Sonntag, 10. Januar 2010

Seminar im ÖH

So, da bin ich wieder... Bin grade vom Seminar heimgekommen und mache gleich mal meinen Blogeintrag. Jetzt hab ich noch einen ganzen freien Nachmittag, dann schauen wir in der Hagoschrim-Kommandozentrale (Ingrids Wohnung) einen Film.

Unser Wochenendseminar war dieses Mal in Jerusalem, also hatten wir praktisch Heimvorteil. Das ÖH (Österreichisches Hospiz) liegt in der Altstadt, direkt an der Via Dolorosa und nicht weit weg von der Klagemauer. Eine kleine, österreichische Insel inmitten des Orients. Die Architektur verweist auf unsere auch fast deutschen Nachbarn, und in der Kapelle des ÖH findet sich sogar ein Abbild vom Kaiser. Hier hatte ich also mein drittes Seminar. Unsere Themen: Die orthodoxen Ostkirchen, die christliche Urgemeinde und der Tempelberg. Drei einzelne Themen, die aber auch teilweise zusammenhängen.
Jedenfalls, es war ein Seminar mit einem äußerst straffes Programm. Am ersten Tag kam gleich ein Armenier, der uns auf Englisch mal alle Hintergründe der armenischen Kirche und der Armenier in Jerusalem erklärt hat. Er hatte seinen kleinen Sohn dabei, der kein Wort von dem verstand, was sein Vater da erzählte, aber bemerkenswerterweise die ganze Zeit schweigend und völlig ruhig danebensaß... Das hätte ich früher nicht gekonnt. Wie dem auch sei, es war hochinteressant. Interessant wurde es auch abends nochmal, als Olga uns die biblische Geschichte des Tempelbergs näherbrachte und Ingrid uns mit den Anfängen der Kirche vertraut machte. Den weiteren Abend verbrachten wir aufgrund der frühen Nachtruhe ab 22 Uhr auswärts, das heißt in einer mehr oder weniger gemütlichen Bar in der Stadt.

Unser zweiter Gast erwartete uns am nächsten Morgen. Es war der Benediktinermönch Bruder Nikodemus, ein noch recht junger Klosterbruder der katholischen Kirche, der uns alles über die Ostkirchen erzählen konnte. Ich fand das Thema ja interessant. Aber normalerweise ist das schon ein ätzend langweiliger Stoff. Bruder Nikodemus hat das aber doch einigermaßen gut rübergebracht, sodass die meisten von uns wirklich folgen konnten. Jedenfalls haben wir Einblicke aus erster Hand bekommen, die man in Deutschland nur schwer findet.
Nach dem ersten Programmpunkt erwartete uns eine Nonne namens Justina in der St. Mark's Church, wo das Haus des Apostels Markus stand. Das ist eine syrisch-orthodoxe Kirche. Die Frau sang uns was auf Aramäisch vor und erzählt von den zahlreichen Wundern, die vor der Ikone geschehen waren, die der Apostel Lukas gemalt haben soll.
Nach dem Besuch in der Kirche gingen wir Pizza essen. Der Pizzeriabesitzer hatte uns irgendwie ver*rscht, sodass wir mehr bezahlten und nicht so wirklich zufrieden waren. Aber wir hatten eine gute Gemeinschaft; es hat sich also trotzdem gelohnt.
Um unsere Kenntnisse über die syrisch-orthodoxe Kirche zu vertiefen war ein Bruder Musche (Mose/Mosche/Moses) eingeladen. Er konnte sogar Deutsch und erklärte uns ein bisschen was. Für die meisten war das aber schon die Grenze der Aufnahmefähigkeit, aber ich habe gemerkt, dass man nicht einschläft, wenn man fleißig mitschreibt. Ich habe im ganzen Seminar... moment, mal zählen... an die 23 Seiten mitgeschrieben. In einer Schrift, die außer mir keiner lesen kann und reichlich unstrukturiert, aber ich bin nicht eingeschlafen.
Samstagabend war Gottesdienst, ich durfte den Predigttext vorlesen, gepredigt hat der Eric. In der St. Anna-Kirche, wo die Maria geboren ist, haben uns jene Volos, die des Chorgesangs kundig sind und darin auch die nötige Routine haben, mit Gesang beglückt und sich der einzigartigen Akustik bedient, um einen Chor von 6 Leuten wie eine wahre Heerschar an Sängern klingen zu lassen. (Ey Mann, jetzt reicht's mit den komischen Sätzen...)

Heute haben wir noch das Tempelinstitut besucht, wo die jüdische Welt auf die Erbauung des dritten und letzten Tempels vorbereitet wird, was dann eintrifft, wenn der Messias kommt bzw. zurückkehrt. Auch hier gab's einige interessante Sachen zu lernen.
Und dann war unser Seminar vorbei. Die Menge hat sich aufgelöst. Für Marwin, Thomy und Angela war es das letzte Seminar. Die machen sich dann nach Deutschland aus dem (Wüsten)Staub, auf in eine Welt, die gerade im Schnee versinkt (wie ich bei iGoogle lesen konnte), während wir hier gerade so an die 27°C haben - und das ist kein Scherz.

Bis dann mal wieder,
Euer Thorsten

Samstag, 2. Januar 2010

Ein Gutes Neues Jahr!

Ich wünsche meinen Blog-Lesern ein gutes und gesegnetes neues Jahr! Ich hoffe Ihr habt schön Silvester gefeiert.
Wir waren an Silvester in Haifa. Ich war jetzt das erste Mal da, bis jetzt bin ich halt noch nie dazu gekommen. Haifa liegt auch ziemlich weit im Norden, da braucht man ganze 2 Stunden mit dem Bus... :D Israel ist ja ein relativ überschaubares Land, von der Größe her. Da ist man in ein paar Stunden von oben bis unten durch.
Jedenfalls, Haifa ist eine ganz nette Stadt. Da spürt man das Mittelmeer-Flair noch ein bisschen stärker, da dort auch diese Nadelbäume wachsen, die es in Spanien an der Küste auch gibt. (In Jerusalem gibt es die bestimmt auch, aber bis jetzt ist mir das noch nie so arg aufgefallen...) Die Mädels in Haifa wohnen direkt auf dem Karmel-Berg, von wo man eine wunderbare Aussicht auf Haifa und den Hafen hat. Ich hab die Aussicht nur bei Nacht genießen können, als wir da oben bei der Aussichtsstelle auf Mitternacht gewartet haben.
Silvester in Israel ist schon ein bisschen speziell... Da die Juden ja im Herbst Neujahr feiern (Rosch haSchana), gibt es Ende Dezember so gut wie keinen Aufwand. Kein Feuerwerk, keine Böller, nur vereinzelt ein paar Blitze und Geräusche aus den arabischen Dörfern um Haifa. Und unten in der Stadt wurden so an die sieben Raketen gestartet, allesamt drei Minuten vor Mitternacht.
Wie gesagt, von Silvester ist wenig zu spüren. Nur die Autofahrer rufen einem im Vorbeifahren Happy New Year! zu.
David-Jan hat ja am 1.Januar Geburtstag und ist dieses Jahr 21 geworden, d.h. wir hatten an diesem Abend bzw. in dieser Nacht gleich zwei Ereignisse zu feiern. Dementsprechend sah auch das Buffet in der Wohnung von zwei Volontärinnen aus. Es gab viele gute Sachen - und am nächsten Morgen war nur ein kleines bisschen Salat übrig (wahrscheinlich genau das, was ich hätte essen sollen, aber wie Ihr wahrscheinlich wisst bin ich ja kein Freund von Salat...).

So, gestern sind wir dann also wieder nach Hause gefahren, mit dem letzten Bus vor Schabbat. An Neujahr. Jeder Laden hatte geöffnet, kein Mensch war übermüdet (außer uns natürlich), alles war normal. Wie eben jeder Tag in Israel...

Heute waren wir im Gottesdienst in Talpiot. Dort geh ich meistens hin, wenn ich mal frei habe am Wochenende (was in letzter Zeit ziemlich oft war). Der Gottesdienst da ist ganz ok, die Predigt ist wirklich gut (finde ich) und ansonsten die ganze Atmosphäre gefällt mir. Jerusalem Assembly, House of Redemption heißt dir Gemeinde. Da gehen ziemlich viele Volos hin.
Danach haben wir daheim was gegessen und den Schabbat genossen. Ich hab unser Zimmer aufgeräumt, das sah mal wieder extrem chaotisch aus...

Und bevor ich euch noch weiter zulaber mit irgendwelchen Sachen wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende. :)

Bis dann,
euer Thorsten

Samstag, 26. Dezember 2009

Frohe Weihnachten! :)

Hallo ihr Lieben,

Ich wünsche Euch allen zuerst einmal Frohe Weihnachten und auch einen guten Start ins neue Jahr!

Wahrscheinlich interessiert es Euch daheim, wie ich hier Weihnachten gefeiert habe. Dann will ich einfach mal ein bisschen erzählen, wie man hier Weihnachten feiert...
Im Grunde ist das nicht spektakulär. Aber es ist schon anders als daheim. Immerhin ist man hier im Heiligen Land, und ich bin nur ganz wenige Kilometer von dem Ort weg, wo vor 2.000 Jahren Jesus geboren wurde: Betlehem. Man merkt hier aber viel weniger vom Weihnachtsrummel als in Deutschland. Die wenigsten Leute feiern hier die Geburt Jesu. Und deswegen ist man froh, wenn man im ein oder anderen Laden in der Altstadt auf ein bisschen Kitsch stößt. Und so sieht es auch in unserer WG aus, zumindest die Heizung, die an unserem niedrigen Wohnzimmertisch steht: Geschmückt mit Lametta und (von der Sara) selbstgebastelten Fröbelsternen. Kerzen, viel rot, viel Glitzer. An Süßigkeiten mangelt es auch nicht, weil die anderen paketeweise Schokolade und andere Sachen bekommen haben. Zu Essen haben wir also genug gehabt. Außerdem haben wir Plätzchen gebacken. So hat die Weihnachtszeit dann auch bei uns Einzug gehalten.
Wie gesagt, die Weihnachtsstimmung muss man sich selber machen hier - zumindest bis zum 24. Dezember. Dann gab es nämlich eine Weihnachtsfeier von Hagoschrim, mit Weihnachtsliedern und Punsch und einem guten Essen. Und wir haben "schrottgewichtelt", das heißt: Jeder bringt was mit, das er nicht mehr braucht, und das wird dann irgendwie mithilfe einer ausgeklügelten Würfelstrategie verschenkt. Natürlich ist die Menge an nicht mehr zu gebrauchenden Gegenständen relativ eingeschränkt, wenn man im Grunde nur ein Regal und ein Fensterbrett besitzt, wo man seinen Kram verstauen kann. Aber ich habe dann doch etwas gefunden - und auch im Handumdrehen eine wunderschöne, schlichte, blaue, gläserne, UNBRAUCHBARE Blumenvase erstanden. Der Abend hatte sich gelohnt... Spaß beiseite. Es war echt toll. Und von Hagoschrim haben wir jeder ein Keramik-Namensschild mit unserem Namen (auf Deutsch und auf Hebräisch) bekommen.
Nach der Weihnachtsfeier ging es dann zur Erlöserkirche in die Altstadt. Da gab es einen deutsch-protestantischen Weihnachtsgottesdienst, der mich dann ein bisschen an die Landeskirche daheim erinnert hat, wo meine Familie wahrscheinlich um die gleiche Zeit saß. Der Gottesdienst hat dann mit "Oh du Fröhliche" abgeschlossen. Das hat die Stimmung abgerundet.
Der Höhepunkt des Abends war allerdings die Wanderung nach Betlehem. Entlang einer vielbefahrenen Hauptstraße, die uns, den Bewohnern von Gilo, schon vertraut vorkam, ging es auf einen zweieinhalbstündigen Marsch in die Stadt Davids. Wir waren so um die 60 bis 80 Leute, die allermeisten deutsche Volontäre von allen möglichen Organisationen. Es gab interessante Gespräche auf dem Weg, und über den Checkpoint bzw. die Grenze gelangten wir ohne Probleme über die Mauer nach Betlehem.
Wir Hagoschrimer dürfen ja normal nicht in die A-Zone, d.h. in dei Palästinensergebiete. Aber der Ralph Z. aus Hannover (unser Chef) hat uns extra erlaubt, mit der Erlöserkirche da rüberzuwandern.
In Betlehem kamen wir dann so um halb vier Uhr morgens an. Da gab es ein paar kurze Lieder, ein bisschen Tee, und dann sind wir in die Geburtskirche gegangen. Ich habe ja nicht viel erwartet, deswegen war ich nicht allzu enttäuscht. Wie die Grabeskirche in Jerusalem eben auch. Weit ausgebaut, keine Spur mehr vom Betlehem von vor 2.000 Jahren. Und außerhalb der Kirche nur arabische Taxifahrer, die man verscheuchen muss, weil die denken, dass Touristen jeden Preis zahlen, um von einem Auto gefahren zu werden. Wir sind natürlich zu Fuß zum Checkpoint zurück, und dann noch die halbe Stunde nach Gilo hoch. Um 6 Uhr morgens sind wir dann in die Betten gefallen, mit schmerzenden Füßen. gerade dann, als Ben, unser israelischer Volo, zur Frühschicht gegangen ist.

Am 25. Dezember waren wir dann - nach ein bisschen Schlaf - im zweiten Teil des Weihnachtsoratoriums von Bach, auch in der Erlöserkirche. Wir - also Eric, Irina, Sara, Dominik und ich. War cool. Danach haben wir in der WG einen Schabbatabend gemacht, mit bisschen gemütlich zusammensitzen und kochen und essen.

Heute, ab zweiten Weihnachtsfeiertag, sind wir nach dem Frühstück in den Gottesdienst in der Jerusalem Assembly in Talpiot gegangen. Eigentlich haben wir sonst nicht viel gemacht. Wir sind wieder viel gelaufen, weil am Schabbat ja keine Busse fahren. Dann haben wir gekocht, gegessen, entspannt - und jetzt ist es Zeit für einen Blogeintrag. Der ein bisschen lange ausgefallen ist, wie ich gerade merke. Ich bin ja noch nicht fertig.

Ich habe an viele Leute Briefe und Postkarten geschrieben. Aber irgendwann haben meine Hände angefangen zu schmerzen. Deshalb hoffe ich, dass diejenigen, denen ich jetzt nichts geschrieben habe, mir nicht böse sind. Für euch ist dieser Eintrag heute. Und natürlich auf für die Anderen. Ich hoffe meine Post ist bei euch angekommen und ihr habt euch gefreut.

Ich wünsche euch noch eine schöne Zeit, einen schönen Urlaub noch und schöne Weihnachtsferien. Ich muss morgen wieder arbeiten, aber ich hab eine wirklich tolle Zeit gehabt. Weihnachten mit neuen Freunden zu feiern, in Israel, das ist schon toll. Natürlich denkt man auch an die Verwandtschaft und die Familie daheim, aber man kommt drüber weg, weil man hier ja auch nicht alleine feiern muss.

Alles Gute und einen guten Rutsch,
euer Thorsten

Freitag, 11. Dezember 2009

Selbstverteidigung gegen Autisten :D (und anderes)

Mir ist aus verschiedenen Quellen zu Ohren gekommen, dass ich in meinem Blog zu wenig schreiben würde. Hmm, dann will ich mal daran arbeiten.

Die letzte Woche war realtiv geruhsam, was die Arbeit angeht. Dafür hatten wir am Dienstag eine Fortbildung in Tel Aviv. Es gab keine Überschrift über der Einladung, aber es ging grob um die Selbstverteidigung gegen wildgewordene Autisten. Hört sich irgendwie bizarr an. Die meisten von euch wissen wahrscheinlich gar nicht, welchen alltäglichen Gefahren wir ausgesetzt sind. Bei unserer Arbeit lauern Konflikte, Aggressionspotenziale und autistische Brennpunkte auf uns. Was tut man, wenn einer unserer Schützlinge auf dem Klo sitzt und nicht mehr aufstehen will? Oder wenn die Lautstärke des Fernsehers einen von ihnen dazu reizt, den Schrank umzuwerfen?? Das ist die Frage. Und genau dieser Frage sind wir nachgegangen, auf diesem Lehrgang.
Ok, jetzt aber ein bisschen ernsthafter. Es geht bei dieser ganzen Sache natürlich nicht in erster Linie um uns. Ich meine, wie wehrt man sich gegen jemanden, der einen hauen will, aber zwei Köpfe kleiner ist? Oder überhaupt keine Koordination in den Armen hat? Unsere Autisten werden nur dann gewalttätig, wenn sie sich hilflos fühlen und mit einer Situation nicht klarkommen. Und es geht dann nicht darum, wie beschütze ich mich vor diesem Menschen, sondern wie beschütze ich diesen Menschen vor sich selber. Es ist eine Kunst, Gewalt nicht mit Gewalt zu begegnen. Es kommt ja nicht oft vor, dass unsere Leute durchdrehen. Aber wenn mal doch, dann muss man sich und ihnen zu helfen wissen.
Oft sind es nur ganz kleine Tricks und Kniffe, die einen sich anbahnenden Zusammenstoß verhindern. Manchmal brauchen Autisten einfach nur Körperkontakt. Oder auch jemanden, bei dem sie auf ein bisschen Widerstand stoßen. Dann eskaliert die Lage nicht, sondern löst sich einfach von alleine.
Jedenfalls, der Kurs war ganz interessant. Nächste Woche Dienstag geht es dann weiter. Praktisch für Fortgeschrittene.

Oh, heute Abend fängt übrigens Chanukka an, das Lichterfest. Das geht acht Tage lang und erinnert an den siegreichen Aufstand der Juden gegen die griechischen Besatzer, ungefähr andertalb Jahrhunderte vor Christus. Nach der Rückeroberung des Tempels war von dem Lampenöl für den Leuchter im Tempel nur noch ein Krug übrig. Das reicht normalerweise für einen Tag. Das Öl hat aber acht Tage gereicht. Das ist das Chanukka-Wunder, an das erinnert wird an diesem Fest. Deshalb stellen die Familien ihren Leuchter ins Fenster, damit die Leute auf der Straße an das Wunder erinnert werden. Ich denke ich gehe morgen Abend mal nach Mea Schearim, da wo die Orthodoxen wohnen. Vielleicht seh ich da ja ein paar Leuchter stehen. Bin mal gespannt auf die Atmosphäre da.

Gestern war ich in der Mall, dem Einkaufszentrum, das man von Gilo aus sieht. Da gibt's jetzt auch viele Stände mit Chanukka-Leuchtern und anderen Sachen für dieses Fest. Zum Beispiel essen Juden hier an Chanukka immer Berliner, in fett gebraten und gefüllt mit Marmelade. Man isst da so ziemlich alles, was trieft und tropft, weil das an das Ölwunder erinnert.
Und ich habe in der Mall auch einen einzigen Stand gesehen, wo man Schoko-Nikoläuse kaufen kann. Ist das nicht der Hammer?? :D In Deutschland laufen die Läden und Supermärkte über vor Schoko-Nikoläusen, und hier freut man sich, wenn man irgendwo ein bisschen Weihnachtskitsch zu sehen bekommt. Der ist nämlich erschreckend selten. In der Altstadt gibt es einen Laden, wo man Plastik-Tannebäume kaufen kann und Lametta und Schokolade und amerikanisches Weihnachstgedudel. Aber das war's dann auch schon. So eine landesweite, multikulturelle und konfessionsübergreifende Weihnachts-Euphorie, die einen Kaufwahn und überteuerte Preise mit einschließt, gibt es hier nicht. Zumindest habe ich davon noch nicht viel gemerkt. Nur bei den Volos kommt irgendwann der Drang, Plätzle (hochdeutsch Kekse :/ ) zu backen. Gut dass es im Ilan drüben einen großen Ofen gibt. Weil mit unserem kann man höchsten Schnitzel (aus Huhn, selbstverständlich) aufwärmen...

Montag, 7. Dezember 2009

Nikolaustagfeier im Ilan

Hallo zusammen, gestern war ja Nikolaus, und da hat's abends dann so eine Veranstaltung gegeben, von den Jungs im Ilan veranstaltet. War wirklich cool. Viele musikalische Beiträge. Da meine besten Zeiten (was die Musik angeht) leider schon Jahre zurückliegen, habe ich mich dezent im Hintergrund gehalten. Dafür hab ich mich dann in der Küche nützlich gemacht mit ein paar Anderen. Dabei sind dann Kässpätzle rausgekommen. Ich denke mal, dass die meisten mit unserer kulinarischen Beilage zufrieden waren...
Nach dem offiziellen Teil ging's dann erst an's Schischa-Rauchen (hust) und dann irgendwann aufgrund von Frühschichten und so auch ins Bett. Heute morgen hab ich gemerkt, dass ich ja nachmittags frei habe... Ich war vorhin schon in der Stadt und werde mir nachher noch eine Ein-Mann-Portion Spaghetti kochen.
So, das war jetzt detailliert genug, denk ich doch. Achja, morgen haben wir so eine Art Selbstverteidigungskurs gegen wildgewordene Autisten, in Tel Aviv. Bin ich schonmal gespannt. Wir müssen deswegen morgen nicht arbeiten. Aber aufstehen werden wir trotzdem um halb sechs... :D

Freitag, 4. Dezember 2009

Schabbat Schalom

Wir waren grade auf einer Buchvorstellung. Chaim Goren hat bei der Dormitio-Kirche sein Buch über die deutschen Katholiken im Heiligen Land zwischen 1838 und 1910 vorgestellt... War ein bisschen was für Insider, aber man hat auch einiges erfahren über eben jene deutschen Katholiken, die hier Deutschland vertreten haben und gegen eine französische Übermacht in Gastronomie, und Pilgertourismus des 19. Jahrhunderts verteidigt haben. Auch unser Paulushaus beim Damaskustor, wo unsere Einführungsseminare stattfinden, wurde vom Deutschen Verein im Heiligen Lande gebaut. Es sollte eigentlich größer werden als es schließlich wurde, da man mehr Betten für Pilger zur Verfügung stellen wollte als die Franzosen. Aber das Geld hat dann schließlich nicht gereicht.
All solche Geschichten hat er uns erzählt, der Herr Goren. War ganz interessant, find ich. Interessanter wäre es für meinen ehemaligen Geschichtslehrer gewesen, weil der hat doch auch ein Fable für alte Quellen und so. Außerdem saß der deutsche Botschafter eine Reihe vor uns. Ich war natürlich hoffnungslos underdressed, soll heißen ich hatte keinen Anzug mit Krawatte an; aber das Buffet hat trotzdem geschmeckt.

Ich hatte heute frei bzw. Frühschicht. Aber so richtig produktiv war der Tag heute trotzdem nicht, ich weiß nich... :/ Naja. Morgen wird vielleicht besser. Da hab ich dann wirklich frei, ohne Frühschicht. Vielleicht meld ich mich dann wieder.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Advent etc.

Mir ist aufgefallen, dass mein letzter Blogeintrag schon einige Tage zurückliegt. Deswegen will ich mich rasch nochmal melden.

Mittlerweile ist es Dezember und Advent. Letzte Woche am Schabbat waren wir in der Stadt und haben auf dem Adventsbasar ein paar Weihnachtsplätzle verkauft. Der Stand von Hagoschrim war recht übersichtlich, und wir haben viel Gebäck und Stollen verkauft. Das ganze fand neben der Erlöserkirche statt, also praktisch im Preußischen Patriarchat, wenn man das so nennen darf. Es waren viele Deutsche da, und vor allem Volontäre und irgendwelche Leute, die in Israel leben, den Genuss von Glühwein und Lebkuchen aber dennoch nicht missen wollen. ALDI hat der deutschen Botschaft in Tel Aviv extra einen Haufen Weihnachtssachen zur Verfügung gestellt, die dann hier verkauft wurden. Ich weiß jetzt nur nicht, ob die Botschaft das umsonst bekommen hat. Wahrscheinlich nicht. Wird der deutsche Staat vom ALDI gekauft haben, damit die ganzen Exildeutschen in der weiten Welt was zu Essen haben an Weihnachten... Naja, ok. Egal. Jedenfalls war's cool. Der Tag war generell nicht schlecht. Wir waren im Gottesdienst, morgens und abends, in verschiedenen Gemeinden. Und abends ist auf der Ben Yehuda (praktisch so die Jerusalemer Königstraße, für alle die aus der Region Stuttgart kommen) immer was los. Da haben welche gegen die Orthodoxen demonstriert, weil die die Klagemauer für sich allein beanspruchen. Dann gab's ein bisschen HipHop und Breakdance, was von orthodoxen Gegendemonstranten mit lauter Musik übertönt wurde. Und während da der innerjüdische Kampf der Kulturen tobte, haben einige Koreaner weiter oben in der Ben Yehuda christliche Weihnachtslieder gesungen. Zwar auf koreanisch, aber sehr schön.

Vorgestern Abend wollten wir eigentlich alle nach Petach Tikva auf einen Doppelgeburtstag. Dahin sind dann auch alle gegangen - außer ich. Ich hab dann mal spontan den Dienstag arbeiten müssen, was man mir am Montagabend mitgeteilt hat. Ich muss zugeben, ich war ein bisschen stinksauer. Aber was will man machen? :/ Ich hab's überlebt. Und gestern kamen die ganzen Leute zum Hauskreis nach Jerusalem.

Das Wochenende hab ich frei. Mal schauen was ich da mache. Vielleicht findet sich ja irgendwas Interessantes. Ich hab neuerdings die Monatskarte für den Bus. Das lädt einen natürlich ein, einfach mal rumzufahren und jeden Bus zu nehmen, der gerade kommt, ohne sich Sorgen nach dem Preis machen zu müssen.
Also, bis dann :)