza nicht zulassen. Es ist eine Terrorbasis, die vom Iran unterstützt wird; sie hat bereits Tausende von Raketen auf israelische Städte abgefeuert; sie versucht Tausende mehr zu schmuggeln, und daher muss Israel die Güter inspizieren, die in den Gaza-Streifen gelangen.

Dies ist auch deswegen ein klarer Fall von Selbstverteidigung, weil unsere Soldaten bei der Überprüfung der Schiffe angegriffen wurden – sie wurden beinahe gelyncht. Sie wurden mit Knüppeln, Messern, womöglich mit scharfer Munition angegriffen; sie mussten sich verteidigen, sonst wären sie getötet worden. Israel wird nicht zulassen, dass seine Soldaten gelyncht werden, wie es auch kein anderes anständiges Land tun würde.

Unsere Politik ist ganz einfach. Wir sagen: Alle humanitären Hilfsgüter für Gaza dürfen hinein. Was wir verhindern wollen, ist die Einfuhr von Kriegsmaterial – von Raketen und Zubehör, das man für die Herstellung für Raketengehäuse benötigt. Das ist unsere Politik, und gestern sagten wir der Flottille – die keine einfache, unschuldige Flottille war -, sie solle ihre Ladung nach Ashdod bringen. Wir sagten ihnen, wir würden die Ladung überprüfen und die Güter, die nicht zur Raketenproduktion verwendet werden können, in den Gaza-Streifen lassen.

Fünf der sechs Schiffe akzeptierten diese Bedingungen ohne Gewalt. Das sechste Schiff, das größte, das Hunderte von Menschen an Bord barg, hatte offensichtlich einen vorsätzlichen Plan, den Soldaten Leid anzutun. Als sich die ersten Soldaten auf das Deck des Schiffes hinab ließen, wurden sie von einem gewalttätigen Mob attackiert und gezwungen, ihr Leben zu verteidigen. In jener Situation fanden die bedauerlichen Ereignisse statt.

Wir haben eine einfache Politik, die wir fortsetzen werden. Diese Politik lautet: Wir haben keinen Streit oder Konflikt mit der Bevölkerung Gazas. Wir sind daran interessiert, sie weiter ihrer alltäglichen Routine nachgehen zu lassen. Wir wollen jedwede humanitäre Krise in Gaza verhindern, aber wir bekämpfen die Hamas, die die Bürger Israel bedroht und Raketen auf israelische Städte abfeuert. Es ist unsere Pflicht, die Bürger Israels zu verteidigen, Israels Städte zu schützen und die Sicherheit des Staates Israel zu gewährleisten – und wir werden dies auch weiterhin auch.


Die israelische Botschaft in Berlin gab gestern bekannt:

[...] Während des Abfangens der Schiffe griffen die Demonstranten an Bord die Einsatzkräfte der israelischen Marine mit scharfer Munition und Waffen wie Messern und Knüppeln an. Eines der benutzten Gewehre war zuvor einem israelischen Soldaten entrissen worden. Die Demonstranten hatten ihre Waffen ganz klar für diesen bestimmten Zweck bereitgehalten.

Infolge dieser lebensbedrohlichen und gewalttätigen Handlungen setzten die Marinetruppen Mittel zur Krawallzerstreuung ein, einschließlich scharfer Munition.

Laut ersten Berichten resultierten die Vorgänge im Tod von mehr als zehn Demonstranten und zahlreichen Verletzten; außerdem wurden mehr als vier Marinesoldaten verletzt, von Schusswaffen und verschiedenen anderen Waffen. Zwei der Soldaten sind mittelschwer verletzt, die übrigen trugen leichte Verletzungen davon. Alle Verwundeten, Israelis und Ausländer, werden derzeit per Hubschrauber in israelische Krankenhäuser gebracht.

Israelische Truppen vor Ort berichteten, dass einige der Beteiligten an Bord der Schiffe offensichtlich planten, die Soldaten zu lynchen. [...]


Im Nachhinein fanden die Soldaten auf dem Schiff, der Mavi Marmara, zahlreiche Waffen. Es sieht alles danach aus, als hätten die "Friedensaktivisten" nur darauf gewartet, einige Soldaten zu lynchen. Die optimale Gelegenheit für so manchen Free-Palestine-Demonstranten, einmal weit weg von Justiz und Polizei seinen Beitrag an der Befreiung der Palästinenser zu leisten.

Sogar auf tagesschau.de wird berichtet, dass wohl doch nicht alles so friedlich und unbescholten ablaufen sollte:

Außer den Eisenstangen fand die Armee bei den Aktivisten auf dem Schiff Messer, Steinschleudern und die dazugehörige Munition - Glasmurmeln - sowie Tränengas. Auf den Videos der Armee sind auch Schüsse zu hören während der Kommandeur des Schiffs warnt: "Alle Brüder an Deck! Wir haben weitgehend die Kontrolle über das Schiff verloren. Bitte kommt runter und nehmt Eure Plätze ein." Der Kommandeur des Schiffes "Mavi Marmara" fordert die Passagiere auf, sich hinzusetzen.

Entschuldigt mich, dass ich hier immer so harte Worte im Bezug auf ein freies Palästina benutze. Ich persönlich habe nichts gegen Araber und Palästinenser. Aber mich macht es wütend, wie schnell wir uns in der westlichen Welt dazu hinreißen lassen, irgendeine Position einzunehmen. Und das betrifft vor allem unsere Staatsoberhäupter. Nach meiner Einschätzung haben die israelischen Soldaten alles richtig gemacht. Sie wollten das Schiff besetzen, in den Hafen von Aschdod bringen, dort die Ladung kontrollieren und dann nach Gaza weiterleiten. Wie das eben auch öfters schonmal passiert ist. Dann haben sich die Passagiere jedoch mit Waffen gegen die Autorität, die praktisch die Grenzkontrollen durchführen sollte, erhoben. Es kam zu Toten und Verletzten. Aber wer ist letztendlich daran schuld? Ich glaube, das wissen wir jetzt mittlerweile. Mehr und mehr kommt die Wahrheit ans Licht.

Doch was machen unsere Staatsoberhäupter? Die Türkei verlangt den israelischen Botschafter zu sprechen und fordert ein UNO-Sondertreffen. Der französische Außenminister ist "hochgradig schockiert". Die spanische EU-Ratspräsidentschaft bezeichnet die Aktion als "inakzeptabel" und "äußerst schwerwiegend". Die arabischen Staaten sind natürlich am Rande der Rage und wollen eine Krisensitzung der Arabischen Liga. Unser spezieller Freund, der iranische Präsident Machmud A. spricht gar von einem Massaker. Auch Russland lässt Kritik hören.

Unsere deutsche Regierung hält sich unterdessen noch zurück. Man hat ja sowieso andere Probleme, weil man ja ein neues Staatsoberhaupt braucht. Von Israel verlangt man nur eine umfassende Klärung.

Und die Bevölkerung? In der Türkei demonstriert man und versucht die israelische Botschaft zu stürmen. In Pakistan verbrennt man Israel-Flaggen. Proteste in Malaysia, Libanon, Indonesien, überall. In London kommt es zu stillen Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen mit den Palästinensern. Währenddessen fliegen in Frankreich auch schon einige Steine.

Frage: Wo soll das alles hinführen? Während in Thailand hunderte Menschen getötet wurden bei Kämpfen mit der Regierung und in Afrika jährlich hunderttausende durch Folter oder Bürgerkrieg zu Tode kommen, haben die Obersten der Welt nichts besseres zu tun, als erneut Israel ins Visier zu nehmen, eine UNO-Versammlung anzustreben und den nächsten Report über die jüngsten Ereignisse abzuwarten, um dann wieder einmal Israel auf ganzer Linie zu verurteilen.

Montag, 31. Mai 2010

Politik

So, nachdem ich eben noch kurz von meinem Urlaub berichtet habe, muss ich doch wieder mal auf Politik umschwenken, obwohl ich mir damit in meiner Heimat wohl selten Freunde mache. Denn die Ansichten zu Israel und Palästina sind doch andere als die meinen. Das sehe ich immer wieder, wenn ich die Artikel der Zeitungen auf ihren Internetportalen lese.
Zuerst einmal muss ich ja Deutschland mein politisches Beileid aussprechen, weil wir ab heute keinen Bundespräsidenten mehr haben. Eigentlich ein Armutszeugnis, dass wir jetzt also auch gelernt haben, wie man das eigene Staatsoberhaupt rausekelt.
Der Horst war mir wie gesagt zwar sympatisch, aber heute will ich über was Anderes schreiben. Denn wieder ist Israel in den Schlagzeilen.

Ich habe keine Ahnung wie sich die aktuellsten Ereignisse auf die Stimmung der öffentlichen Meinung und der Pro-Palästina-Aktivisten in Deutschland ausgewirkt haben, aber ich nehme einfach mal an, dass es in den nächsten Wochen kaum eine Stimme geben wird, die Israel unterstützt. Jedenfalls findet man hier im Internet ziemlich wenige davon. Deswegen will ich mich mal ein bisschen einmischen.

Wie man ja überall lesen kann, haben israelische Soldaten am heutigen Montag die Free-Gaza-Flottille geentert und dabei dutzende Menschen erschossen und unzählige verletzt. Die sechs Schiffe wollten Hilfsgüter nach Gaza bringen, wo man mit Hamas-Prominenz und einigen internationalen Gästen einen neuen Kai des Hafens einweihen wollte. An Bord der Schiffe waren viele Menschenrechtsaktivisten und auch zwei Abgeordnete der Linkspartei sowie der schwedische Autor Henning Mankell.
Die Aktivisten wollten mit der Aktion ihren Protest gegen die von Israel verhängte Seeblockade des Gaza-Streifens kundtun und sich mit den Palästinensern solidarisch zeigen.

Für die Weltöffentlichkeit natürlich ein gefundenes Fressen: Israelische Soldaten schießen wieder einmal auf friedliche Demonstranten. Diesmal sogar in internationalen Gewässern. Also: In Istanbul stürmt man zur Vorsicht die israelische Botschaft. Ich bin mal gespannt was unsere Leute in Deutschland so alles machen, um ihrem Unmut gegenüber der israelischen Politik bzw. gegenüber allem, was mit Israel zu tun hat, Luft zu verschaffen.

Jetzt ist es also aus meiner Sicht an der Zeit, was zu sagen, das Israel ein wenig in Schutz nimmt. Zuerst einmal die Kurzzusammenfasung:
Im Jahre 2007 übernimmt die Hamas gewaltsam die Macht in Gaza. Daraufhin verhängt Israel eine Seeblockade. Die Hamas verkündet von Anfang an lautstark, dass sie Israel vernichten will. Die Welt nickt zustimmend mit dem Kopf. Ein paar Terroristen schießen tausende von Raketen auf Südisrael. Die Welt sympatisiert mit den "Freiheitskämpfern". Okay, Januar 2009: Israel reicht's. Man marschiert - nachdem die Hamas zum wiederholten Mal den Waffenstillstand gebrochen hat - im Gazastreifen ein und sorgt für Ordnung. Über tausend Zivilisten sterben, von denen man nicht weiß, wodurch sie wirklich gestorben sind. Was tut die Welt? Man ist empört, entsetzt, erschüttert. Auf dem Platz vor dem Kölner Dom wünschen tausende Demonstranten Israel den Tod. Israel zieht sich nach halbwegs gewonnenem Krieg zurück und lässt sich weiter beschießen. (Von Februar 2009 bis April 2010 sind 450 Raketen auf israelischem Boden eingeschlagen.)
Und jetzt? Was sind die Hintergründe von heute morgen? Eine Bewegung (Free Gaza Movement) versucht seit 2007, die Seeblockade zu durchdringen. Heute wollten sie damit erfolgreich sein. Hilfsgüter sollten nach Gaza gebracht werden. Ich meine, es ist ja wohl klar, dass Israel im Vorfeld angekündigt hat, dass man das verhindern wird. Es gab sogar das Angebot, die Hilfsgüter in einem israelischen Hafen abzuladen und dann auf dem Landweg nach Gaza zu bringen. Aber das war ja nicht der Sinn des Vorhabens. Es ging nicht in erster Linie um die Nahrungsmittel. Es ging darum, seine Sympatie mit der Hamas zu zeigen. Deswegen hat man nicht auf israelische Angebote reagiert und auch die Funksprüche der Marine ignoriert. Man ist einfach weitergefahren. Nun, die israelische Armee hat sich gedacht man müsse die sechs Schiffe ja irgendwie schon kontrollieren. Es geht ja nicht, dass man da eine Seeblockade macht und dann ein paar linke Aktivisten wahrscheinlich noch alles Mögliche nach Gaza schmuggeln. Weil als Friedensaktivist auf palästinensischer Seite finden sich ja bekanntlich auch eine Menge Leute, die den bewaffneten Kampf für ein freies Palästina durchaus unterstützen.
Wie dem auch sei, morgens haben sich die Israelis auf die Schiffe abgeseilt. Noch in internationalen Gewässern. Das war wahrscheinlich das einzige Überraschungsmoment, denn die Aktivisten wussten ja, dass sie nicht unentdeckt und unbehelligt durch eine Seeblockade kommen.
Und jetzt wird es interessant. Was der Free-Palestine-Tshirt-Träger ja gern behauptet: Israelische Soldaten landen auf den Schiffen, schießen auf die schlafende Menge, um möglichst viele Freunde Palästinas zu töten.
Was aber sogar youtube-Aufnahmen zeigen: Die Soldaten, deren Auftrag es war, die Schiffe zu kontrollieren und dann - nach israelischem Recht völlig korrekt - in einen israelischen Hafen umzuleiten, wurden von der "schlafenden Menge" freundlich mit Metallstäben und anderen Waffen empfangen. Die Meute wollte die Soldaten geradezu lynchen. Also, meiner Meinung nach sieht friedlicher Protest anders aus... Und dann wurde irgendwann geschossen. Und nicht einmal da ist klar, wer angefangen hat. Am Ende sind jedenfalls fast 20 Leute tot. Und wer ist schuld? Natürlich Israel. Das steht für die meisten Leute außer Zweifel. Wer denn sonst?

Ein paar interessante Videos findet man auf youtube:
Nummer 1: http://www.youtube.com/watch?v=pLpgxlHmZhk
(Titel: "Israelisches Kommando stürmt gewaltsam Flottille". Naja, man sieht eigentlich nur wie sich die Israelis abseilen und zusammengeschlagen werden...)
Nummer 2: http://www.youtube.com/watch?v=ZFx0NnDx6Do
(Hier ist das ganze Geraufe ein bisschen besser überschaubar... Nur für alle, die gerne weiterhin an die "friedlicher Protest"-Version glauben.)

Damit mich hier keiner falsch versteht: Ich rechtfertige hier keine Toten oder so. Ich will nur eine Alternative zu den Darstellungen derer bieten, die sich vorbehaltlos auf die Seite der Hamas gestellt haben...

Manche Leute behaupten, die israelischen Soldaten hätten sofort geschossen. Einfach so. Da kann ich nur eines sagen:
Die israelische Armee hat moralische Werte. Eine Soldatenausbildung beinhaltet hier nicht nur das Kämpfen und Töten. Wahrscheinlich lernt ein Soldat hier sogar mehr über sich selber und über Menschlichkeit als unsere Soldaten daheim, in ihrer nunmehr nur noch 6 Monate dauernden Grundausbildung zum Notfall-Vaterlandsverteidiger.
Die israelische Armee hat ein Imageproblem. Durch Morden und Brandschatzen würde man sich nur noch tiefer in die Sche*ße reinreiten.

Bevor wir vorbehaltlos mit irgendwem sympatisieren, sollten wir einmal nachdenken. Denn fragen wir uns auch mal: Was war der Sinn der ganzen Aktion??
Es ging wie gesagt nicht nur um die Hilfsgüter. Man wollte die israelische Seeblockade durchbrechen. Ob die jetzt illegal nach internationalem Recht ist oder nicht - was habt ihr davon?? Gaza unterstützen? Den Menschen helfen, indem man zeigt, dass man auf der Seite der Hamas steht? Die Hamas hat die Macht in Gaza gewaltsam ergriffen, in einem Bürgerkrieg mit der Fatah. Die Hamas verflucht Israel, will Israel ausrotten - und sagt das in aller Öffentlichkeit ganz deutlich. Und die Hamas schießt Raketen auf israelische Städte ab. Die Hamas hat die Schari'a wieder eingeführt, Frauen müssen sich verschleiern, ob sie wollen oder nicht. Die Hamas gehört zu jenen palästinensischen Nationalisten, die behaupten, es hätte in Jerusalem niemals einen jüdischen Tempel gegeben und Jerusalem hätte keine Verbindung zu den Juden in der früheren Geschichte gehabt. Das alles ist angeblich nur erfunden worden, um die Palästinenser zu unterdrücken. Was soll ich dazu sagen? Die Hamas lügt. Mehr kann man dazu nicht sagen.

Aber jetzt frage ich euch:
Wie kann sich die halbe bzw. nahezu ganze öffentliche Meinung auf die Seite dieser Terroristen stellen?
Wer wirklich das Wohl der Bevölkerung im Blick hat, der hat für die Hamas und ihren Weg des palästinensischen Freiheitskampfes nichts übrig.
Wie konnten Terroristen so einfach die Herzen von Friedensaktivisten, Schriftstellern oder Politikern der Linkspartei erobern??

Wahrscheinlich hasst mich jetzt ein Teil Deutschlands. Vorausgesetzt Deutschland liest diesen Blogeintrag. Aber ich empfehle euch: Nehmt euch das hier vielleicht ein bisschen zu Herzen, bevor ihr euch vorbehaltlos auf irgendeine Seite stellt...

Urlaub!!!

Hallo allerseits, ich hab die letzte Woche Urlaub gehabt! Ein alter Kumpel von mir, der Patrick, ist mich besuchen gekommen und wir sind bisschen rumgefahren. Dabei bin ich ein bisschen braun geworden und hab mir auch einige Mückenstiche eingehandelt...
Der erste Tag führt alle, die mich besuchen kommen, erst einmal in die Jerusalemer Altstadt. Orient-Einstieg für Europäer. Volles Programm, Klagemauer, arabischer Altstadtbasar, Grabeskirche. Also hatte ich jetzt - mittlerweile wahrscheinlich zum letzten Mal - die Möglichkeit, mich als "einheimischer" Reiseleiter anzubieten. Zumindest in Jerusalem hab ich Heimvorteil.
Der zweite Tag führte uns an den See Genezareth. Wir haben Kapernaum besucht, die Stadt, die Jesus verflucht hat und die heute nur noch aus Ruinen besteht. Danach haben wir uns nach einem Platz zum Schlafen umgeschaut. Cool wie wir sind, haben wir nur Schlafsäcke dabei und machen weder von einem Zelt noch von vorhandenen Jugendherbergen Gebrauch. Die Suche hat uns dann zum Jordandelta geführt, dem Paradies für Stechmücken, Moskitos und Waldflöhe. Das ganze Ungeziefer macht sich jedoch erst des nachts bemerkbar, was für Menschen, die sich bei über 20 Grad nicht in ihrem Schlafsack verkriechen wollen, fatale Folgen hat. Kurz: Ich habe nur an meinem linken Arm an die 30 Stiche gezählt. Vom rechten Arm will ich gar nicht reden. Rund um den Ellenbogen fühlt es sich an, als würde man mit der Hand über den Himalaya fühlen, so hügelig ist es da.


Was soll ich sagen? Wir haben überlebt. Aber zum Hauskreis am Mittwoch habe ich es dann doch nicht mehr geschafft. War zu viel Wegstrecke in zu großer Hitze.
Donnerstag war ganz gechillt. Felsendom, Garten Gezehmaneh, Ölberg, Gartengrab,... Wieder Jerusalem.
Freitags ging es dann an das Tote Meer. Dort leben - wie der Name schon sagt - nicht einmal Stechmücken. Dafür kann man in En Gedi auf einem Campingplatz schlafen - auch ohne Zelt. War echt cool. Eigentlich wollten wir uns noch Kebabs grillen, aber die Läden hatten schon zu, als ich ans Fleisch dachte. Zum Glück hatte der Nationalpark in En Gedi nicht zu. Dort haben wir dann auch bisschen gebadet und uns das Salz abgewaschen. Wir waren zwar nicht die einzigen Touristen da, aber wir haben einen schattigen Platz gefunden, wo wir die Zeit bis zum ersten Bus am Samstagabend verbracht haben. Den mussten wir allerdings nicht nehmen, da wir von Ingrid und Olga aufgelesen worden sind, die zufällig des Weges gefahren kamen.


Den Sonntag haben wir noch genutzt, um uns Yad Vashem anzusehen. Gehört ja - besonders für uns Deutsche - dazu, wenn wir Israel bereisen. Patrick wollte danach noch bisschen Souvenirs shoppen in der Altstadt, denn das war dann auch schon der letzte Tag. Abends bzw. um 2 Uhr nachts kam dann das Sherut zum Flughafen.
Ich war heute wieder auf Arbeit, und ich kann euch sagen: Das fühlt sich gut an, wenn man genügend Urlaub gehabt hat. Dann macht das Arbeiten auch wieder Spaß.

Samstag, 22. Mai 2010

Fußball

So. Ich hab bis grade gearbeitet, und um in der Stadt in irgendeiner Bar Fußball zu schauen ist es jetzt mittlerweile auch zu spät. Also sitze ich dementsprechend in unserem Wohnzimmer und schaue auf unserem Fernseher das Finalspiel Inter Mailand gegen Bayern München (Champions League). Unser Fernseher ist so schlecht, dass ich die Teams nicht auseinanderhalten kann. Die Schrift oben rechts kann ich auch nicht entziffern. Ich hoffe nur, ich schau grad das richtige Spiel... LiveStream im Internet kann man hier nicht empfangen. Da fühle ich mich als Auslandsdeutscher doch ein wenig benachteiligt, wenn nicht sogar verarscht. Denkt bei uns daheim eigentlich jemand an uns??? Naja, okay. Zumindest kann man hier israelischen Fußball schauen. Letzte Woche hab ich life im Fernsehen gesehen, wie Hapoel Tel Aviv Meister geworden ist. Wir sind im Ilan drüben vor dem Flachbildfernseher eines Behinderten gesessen, der zur gleichen Zeit unten in der Stadt im Teddy Stadium war und das gleiche Spiel im Stadion miterlebt hat. Schon cool, wenn man von uns zum Ilan rüberläuft, dann hört man die Fans von unten schreien und die Trommeln und die ganze Stimmung. Schon nicht schlecht. Ich bin dann auch noch am Fenster gesessen und habe praktisch GESEHEN wie Tel Aviv gegen Beitar Jerusalem gewonnen hat. Die Fans von Maccabi Haifa haben sich geärgert, weil Hapoel in der 92. Minute noch ein Tor geschossen hat - und was für eins... Ich bin natürlich auch Hapoel-Fan, weil die Jerusalemer von Beitar angeblich Rassisten sind. Lassen keine Araber mitspielen. Eine andere Mannschaft aus Jerusalem, deren Fangemeinde man sich anschließen könnte, wäre Maccabi Jerusalem. Aber die spielen in der dritten Liga, habe ich mir sagen lassen. Hmm... Außerdem ist ein Worker von uns auch Hapoel Tel Aviv-Fan, weil da ein Onkel von ihm und auch sein Großvater mitgespielt haben, damals. Also, nach VfB STUTTGART ist meine zweite Lieblingsmannschaft jetzt offiziell Hapoel Tel Aviv. Und dann kommt auch schon der FC Timisoara aus Rumänien und die Suttgarter Kickers. Aber das ist eine andere Geschichte...

Samstag, 15. Mai 2010

Caesarea

So, endlich gibt's auch mal wieder was von mir... Ich hatte gestern (Freitag) die Frühschicht, und die dauert freitags eine ganze Stunde (!) :D Und wenn man schonmal wach ist, dann kann man ja irgendwo hinfahren, hab ich mir gedacht. Freitagabend fängt ja der Schabbat an, d.h. das komplette Nahverkehrsnetz kommt zum Erliegen. Gut, dass ich schon um 7 Uhr morgens mit der Arbeit fertig war. Also auf zur Central Bus Station.

Ich wollte mir mal Caesarea anschauen. Von da aus ist Petrus mit dem Schiff auf seine Reise nach Rom aufgebrochen.
Als ich in Caesarea angekommen bin, fiel mir auf, dass ich kein Geld mehr hatte. Weder für den Eintritt in den Nationalpark (Ruinen kosten Geld) als auch für meine Rückfahrkarte. Nur Euros hatte ich noch. Aber in Jerusalem waren alle Wechselstuben um acht Uhr morgens noch geschlossen. Deswegen stand ich an der Autobahn Nummer 2 und schaute in den Mond. Caesarea hat zum Glück auch noch eine Neustadt, mit gemütlichen Hotelanlagen und Spas. Und inmitten dieser sympatischen Kleinstadt fand sich ein Supermarkt und eine Bank. Die war natürlich zu, aber es gibt ja Geldautomaten. Wie dem auch sei, ich hatte bald wieder Geld und konnte auf der ewig langen schnurgeraden Straße in der prallen Sonne in Richtung Ruinen und alte Steine gehen.

Caesarea wurde zur Zeit Herodes des Großen gegründet. Heute liegt das alles in Trümmern, ist demnach aber die bedeutendste archäologische Stätte in Israel. Man findet hier alles: Griechische Tempel, römische Tempel, viele Bodenmosaike, eine Pferderennbahn, ein Amphitheater, ein Hafen, und so weiter. Kurz gesagt: Hochinteressant für alle, die auf Archäologie stehen. Gut dass ich auf Archäologie stehe :D


























Ich fand's cool. So eine Fülle an Archäologie findet man in Deutschland nur an wenigen Plätzen, wo es doch in Deutschland weder Herodes noch Griechen gab, und die Römer sich meist jenseits des Rheins gehalten haben.
Doch das Beste war: Ich war noch vor Schabbat wieder daheim in Gilo. Es lohnt sich also schon, wenn man nicht den halben Tag verpennt sondern mal zeitig aufsteht.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Tel Aviv

Ey, ihr habt keine Ahnung was für ein ge*les Gefühl es ist, wenn man 3 (drei) ganze Tage hintereinander frei hat, und das mitten in der Woche. Das habe ich gleich genutzt und bin nach Tel Aviv gefahren. Da gibt es ein paar Museen, die ich noch nicht gesehen hatte. Ich habe meine Allgemeinbildung jetzt viel zu lange vernachlässigt. Deswegen bin ich ins Diaspora Museum gegangen. Da geht es um die Geschichte des jüdischen Volkes außerhalb von Israel. Viele Synagogen als Modelle nachgebaut und so. Deutsche Juden im Mittelalter, Juden in Italien, und so weiter. Die wichtigsten Meilensteine der jüdischen Geschichte.


Nachdem ich das Museum verlassen hatte, wollte ich in Richtung Strand. Zum Entspannen. Auf dem Weg bin ich beim Eretz Israel Musem vorbeigekommen und dachte mir, das schau ich mir auch irgendwann mal an, wenn ich wieder nach Tel Aviv komme. Hätte ohnehin bald zu gemacht. Deswegen bin ich mal zu Fuß in eine mir logisch erscheinende Richtung gelaufen. Natürlich habe ich wieder einmal gehandelt wie es für mich typisch ist - ich habe nicht nach dem weg gefragt und bin einfach drauflos gelaufen. Naja, in Küstennähe bin ich irgendwie schon gekommen... Aber eher nördlich vom Stadtzentrum. Und Tel Aviv Nord hat ewig lange Straßen, die immer geradeaus führen. Ohne Supermarkt oder sonstiges, einfach nur Wohnhäuser. Irgendwann hab ich mich in einen Bus gesetzt und bin in die andere Richtung gefahren. Nach einer ganzen halben Stunde war ich dann im Zentrum und am Strand. Oh Mann.

Geschlafen hab ich nachts in Petach Tikva, bei den Altenheimleuten. Da war tote Hose, weil die meisten mit Besuch unterwegs waren.

Am nächsten Morgen (also heute) habe ich mir gedacht, wenn ich schonmal in der Nähe bin, fahr ich wieder nach Tel Aviv und schau mir das eretz Israel Museum auch noch an. Hat sich dann auch gelohnt. Allerdings habe ich auf Anhieb wieder auf dem Rückweg zum Bus nicht den richtigen Weg gefunden. Irgendwann lauf ich mich noch zu Tode... Aber Sport tut ja gut. Hab ich irgendwo gehört.

Jetzt ist gleich die Abschiedsparty von Johannes (weil der uns nach nur 9 Monaten schon verlässt...) und der Geburtstag von dem Lennart. Wird lustig...